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Mini Aceman SE im Test: Erfreulich straff gefederter Crossover

Sportlich, flippig und mit schickem Display, hat das Auto das Zeug zum Verkaufserfolg

Mini Aceman SE (2025): Der Autor mit dem Fahrzeug in Frontansicht
Bild von: InsideEVs

Im Mai testeten wir den Mini Cooper, nun war der Aceman dran: Das Auto ist der große Bruder des Dreitürers und hat fünf Türen. Aber mit 4,08 Meter ist der Wagen nicht länger als ein Opel Corsa. Wir haben den kleinen Elektro-Crossover rund um Kopenhagen getestet. 

Wie den Cooper gibt es auch den Aceman in zwei Motor-Akku-Varianten, E und SE genannt. Wir fuhren die SE-Version mit 160 kW und rund 400 km Reichweite. Hier sind die wichtigsten Daten:

Schnelle Daten  Mini Aceman SE
Antrieb 1 Permanentmagnet-Synchronmotor vorne
Systemleistung / Drehmoment 160 kW / 330 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 7,1 Sekunden / 170 km/h
WLTP-Verbrauch 14,0-14,7 kWh/100 km
Batterie 49,2 kWh netto (brutto 54,2 kWh, NMC-Chemie)
WLTP-Reichweite 384-405 km
DC-Ladeleistung / DC-Ladedauer bis 95 kW / 31 Minuten (10-80%)
DC-Ladegeschwindigkeit 1,1 kWh/min (10-80%)
Länge / Höhe 4,08 m / 1,51 m
Basispreis 34.150 Euro

Exterieur | Cockpit | Antrieb/Akku | Fahreindrücke | Preise | Fazit


Exterieur

Mini bezeichnet den Aceman als Crossover, und das passt: Der Wagen ist mit 1,51 Meter deutlich höher als der erwähnte Corsa (1,43 m) oder auch der Cooper (1,46 m), ragt aber nicht so hoch auf wie der Smart #1 mit seinen 1,64 Meter Höhe. 

	 Wie die Orgelpfeifen: Die drei Elektro-Minis im Vergleich (Countryman links, Aceman in der Mitte, rechts der Cooper)

Wie die Orgelpfeifen: Countryman, Aceman und Cooper Electric im Vergleich (v.l.n.r)

Das Exterieur hat Thomas Sycha, Head of Mini Exterieur Design betont schlicht gehalten; erkennbar ist das an den glatten Flächen und dem fehlenden Chrom. Um das Auto vom Cooper abzuheben, hat Sycha dem Wagen jedoch schwarzes Offroad-Lametta spendiert, zum Beispiel an den eckig wirkenden Radkästen. Auch der Schweller ist schwarz abgesetzt, was den Wagen in der Seitenansicht optisch schlanker erscheinen lässt.

Mini Aceman SE (2025): Das Exterieur

Wie bei jedem Mini ist der Übergang vom Dach zur A-Säule eckig; das hat auch eckige Glasscheiben zur Folge, was uns ehrlich gesagt bisher nie aufgefallen ist. Die gefahrene Version hatte eine Lackierung in Rebel Red und ein schwarzes Dach. Die Ausstattungsversion heißt Favoured Trim, was sich unter anderem in dem "Grillrahmen"  in Vibrant Silver äußert. Der zeigt ein mattes Silber, kein Chrom wie beim alten Mini-Dreitürer.

Mini Aceman SE (2025): Das Exterieur

Die eckige Lichtsignatur und der eckige "Grillrahmen" passen zu den eckigen Radverkleidungen

Interieur

Innen hat die Favoured-Trim-Version ein petrolfarbenes Armaturenbrett mit hellrotem Muster. Schon diese Kombination ist ziemlich unruhig, dazu kommt noch das gemusterte Hartplastik nahe der Frontscheibe und die Flecken des Ambientelichts, das ein Projektor erzeugt.

Mini Aceman (2025): Schicke Cockpit-Gestaltung mit rundem Touchscreen, Plexiglaslösung fürs Head-up-Display und viel Ambientelicht

Cockpit im Favored Trim: Runder Touchscreen, unruhiges Armaturenbrett mit Ambientelicht und petrolfarbene Sitze

Zugegeben, dezent ist das Interieur wirklich nicht, und meinem mitfahrenden Kollegen war das zu viel. Wer darauf Wert legt, kauft besser einen Volvo EX30 mit seinen hellgrauen Wollstoffen. Designer Sycha verwies auf den Classic Trim, in dem es eine zurückhaltendere Farbkombination aus Schwarz und Blau geben soll. Aber mich hätte all das nicht gestört; Volvo gestaltet seine Auto-Cockpits halt eher wie ein skandinavisches Wohnzimmer, während es Mini flippig mag – das passt zur Marke, deren Website und Preislisten schließlich auch in Gelb und Pink gehalten sind ...

Mini Aceman (2025): Ein Projektor hinter dem Pizza-Display produziert Ambientelicht auf dem Armaturenbrett

Ein Projektor hinter dem Touchscreen produziert Ambientelicht auf dem Armaturenbrett.

Das optische Highlight der Kabine ist das runde OLED-Display. Es wirkt sehr brillant, und dieser Eindruck wird noch durch die schöne Kartendarstellung von Google-Earth verstärkt.

Das Glasdach lässt sich nicht öffnen. Sycha erzählte mir dazu, dass das durch die strengen Vorgaben zustande kommt, die er von den Technikern erhält. Die Schienen und der Motor für ein Schiebedach würden das Gewicht sicher um 20 bis 40 Kilo erhöhen, schätzt Sycha. Dazu käme noch, dass dann die Höhe wachsen würde. "Ein Zentimeter kann da gut und gern auch mal 20 Kilometer ausmachen", weiß der Experte. Auch sonst betont der Außendesigner, wie eng die Zwangsjacke ist, in die man seine Kreativität zwängt. Um all die Sensoren und die relativ großen Scheinwerfer unterzubringen, und zudem die Fußgängersicherheit zu erhalten (die Frontleuchten sind hart) wird da oft um Millimeter gefeilscht.

Mini Aceman (2025): Die Kniefreiheit hinten ist beim 1,76 m großen Autor ausreichend
Mini Aceman (2025): Auch die Kopffreiheit hinten reicht aus

Im Fond ist ausreichend Platz für den 1,76 Meter großen Autor; sowohl vor den Knien als auch über dem Kopf bleiben jeweils ein paar Zentimeter frei. Der Kofferraum bietet 300 bis 1.005 Liter Volumen; das ist weniger als in den gleich großen Jeep Avenger (380-1.277 Liter) passt, der größere Smart #1 (323-986 Liter) liegt auf gleichem Niveau, der VW ID.3 (385-1.267 Liter) transportiert mehr. Abgesehen davon ist der Kofferraum nur dann gut nutzbar, wenn man den Einlegeboden in die obere Position legt; in der unteren Position bleibt eine hohe Schwelle am Kofferraumeingang und eine kleinere Schwelle an den umgelegten Rücksitzlehnen.

Mini Aceman (2025): Ist der Einlegeboden in de runteren Position bleibt eine hohe Stufe am Kofferreineingang

Hohe Schwelle, wenn der Einlegeboden in der unteren Position ist

Mini Aceman (2025): Die Stufe an den Rücksitzlehnen lässt sich egalisieren, indem man den Kofferraumboden eine Etage weiter oben einlegt

Die Stufe an den Rücksitzlehnen wird egalisiert, wenn man den Boden höher legt (wie hier)

Antrieb und Akku

Um die Höhe des Autos klein zu halten, hat Mini aber noch einen anderen Trick verwirklicht, wie mir Produktmanager Dirk Schätzel erzählt: Die Batterie ist H-förmig gestaltet, das heißt, es gibt Aussparungen dort, wo die Füße der Insassen stehen. Die Spotlight-Plattform, die sowohl den Cooper als auch den Aceman trägt, hat also Fußgaragen wie der Porsche Taycan oder Lucid Air, aber nicht nur hinten, sondern auch vorne. Das ist wohl auch der Grund, warum Mini keine günstige LFP-Batterie einbaut: Nur mit NMC-Chemie (Nickel, Mangan, Cobalt) ist die Energiedichte groß genug, um sich die Fußgaragen leisten zu können.

Als Motoren verwendet Mini Permanentmagnet-Maschinen eines Zulieferers, während bei den Modellen von BMW stets fremderregte Maschinen ohne Dauermagnete genutzt werden. Das habe ich allerdings schon beim Cooper-Testevent erfahren.

Was die Rekuperation angeht, so bietet der Mini Aceman keine Lenkradwippen, die gut zu dem sportlichen Charakter des Autos gepasst hätten. Aber zumindest muss man nicht ständig in den Untiefen des Touchscreens nach den Einstellungen suchen: Den B-Modus kann man mit einem der Toggle Switches unter dem Touchscreen aktivieren. Damit schaltet man eine starke Rekuperation an und deaktiviert den Kriechgang.

Mini Aceman (2025): Die

Getriebemodus, Systemstart, Fahrmodi und ein Drehregler für die Lautstärke: Die Toggle Switches im Aceman

Fahreindrücke

Schon nach den ersten 20 Metern mit dem Mini Aceman stöhnte mein Kollegen auf dem Beifahrersitz: "Boah, ist der hart", sagte er, und brachte Sorge um seine Bandscheiben zum Ausdruck. Nach ein paar Kilometern gebe ich zu, dass das Fahrwerk wirklich straff ist. Das spürt man sogar bei Wellen auf einer perfekt asphaltierten Autobahn. Zu einer Familienkutsche passt sowas natürlich nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich mit dem Aceman Langstrecken fahren möchte. Aber hej, der Wagen ist 4,08 Meter lang, ein Kleinwagen-Crossover, also weder eine Familienkutsche noch ein Langstreckenfahrzeug

Dazu kommt eine ziemlich direkte Lenkung und dass der Wagen fast nicht wankt. Wenn ich bei 80 km/h mutwillig am (ziemlich dicken) Lenkrad rüttele, bleibt das Auto waagerecht und nur die Schnauze bewegt sich nach links und rechts. Insofern braucht man den guten Seitenhalt der Sitze eigentlich nur in Extremsituationen.

Der Aceman sollte schon eine gewisse Mininess haben, stimmt Fahrwerksexperte Patrick Häussler zu. Dazu gehört hier auch, dass die Räder in manchen Situationen auch mal durchdrehen dürfen. Häussler wollte offenbar nicht alles wegregeln, was nach Temperament riecht. Beim Cooper SE haben wir das gemerkt, beim Aceman SE aber nicht, was aber vielleicht auch an den Strecken lag. Häussler sagt aber auch, dass man den Aceman etwas "runder" abgestimmt habe als die kleine Spaßkanone.

Was den Vortrieb angeht, so ist der Aceman SE mit seinen 160 kW nicht schlecht, er wirkt durchaus flott, aber es bleibt einem nicht die Spucke weg wie etwa in einem Volvo EX40 mit 400 kW. In Kurven spürt man, dass der Wagen Frontantrieb hat, denn der Motor zerrt durchaus an der Lenkung. Jawohl, ein Heckantrieb hätte diesem Wagen viel besser gestanden, leider haben wir nicht gefragt, warum sich Mini für den Frontantrieb entschieden hat.

Bildergalerie: Mini Aceman SE (2025)

Preise, EU-Zölle und Konkurrenten

Der Mini Aceman ist bereits seit Juni bestellbar; seither lagen die Listenpreise bei 34.900 Euro für den Aceman E mit 135 kW und rund 300 km Reichweite und 38.900 Euro für den hier portraitierten SE. Zum 1. Oktober sanken die Listenpreise auf 30.650 bzw. 34.150 Euro, was mit dem Agenturmodell zu tun hat. Möglicherweise ändern sich die Preise noch, da die EU nun wirklich Strafzölle auf den in China bei Spotlight gebauten Aceman verhängt. Derzeit kommt der Aceman zu den ersten Händlern, offizieller Marktstart ist im November. Wer jetzt bestellt, bekommt den Wagen aber erst im Januar 2025. 

Zu den Konkurrenten gehören Autos wie der Smart #1, Elektro-Kleinwagen wie der Opel Corsa Electric, die kleinen Stellantis-SUVs wie der Jeep Avenger und vielleicht auch der derzeit günstige Kompaktwagen VW ID.3. Unser Datenvergleich mit dem Smart, dem Jeep und dem VW hat gezeigt, dass der Mini vor allem beim Stromverbrauch punktet; der Preis ist auf dem gleichen Level wie bei VW und Smart, während der Jeep überteuert ist.

Fazit

Der Mini Aceman hat das Zeug zum Verkaufserfolg. Das Fahrwerk ist erfreulich straff, der Wagen wankt überhaupt nicht, und dazu kommt die sportliche Lenkung. Ein dicker Pluspunkt ist zudem das brillante Display in der schicken runden Form mit den Google-Earth-Karten. Das Auto ist das richtige für alle, die gerne sportlich fahren, und denen ein Cooper zu klein ist, der Countryman aber zu behäbig.

Bildergalerie: Mini Aceman SE (2025)