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Berliner Elektroroller-Marke Unu meldet Insolvenz an

Online-Verkauf gestoppt, soll aber nächste Woche wieder starten

Zwei Unu-Elektroroller (Symbolbild)

Der Berliner Elektroroller-Hersteller Unu hat Insolvenz angemeldet. Das teilte das vor zehn Jahren gegründete Unternehmen am Freitag mit. Als Gründe für die Pleite wurden "gestiegene Material- und Transportkosten, höhere operationelle Kosten und die stark eingebrochene Nachfrage im Zuge der Inflation" genannt. Aber noch ist nicht aller Tage Abend: Der Geschäftsbetrieb wird einstweilen fortgesetzt. 

Als Insolvenzverwalter wurde der Berliner Restrukturierungs-Spezialist Gordon Geiser eingesetzt. Er soll im Rahmen des Insolvenzverfahrens eine Sanierung erreichen – offenbar sucht er nun nach einem oder mehreren Investoren. Verkauf und Service der Roller will Geiser fortführen.

Unu hat bisher immerhin schon rund 20.000 E-Scooter verkauft, schreibt die Berliner Zeitung. Die Roller wurden in Deutschland, Frankreich, Österreich und den Niederlanden verkauft. In ihren besten Zeiten hatte die in Kreuzberg ansässige Firma fast 100 Beschäftigte, derzeit sind es noch etwa 50 Leute. 2022 verkündete die Firma zudem, dass die Roller nur noch mit Batterie-Abo verkauft werden. Im laufenden Jahr hatte Unu das Abo-Modell umstrukturiert und das Offline-Geschäft mit Handelspartnern ausgebaut. 

Bildergalerie: Unu-Roller (2022)

Die Firma Unu wurde 2013 gegründet; der Elektroroller kam 2014 auf den Markt. Das ursprüngliche Modell hatte ein Retro-Design mit konventionellem Nadel-Tacho. Das 2019 eingeführte, neue Modell bekam dagegen ein eher modernes, schlichtes Design und ein Instrumentendisplay. Anders als beim Vorgänger ist nun unter dem Sitz Platz für einen oder zwei Akkus sowie für zwei Helme. 

Die Akkus lassen sich herausnehmen und in der Wohnung aufladen. Das Basismodell Unu Scooter Move mit 2 kW kostet 2.999 Euro oder 69 Euro monatlich. Den Unu Scooter Pro mit 4 kW gibt es für 3.999 Euro oder 99 Euro pro Monat. Beide Versionen können mit einem oder zwei Akkus bestückt werden, wobei jede Batterie für 60 km Reichweite sorgen soll. Gestartet werden beide Roller entweder per App oder per Schlüsselkarte.

Der Verkauf über den Online-Shop wurde laut Unu-Website gestoppt, soll jedoch in der kommenden Woche wieder beginnen. Die App und die Server sollen einstweilen weiter funktionieren. Nach der Insolvenz der E-Bike-Marke VanMoof konnte die Kundschaft ihr Rad über das Netz nicht mehr entsperren, weil die Server nicht mehr betrieben wurden. Beim Unu-Roller kann man immerhin die Keycard zum Entsperren verwenden.

Bereits getätigte Bestellungen sollen laut Unu "nach Möglichkeit" bedient werden, doch werde es eventuell etwas länger dauern. Was passieren soll, wenn der Roller bereits bezahlt, aber noch nicht geliefert wurde, ist einstweilen noch offen. 

Die Roller wurden in Berlin entwickelt, aber in China produziert. Die zweite Generation wurde ab 2020 bei der chinesischen Firma Flextronics gebaut, die auch Aufträge für Apple, Tesla und Dyson übernimmt. Doch kurz nach Produktionsbeginn legte die Corona-Pandemie die Fertigung schon wieder still. Dann folgten die Chip-Knappheit und zuletzt die schlechte Konjunktur.

Unser Titelbild zeigt zwei Unu-Elektroroller.