Continental entwickelt zusammen mit dem Münchener Elektroantriebs-Spezialisten DeepDrive einen Radnabenantrieb mit integrierter Bremse. Die Kooperation ist strategisch angelegt; das Radnabensystem soll nur ein "erster Meilenstein" sein. 

DeepDrive ist laut Firmen-Website ein Spezialist für Radnabenmotoren und elektrische Zentralantriebe. Die Firma wurde vor rund zehn Jahren als Spinoff der TU München gegründet – die Firma ging aus dem studentischen Motorsport-Team TU fast hervor. Inzwischen hat das Münchner Team langjährige Erfahrung in der Auto-Großserie gesammelt, lobt Continental seinen Partner. Continental bringt in die Kooperation seine Expertise bei Bremssystemen und bei der Industrialisierung neuer Technologien ein.

Matthias Matic, Leiter des Geschäftsfelds Safety and Motion bei Continental (Mitte) mit den beiden Gründern und Geschäftsführern von DeepDrive Stefan Ender (links) und Felix Pörnbacher (rechts)

Matthias Matic von Continental (Mitte) mit den DeepDrive-Chefs Stefan Ender (links) und Felix Pörnbacher (rechts)

"Die von DeepDrive entwickelten Elektromotoren sorgen für eine höhere Reichweite in Elektrofahrzeugen", meint  Matthias Matic, Leiter des Geschäftsfelds Safety and Motion bei Continental. "Sie sind leichter, kostengünstiger und ressourcenschonender." Die Kombination mit der Bremsentechnologie von Conti zu einer kompakten Einheit sei ein "entscheidender Beitrag" für den Erfolg der Elektromobilität.

"Wir sind überzeugt, mit der Entwicklung unseres Doppelrotor-Motors die Elektrifizierung von Fahrzeugen zu revolutionieren", ergänzt DeepDrive-Mitgründer Felix Pörnbacher. Die strategische Partnerschaft mit Continental ermögliche es, den Antrieb "mit der nötigen Bremsentechnologie zu einer innovativen, für die Mobilität von morgen wesentlichen Elektro-Komponente zu verheiraten. Die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach einer solchen Technologie zeigt, dass dies der richtige Weg ist."

Der elektrische Radnabenmotor ermögliche es, künftig alle Fahrwerksfunktionen einschließlich des Antriebs direkt am Rad zu platzieren, schreibt Continental. Das soll zu großen Reichweiten führen, den nötigen Bauraum klein halten und eine hohe Modularität ermöglichen. Eine optimale Abstimmung von Bremse und Antrieb sei wichtig. So ergebe die Integration beider Elemente in einer Einheit "eine besonders hohe Effizienz im Antrieb und beim Abbremsen". Darüber hinaus reduziere die Integration die Komplexität, was die Herstellungsprozesse vereinfachen soll.

Radnabenantrieb mit integrierter Bremse von Continental

DeepDrive hat einen sogenannten Doppelrotor-Radialfluss-Motor entwickelt und patentiert, der als Zentralantrieb und auch als Radnabenantrieb in Serienfahrzeuge eingebaut werden kann. Continental steuert die Bremskomponenten bei und will dafür sorgen, dass die Kombination zeitnah auf die Straße kommt.

Im ersten Schritt wird in die Antriebseinheit eine hydraulische Bremse integriert. Langfristig sollen trockene Bremssysteme ohne hydraulische Komponenten eingebaut werden. Auch die Integration weiterer Komponenten wie Luftfedersystemen von Continental ist angedacht. Damit würde sich ein so genanntes Corner-Modul ergeben, das Motor, Bremse und Radaufhängung in einer Einheit zusammenfasst. Solche Module nutzt zum Beispiel auch das israelische Start-up Ree.

Die Zusammenarbeit wurde durch die Corporate-Venture-Einheit von Continental (co-pace) angestoßen, die sich als Investor an der Finanzierung von DeepDrive beteiligt hat. Als weiteren Kapitalgeber nennt die DeepDrive-Website die Firma BMW i Ventures.

Radnabenantrieb mit integrierter Bremse von Continental