Seit September werden gewerblich zugelassene Elektroautos nicht mehr vom Staat gefördert. Damit bricht der Elektroauto-Absatz in Deutschland ein, wie die Zahlen für September zeigen. Mit der ab 2024 verringerten Förderung für Privatleute könnte sich das Problem noch verschärfen.

Für September 2023 meldet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Zulassung von 31.714 neuen Elektroautos. Das waren 29 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Und es handelt sich um den stärksten Rückgang seit Dezember 2016: Damals wurde ein Minus von 31 Prozent registriert, wie die Wirtschaftsprüfungs-Firma Ernst & Young (EY) in einer neuen Studie schreibt, über die die Automobilwoche berichtet.

Gegenüber dem August gingen die Neuzulassungen sogar um 63 Prozent zurück. Dieser scharfe Rückgang ist erklärbar: Im August kauften die Betriebe kräftig Elektroautos, um noch von der Förderung zu profitieren. 75 Prozent der verkauften Elektroautos gingen an die gewerbliche Kundschaft. Im September, nach dem Auslaufen der Förderung für Gewerbekunden, brach deshalb der Absatz ein.  

 

Auch der BEV-Anteil am Gesamtmarkt ging im September stark zurück. Im August betrug er wegen des Vorzieheffekts bei den gewerblichen Zulassungen noch knapp 32 Prozent, im September waren es nur noch 14 Prozent. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2022 lag der BEV-Anteil in Deutschland bei 18 Prozent.

Nach der Prognose der EY-Fachleute werden auch in den kommenden Monaten die gewerblichen Käufer fehlen, was sich in den Zulassungszahlen niederschlagen wird. Zum Jahresende soll der E-Auto-Absatz noch einmal hochgehen, weil dann die Privatkunden ihre Käufe vorziehen, so EY. Ab Januar 2024 wird auch die Förderung für die private Kundschaft gekappt. Statt 4.500 Euro bekommt man dann nur noch 3.000 Euro vom Staat. Deshalb wird dann die Nachfrage weiter zurückgehen.

Für das Gesamtjahr 2023 sieht die EY-Prognose noch recht gut aus: Wurden 2022 in Deutschland noch rund 470.000 Elektroautos verkauft, sollen es im laufenden Jahr etwa 100.000 Stück mehr sein. Doch für 2024 geht EY von einem Rückgang aus. Bis auf Weiteres werde der Elektroauto-Absatz "nicht auf eigenen Beinen stehen" können. Wenn es mit der Mobilitätswende klappen soll, müsse es neue Förderungen geben. Außerdem müssten für Privatleute mehr günstige Elektroautos angeboten werden – hier sei die Autoindustrie gefragt.

Ein Kommentator der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ergänzt, dass auch die Zinswende zu dem Elektroauto-Schlamassel beitragen könnte. Die private Kundschaft scheue Elektroautos noch, weil die Aussichten für den Werterhalt unsicher seien – das stimmt wohl, denn die Reichweiten steigen rapide, und so werden gebrauchte E-Autos schnell unattraktiv. Leasing sei zunächst ein Ausweg gewesen. Doch wegen der gestiegenen Zinsen habe auch dies an Attraktivität verloren, weil die Leasing-Kundschaft die hohen Zinsen über die Leasingraten bezahlen muss.

Unser Titelbild zeigt einen Honda Prologue beim Aufladen.