Oliver Zipse, der CEO der BMW Group, ist davon überzeugt, dass die für 2025 terminierte Elektroauto-Familie der sogenannten Neuen Klasse den Industrie-Standard setzen wird, wenn es um Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Preise geht. 

Das ist eine ziemlich steile These, selbst für einen Autobauer mit BMWs Geschichte, Technologien und industriellen Kapazitäten. Allerdings darf man nicht vergessen, dass BMW sein erstes E-Auto, den i3, bereits vor zehn Jahren auf den Markt geworfen hat, nur kurz nachdem Tesla mit dem Model S sein erstes Mainstream-Auto präsentierte.  

So gesehen kann man die Münchner durchaus als Elektro-Pioniere bezeichnen. Auch aktuell sind sie hier mehr als gut im Spiel. Das Produktportfolio des Konzerns reicht von Mini Cooper SE über den iX1, iX3, i4, i7 und iX bis zum Rolls-Royce Spectre. Diverse weitere Modelle werden in Bälde folgen. 

Dazu zählen die neue Generation des elektrischen Mini, der neue Mini Aceman, der elektrische Mini Countryman sowie die BMWs iX2 und i5. Und das ist noch vor dem Start der Neue Klasse-Modelle. BMW hat wohl die Mittel und das Knowhow, seine nächste Generation an E-Fahrzeugen zur industrieweiten Benchmark zu machen. Am Willen mangelt es offenbar auch nicht. 

In einem Mediengespräch auf der CES 2023 in Las Vegas, wo BMW die Studie i Vision Dee enthüllte, welche Technologien der Neuen Klasse vorwegnimmt, sagte Oliver Zipse sehr klar, dass die neuen Elektroautos der Marke führend in ihren Klassen sein werden.   

"Wir werden die Benchmark in Sachen Reichweite, Ladezeiten und Preisen sein. Vergessen Sie nicht die Preise", sagte er Journalisten am Rande der CES. Das berichtet Automotive News Europe. Zahlen nannte er dabei nicht. 

Der Fokus auf die Preisgestaltung ist dabei mindestens interessant, wenn man sich den Status von BMW als Premium-Hersteller vor Augen führt, der bisher nicht unbedingt durch Discount-Angebote aufgefallen ist. Vielleicht meint der Chef damit, dass man im Premium-Segment mit den niedrigsten Preisen punkten will. 

BMW hat bereits erwähnt, dass die Neue Klasse-EVs neu entwickelte zylindrische Zellen der sechsten Generation nutzen werden, welche eine um 20 Prozent höhere Energiedichte aufweisen sollen. Im Vergleich zur aktuellen Batterietechnologie des Herstellers sollen sie zudem 30 Prozent mehr Reichweite und eine um 30 Prozent verbesserte Ladegeschwindigkeit bieten. 

Obendrein werden die Zellen in der Herstellung um 50 Prozent günstiger sein. Sie werden direkt im Akku-Paket installiert, die Modul-Schicht entfällt. BMW sagt, die Zellen werden eine Nickel-basierte Chemie  mit reduziertem Kobalt-Anteil nutzen. Zipse versprach aber auch zusätzliche Batterie-Technologien. 

Er wollte aber noch nicht sagen, ob BMW dichtere Feststoff-Batterien oder günstigere Lithium-Ionen-Phosphat-Batterien in Betracht zieht, wie sie etwa Tesla nutzt. 

Im November 2022 gab BMW dem britischen Car Magazine erste Schlüsse-Informationen zur Neue Klasse-Plattform mit 800-Volt-Technologie. Demnach dürfen wir Leistungen von 268 bis 1.341 PS, Heckantriebs- und Allrad-Varianten mit bis zu vier Motoren, Batterien mit 75 bis 150 kWh sowie Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometer erwarten. 

Die Neue Klasse wird Ende 2025 mit einer Limousine in 3er-Größe debütieren, die im neuen ungarischen Werk der Bayern gebaut wird. Es folgt ein sportliches, in den USA produziertes  SUV. Laut Zipse zeigt der BMW i Vision Dee nicht die kommende Neue Klasse-Limousine. Allerdings seien Features enthalten, die man im Serienauto sehen wird - so etwa das riesige Head-up-Display. 

Bildergalerie: BMW iVision Dee (2023)