Auf dem Weg in die Elektromobilität legt Mercedes besonderen Wert auf den schonenden Umgang mit Ressourcen. So bemühen sich die Stuttgarter, Stoffkreisläufe durch Recycling zu schließen und entwickeln umweltfreundliche Materialien. 

Anfang Januar haben wir uns einige dieser Materialien bei der Vorstellung des Vision EQXX ansehen können. Nun integriert Mercedes eines dieser Materialien in die Serienproduktion: EQS und EQE werden mit Kabelkanälen aus dem Kunststoff-Ersatzmaterial UBQ ausgestattet, das aus Haushaltsabfällen gewonnen wird. 

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Aus unsortiertem Hausmüll werden Kabelkanäle, Dichtungen und mehr

Haushaltsabfälle bestehen unter anderem aus Lebensmittelresten, Mischkunststoffen, Pappe und sogar Babywindeln. Solche Gemische sind schwer zu recyceln und werden deswegen oft einfach verbrannt. Doch dem israelischen Startup UBQ Materials machte daraus einen Kunststoff, der offenbar die Anforderungen der Autoindustrie erfüllt.

"Seit den Anfängen des Automobils steht Leder für eine hochwertige Ausstattung im Interieur, die viele Kunden wünschen." (Mercedes)

Bei Kabelkanälen und Dichtungen spielt die Optik eine untergeordnete Rolle, denn die bekommt man kaum zu Gesicht. Anders ist das im Innenraum, wo Mercedes sich (anders als zum Beispiel Polestar) nicht ganz vom traditionellen Leder lossagen will. Doch wenn, dann soll es "nachhaltig" sein. Ab 2023 will Mercedes sukzessive in allen Baureihen nur noch solches Leder anbieten.

"Ab dem kommenden Jahr wird Mercedes-Benz sukzessive in allen Baureihen nur noch nachhaltig erzeugtes und verarbeitetes Leder anbieten." (Mercedes)

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Dem Trend zu veganen Innenausstattungen verschließt sich auch Mercedes nicht.

Nachhaltig heißt dabei nicht nur umweltfreundlich. Denn Mercedes fordert von seinen Leder-Lieferanten die Einhaltung von Tierwohl-Kriterien und bei der Erzeugung darf es keine illegale Entwaldung gegeben haben. Für den Gerbprozess dürfen nur noch chromfreie Gerbstoffe verwendet werden – beispielsweise aus Kaffeebohnen oder Kastanien. Außerdem muss beim Gerben auf möglichst geringen Wasser- und Energieeinsatz geachtet werden. All das muss der Lieferant dann gegenüber Mercedes in einer Ökobilanz belegen. 

Gleichzeitig forscht Mercedes-Benz an veganen Alternativen. Der EQXX nutzt solche bereits; sie bestehen zum Beispiel aus pulverisierten Kaktusfasern oder aus Myzel, also den Wurzeln von Pilzen. Für Polster setzt Mercedes (wie andere Hersteller) recycelte PET-Flaschen ein, und für die Fußmatten wiederverwertete Fischernetze.

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Fußmatten aus recycelten Fischernetzen: Das liest man inzwischen so oft, dass man fürchten muss, dass die Fischer bald wieder zur Jagd mit dem Speer zurückkehren müssen

Bald für Türgriffe verwendet werden könnte ein Kunststoff mit lackierter Oberfläche, der durch chemisches Recycling gewonnen wird. Bei dieser Form des Recyclings werden Altreifen und andere Kunststoffabfälle so in ihre chemischen Bestandteile zerlegt, dass man daraus erneut Kunststoffe machen kann. 

Für Rücksitz-Polster geeignet ist ein PU-Schaum, bei dessen Produktion ein besonders umweltfreundlich gewonnenes Polyol verwendet wird: Der Stoff wird nicht aus Erdöl, sondern aus CO2 hergestellt.

Für jede Tonne Stahl aus Eisenerz entstehen zwei Tonnen CO2

Besonders viel Material geht bei einem Auto für die Karosserie drauf, und zwar vor allem viel Stahl. Wenn man diesen klassisch im Hochofen aus Eisenerz macht, entstehen für jede Tonne Stahl mehr als zwei Tonnen CO2. Deshalb wird beim EQXX Stahl eingesetzt, der ausschließlich aus Schrott hergestellt wird. So verringern sich die CO2-Emissionen um 60 Prozent. Dieser Stahl wird nun unter anderem auch im Mercedes EQE eingesetzt.

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Im nächsten Schritt will Mercedes ab 2025 Stahl verwenden, bei dessen Herstellung Wasserstoff statt Koks verwendet wird, und der dadurch nahezu komplett CO2-neutral ist. Dazu hat sich Mercedes an dem schwedischen Start-up H2 Green Steel (H2GS) beteiligt. Im Kooperation mit dem schwedischen Stahlersteller SSAB will Mercedes bereits in diesem Jahr versuchsweise Karosserieteile aus fossilfreiem Stahl herstellen.

Auch bei der Produktion von Aluminium aus Bauxit entsteht normalerweise viel CO2 – weil viel Energie nötig ist. Verwendet man Recycling-Alu, können bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden.