Was passiert mit einer Elektroauto-Batterie, wenn das Fahrzeug am Ende seiner Lebenszeit angekommen ist? Kann der Akku noch in einem anderen Auto eingesetzt werden, kommt eine Second-Life-Wiederverwendung in Frage oder muss der Akku recycelt werden? Diese Fragen soll die neue Analyse-Software BattMan ReLife des VW-Konzerns klären.

Die Software prüft den Gesundheitszustand (State of Health) des Akkus innerhalb von wenigen Minuten. Der Schnellcheck wird ab sofort in der Pilotanlage für das Batterie-Recycling genutzt, die Volkswagen Group Components seit Anfang 2021 in Salzgitter betreibt.

Je nach Restleistung kann die Batterie dann ganz oder in Teilen wieder in einem Fahrzeug eingesetzt werden, ein zweites Leben als mobiler oder stationärer Energiespeicher bekommen, oder das Material wird per Recycling in besagter Pilotanlage zurück in die Zellproduktion geführt werden.

Die offenbar in Anspielung auf die bekannte Comic-Figur gewählte Abkürzung BattMan steht für Battery Monitoring Analysis Necessity und wurde von Audi Brussels für die Analyse der Batterie des Audi e-tron entwickelt. Sie wird bereits von mehreren Marken des Konzerns als Diagnose-Tool genutzt.

Bildergalerie: Audi BattMan ReLife

Seit der Eröffnung der Recycling-Pilotanlage in Salzgitter wurde die Software in Zusammenarbeit mit Recycling-Experten von Volkswagen Group Components weiterentwickelt. Nun soll das Programm schon nach wenigen Minuten eine belastbare Ersteinschätzung der Batterie liefern. Vorher hatte der Vorgang mehrere Stunden gedauert.

Zu der Software gehört eine "BattMan-Box", die an die Batterie und ein Notebook angeschlossen wird. Das System prüft dann, ob die Batterie überhaupt kommunikationsfähig ist und Daten übermittelt. Danach können Fehlermeldungen, Isolationswiderstand, Kapazität, Temperaturen und Zellspannungen angezeigt werden, und zwar für jede einzelne Zelle.

"Wir können alle wichtigen Parameter Zelle für Zelle messen. Dann zeigt ein Ampelsystem den jeweiligen Zustand auf Zellebene an ‒ bei grün ist sie in Ordnung, bei gelb muss sie näher geprüft werden und bei rot ist sie nicht in Ordnung." (Axel Vanden Branden, Qualitätsingenieur bei Audi Brussels)

Daraus ergibt sich der Gesamtzustand der Batterie. Jetzt kommen drei Möglichkeiten ins Spiel.

  1. Remanufacturing: Wenn die Batterie noch gut funktionstüchtig ist, wird sie wiederaufbereitet und danach als Austauschteil weiterhin in einem E-Fahrzeug eingesetzt.
  2. Second Life: Bei mittlerem Leistungsstand des Akkus wird er zum Beispiel in einer flexiblen Schnellladesäule (zum Beispiel für einen von Audis Charging Hubs), einem mobilen Laderoboter, einem Heimspeicher oder einem Notstrom-System.
  3. Recycling: Wenn der Akku nur noch einen Materialwert hat, wird er mechanisch in Aluminium, Kupfer, Kunststoffe und ein schwarzes Pulver zerlegt. Das schwarze Pulver enthält dabei Lithium, Nickel, Mangan und Kobalt sowie Graphit, die von Partnerfirmen hydrometallurgisch getrennt und danach erneut zu Kathodenmaterial verarbeitet werden.