Ja, was ist denn das? Ein schwarzer Lotus Exige, aber mit Elektroantrieb? So sieht es aus. Auf die Räder gestellt wurde der Prototyp von der britischen Firma Nyobolt. Der Batteriespezialist will damit zeigen, wie schnell man einen leichten Elektro-Sportwagen bauen kann: Indem man sich auf eine kleine und damit leichte Batterie beschränkt und die fehlende Reichweite durch ultraschnelles Laden kompensiert.

Die Batterie speichert gerade mal 35 kWh. Das soll für 250 Kilometer nach WLTP-Norm reichen. In Zeiten, da selbst Kleinwagen oft 400 km schaffen, ist das nicht viel. Aber die Batterie ließ sich nach firmeninternen Tests in vier Minuten und 37 Sekunden von 10 auf 80 Prozent bringen.

Nyobolt EV: Das Exterieur

Nyobolt EV: Gutes Handling durch kleine, leichte Batterie

Solche Ladegeschwindigkeiten sind nur mit einem 800-Volt-System möglich. Dass der Nyobolt EV diese Spannungslage hat, ergibt sich aus den Angaben: Die Batterie speichert 50 Amperestunden und 35 kWh. Da ein Watt gleich einem Ampere mal einem Volt ist, ergibt sich daraus eine Batteriespannung von 700 Volt – damit handelt sich um ein 800-Volt-System. Aber selbst dafür ist die Ladegeschwindigkeit extrem hoch: Aus 35 kWh und der Ladedauer von 4,62 min errechnen sich schier unglaubliche 5,3 kWh/min. Der geliftete Porsche Taycan schafft maximal 3,8 kWh/min.

Möglich machen das offenbar die speziellen Anoden von Nyobolt: Statt dem bei Lithium-Ionen-Batterien üblichen Graphit werden Materialien aus Kohlenstoff und Metalloxiden eingesetzt. Nähere Angaben dazu fehlen, aber die Materialien sollen für eine hohe elektrische Leitfähigkeit sorgen: Damit sind die Zellen niederohmig, haben also einen geringen Innenwiderstand, und das ist essenziell.

Denn der geringe Innenwiderstand sorgt dafür, dass die Wärmeentwicklung beim Laden und Entladen gering bleibt. So soll sich die Technologie immer dann eignen, wenn es auf schnelles Laden und Entladen (also eine hohe Leistungsabgabe der Batterie an den Antrieb) ankommt. 

Aber auch eine lange Lebensdauer der Zellen gehört zu den Vorteilen, denn der Innenwiderstand soll auch nach 4.000 vollständigen Schnellladezyklen nur um 50 Prozent steigen. Danach hätten die Zellen auch noch über 80 Prozent der Speicherkapazität. 4.000 Zyklen entsprechen 600.000 Meilen oder einer Million Kilometer, wenn die Zellen im Nyobolt EV eingesetzt werden. Zum Vergleich: Viele Elektroauto-Hersteller garantieren diese Speicherkapazität nur für 160.000 Kilometer.

Niobolt EV: Das Exterieur

Niobolt EV: Das Exterieur

Nyobolt wurde 2019 gegründet und hat seinen Sitz in Cambridge. Ein erster Prototyp wurde bereits im Sommer 2023 präsentiert, wie Motor1 USA damals berichteteDer jetzt vorgestellte Wagen wurde zusammen mit dem Designstudio Callum entwickelt, das auch den schicken Offroader Callum Skye auf die Räder gestellt hat. Der Prototyp wurde angeblich so konstruiert, dass auch eine Kleinserienproduktion möglich wäre. Der Prototyp soll nur 1.250 Kilo auf die Waage bringen. Das Gewicht des Akkus gibt die Firma nicht an. 

Nyobolt EV: Elektronik unter der Haube

Nyobolt EV: Elektronik unter der Haube

Wenn sich ein Interessent findet, könnte die Produktion der Zellen schon bald beginnen.  2025 könnte die Fertigung auf 1.000 Batterien hochgefahren werden, meint Nyobolt. Man sei mit acht Fahrzeugherstellern im Gespräch. Außerdem soll die Technik bald in der Robotik und für schwere Nutzfahrzeuge eingesetzt werden.

Unter dem Strich
Ein agiler Elektro-Sportwagen mit hoher Reichweite? Das wird wohl erstmal Zukunftsmusik bleiben, denn noch sind Batterien sackschwer, und das mach ein sportliches Handling unmöglich. Nyobolt setzt bei seinem Prototyp deswegen auf sehr schnelles Laden. Wohl ein guter Gedanke. Allerdings ist die Frage, ob die Kundschaft das auch goutiert, denn Sportwagen werden nicht immer wie Sportwagen verwendet – also für kurze Spaß-Touren auf der Landstraße.

Bildergalerie: Nyobolt EV (Prototyp)