Gerade erst haben wir den neuen Hyundai Ioniq 5 N getestet, und nun arbeitet die Sportabteilung der koreanischen Marke schon wieder an der N-Version eines Elektrofahrzeugs. Erlkönigbilder von Automedia zeigen erstmals ein Testfahrzeug des Hyundai Ioniq 6 N. Aufgenommen wurden sie in der Nähe des Hyundai-Testzentrums am Nürburgring.

Die Bilder sollen ein Mule zeigen – darunter versteht man ein Testfahrzeug mit einer beliebigen (meist bekannten) Karosserie. So ist das fotografierte Auto kaum von einem normalen Ioniq 6 zu unterscheiden. Hinweise auf eine Sportversion sind jedoch die roten Bremssättel – und die Felgen, die denen der Studie RN22e gleichen:

Hyundai Ioniq 6 N Mule (Felge)

Ioniq 6 N als Mule

Hyundai RN22e Concept (2022)

RN22e Concept

Große Lufteinlässe wie beim 5 N können wir auf den Fotos nicht erkennen. Wenn es diese gibt, so sind sie hinter der Tarnung verborgen. Von den drei Luftklappen in der Frontschürze ist nur eine geöffnet; vermutlich hatte das Auto gerade keinen besonderen Kühlluftbedarf.

Hyundai Ioniq 6 N als Mule

Hyundai Ioniq 6 N als Mule

Hyundai Ioniq 6 (2023) im Test

Normaler Ioniq 6

Am Heck gibt es die gleichen zwei Heckspoiler wie beim normalen Ioniq 6, jedenfalls keinen Heckflügel: 

Hyundai Ioniq 6 N als Mule

Hyundai Ioniq 6 N als Mule

<p>Hyundai Ioniq 6 N Mule</p>

Normaler Ioniq 6

Das erwähnte RN22e Concept vom Sommer 2022 wurde allgemein als Studie des Ioniq 6 N verstanden. Hyundai hatte zugegeben, dass die Karosserie auf dem Ioniq 6 basiert, wollte aber nicht bestätigen, dass der Wagen als Ioniq 6 N in Serie geht. Der Name RN22e soll Rollendes N-Labor aus dem Jahr 2022 mit Elektroantrieb bedeuten. Das Auto hatte einen riesigen Kühllufteinlass vorne und einen überdimensionalen Heckflügel:

Hyundai RN22e Concept (2022)
Hyundai RN22e Concept (2022)

Wie der Kia EV6 GT besaß die Studie einen 430 kW starken Allradantrieb und den altbekannten 77-kWh-Akku. Daneben konzentrierte sich die Studie auf die Kühlung, auf den künstlichen Sound und auf die Simulation eines Getriebes. Diese drei Elemente bietet auch der 5 N.

Offiziell wurde ein Ioniq 6 N noch nicht bestätigt, aber das australische Automagazin Drive behauptete im November, das Modell könnte schon 2025 auf den Markt kommen. Das leiteten die Kollegen offenbar davon ab, dass zwischen der Präsentationen des normalen Ioniq 5 und den 5 N zweieinhalb Jahre lagen. 

Nach dem Bericht soll das Auto noch spurtstärker sein als der Ioniq 5 N, der 3,4 Sekunden für den Standard-Sprint braucht. Auch die Leistung könnte noch höher sein als beim 478 kW starken Ioniq 5 N.

Einen Allradantrieb wird das Auto wohl bekommen; die Maximalleistung hängt bei Elektroautos stark davon ab, wie lang diese gehalten werden kann. So stehen die 478 kW des Ioniq 5 N nur für 10 Sekunden zur Verfügung; danach sind es "nur" noch 448 kW, und die 30-Minuten-Leistung wird wohl noch wesentlich geringer sein. Das Starren auf die Leistungszahl bringt also nicht viel.

Als Energiespeicher wird wohl die neue 84-kWh-Batterie genutzt, die im 5 N und im Facelift des normalen Ioniq 5 zum Einsatz kommt. Dazu werden wohl auch all die Verbrenner-simulierenden Features aus dem 5 N eingebaut, dazu Sportsitze und starke Bremsen. Die strömungsgünstigere Karosserie und geringere Höhe des Ioniq 6 (1,50 Meter) gegenüber dem SUV-artigen Ioniq 5 (1,58 Meter) könnte für Vorteile beim Handling und bei der Endgeschwindigkeit sorgen – der Ioniq 5 N schafft 260 km/h.

Der Wahlspruch der N-Sparte lautet "Never just drive", das heißt, hier geht es um Fahrspaß. Das N steht für das Hyundai-Entwicklungszentrum im koreanischen Namyang, aber auch für den Nürburgring. Auf der berühmten Rennstrecke werden die Autos getestet; außerdem befindet sich in der Nähe das erwähnte europäische Entwicklungszentrum der Marke.

Die Sportabteilung hat für Hyundai eine ähnliche Funktion wie AMG für Mercedes oder M für BMW. Aber die Submarke N wurde erst 2013 vorgestellt, das erste N-Fahrzeug (der i30 N) erst 2017 präsentiert. Danach folgten der i20 N und der Elantra N. Mit dem Ioniq 5 N präsentierte Hyundai das erste elektrische N-Fahrzeug.

Unter dem Strich

Dass Hyundai an einem Ioniq 6 N arbeitet, kann man wohl als gesichert ansehen; der neue Erlkönig ist ein Beleg dafür. Dass das Auto 2025 startet, ist dagegen kaum mehr als eine Vermutung. Auch alles andere bleibt Spekulation – so ist das nun mal bei Erlkönigen. 

Bildergalerie: Hyundai Ioniq 6 N als Erlkönig (2024)

Bild von: Automedia