Der Sono Sion scheint vor dem Aus zu stehen. Die Finanzierung sei nicht gesichert, viele Investoren würden empfehlen, den Sion zu streichen, um das Unternehmen zu retten, schreibt die Firma. Nun soll die Community über die Verwirklichung des Sion "abstimmen", das heißt alle, die sich bisher einen Sion reserviert haben. Doch in Wirklichkeit geht es nicht um eine Abstimmung, sondern um eine letzte Reservierungskampagne.

Nach dem nun veröffentlichten Statement der Firmenchefs Jona Christians und Laurin Hahn habe Sono im Lauf des Jahres etliche Meilensteine erreicht, darunter Partnerschaften im Geschäft mit den Solarzellen und die Vorstellung der Sion-Validierungsfahrzeuge. Doch die schwächelnden Finanzmärkte hätten die Aktienkurse von Mobilitätsanbietern gebeutelt. So sei auch die Finanzierung des Sono Sion zunehmend schwieriger geworden; das benötigte Geld einzusammeln, dauere viel länger als erwartet.

"Wir haben es nicht geschafft, den Investor:innen zu erklären, warum der Sion das Potenzial zum ersten erschwinglichen Solar-Elektroauto der Welt hat, und dass es nach so einer Lösung auch eine große Nachfrage gibt." (Sion-Chefs Christians und Hahn)

Viele Investoren würden der Firma nun empfehlen, sich auf das weniger kapitalintensive B2B-Solargeschäft zurückzuziehen, das bereits Umsätze generiert, und das Sion-Programm aufzugeben. Bevor man die Sion-Entwicklung einstelle, wolle man aber der Community der über 21.000 Privatpersonen, die bisher einen Sion reserviert haben, "eine letzte Chance geben, das Sion-Programm am Leben zu halten und unsere Finanzierungslücke teilweise zu schließen."

Der Sion kostet nach wie vor 29.900 Euro. Wenn alle 21.000 Reservierungen zu Käufen führen, entspräche das einem Umsatz von rund 465 Millionen Euro, rechnet Sono vor. Dazu kommen noch rund 22.000 Vorbestellungen von Flottenbetreibern, womit man etwa 600 Millionen Euro Umsatz generiere könnte. Insgesamt käme man so auf über eine Milliarde Euro. Aber erwartete Umsätze sind noch keine Liquidität.

Um die große Nachfrage als Finanzierungsquelle zu nutzen, starte man nun eine Reservierungs-Kampagne für 3.500 Sion, die unter dem Namen #saveSion läuft und 50 Tage dauern soll. Wer sich für eine Reservierung entscheidet, erhält anfangs einen Rabatt von bis zu 3.000 Euro auf den Endpreis des Sion. Die Anzahlungen werden nur fällig, wenn der Sion auch wirklich gebaut wird. Zusätzlich erhält man bei Reservierung eine feste Wartelistennummer für den Sion.

Bereits bei der Crowdfunding-Aktion Ende 2019 gelang es in 50 Tagen über 50 Millionen Euro an Zahlungszusagen von der Community einsammeln. Heute, da das B2B-Solargeschäft bereits läuft und die Marke bekannter ist, soll offenbar Ähnliches gelingen.

Seit 2016 wurden über 400 Millionen Euro netto an finanziertem und versprochenem ("committed") Kapital eingesammelt, schreibt Sono. Man habe nur fünf Jahre vom ersten Konzept bis zur Vorbereitung der Vorserie gebraucht. Und während die Entwicklung eines Autos normalerweise bis zu eine Milliarde Euro koste, sei Sono bisher mit weniger als der Hälfte ausgekommen.

"#saveSion ist unsere Lösung für die Finanzierung eines Großteils des Sion-Programms, ohne die Aktie weiter zu verwässern", so das Münchner Unternehmen. Das Programm sei der erste Teil einer Finanzierungsstrategie für die nächsten zwölf Monate. Danach will man sich wieder an die Kapitalmärkte wenden. So soll die Vorserienproduktion im Jahr 2023 und die Serienproduktion im ersten Quartal 2024 bezahlt werden.

Falls die Kampagne nicht erfolgreich verlaufe, werde man sich auf das B2B-Solargeschäft zu konzentrieren. Mit der derzeitigen und erwarteten Liquidität von rund 55 Millionen Euro könnte man das Unternehmen dann trotzdem erhalten, so die Hoffnung.