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SVolt streicht geplante Batteriefabrik im Saarland

Auch aus dem Werk in Brandenburg wird nichts

Svolt-Batteriezellfabrik: Die Modulfertigung in Heusweiler soll so aussehen

Svolt, die 2018 abgespaltene Batteriesparte von Great Wall Motors, legt seine Pläne für europäische Batteriefabriken ad acta. Nachdem Ende Mai schon die Zellfabrik in Brandenburg gestrichen wurde, ist die chinesische Firma nun auch von dem Standort im Saarland abgerückt. Damit entfallen sämtliche Pläne von Svolt für Europa.

Das bestätigte Svolt am Mittwoch der chinesischen Nachrichtenagentur Yicai, wie die Automobilwoche berichtet. Als Grund für die Entscheidung wurde die schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa genannt.

Kobaltfreie NMX-Batteriezellen von Svolt

Svolt bietet unter anderem cobaltfreie NMX-Batteriezellen an

Die Batterieproduktion im Saarland hatte Svolt schon 2020 angekündigt. Sie sollte aus einer Zellfabrik in Überherrn und einer Modul- und Batteriefertigung in Heusweiler bestehen. Für das Projekt wollte Svolt etwa zwei Milliarden Euro investieren; die Jahreskapazität sollte bei 24 GWh liegen.

2021 hatte Svolt einen Vertrag mit Stellantis über eine Lieferung von Lithium-Ionen-Batterien ab 2025 unterschrieben, doch es kam zu mehreren Verzögerungen bei de Werk im Saarland. 2022 kündigte Svolt deshalb den Bau einer Batteriezellenfabrik im brandenburgischen Lauchhammer auf einem bestehenden Industriegelände an. Diese sollte eine Jahreskapazität von 16 GWh haben. Im Mai 2024 waren diese Pläne dann wieder einkassiert worden und auch das Werk in Überherrn stand auf der Kippe, während mal den Standort Heusweiler beibehalten wollte. Nun wird keine von den drei Fabriken gebaut.

Svolt-Batteriezellfabrik: So soll das Zellwerk im Saarland einmal aussehen

So sollte das Zellwerk im Saarland einmal aussehen

Die größte, bisher produzierende Zellfabrik in Deutschland ist das Werk von CATL bei Erfurt mit einer Jahreskapazität von 8 GWh. Außerdem gibt es noch eine Zellfabrik der Schweizer Firma Leclanché in Willstätt bei Kehl, die Zellen mit LTO- und NMCA-Chemie (Lithium-Titanat- bzw. Nickel-Mangan Cobalt-Aluminium) herstellt. Die Produktionskapazität soll auf 2,5 GWh gesteigert werden. Die Zellen sind aber nicht für Elektroautos, sondern für Nutzfahrzeuge, Züge, Fähren und stationäre Energiespeicher gedacht.

2025 soll in Salzgitter das erste Zellenwerk von VW mit 40 GWh den Betrieb aufnehmen. Ein Jahr später soll Northvolt Drei in Heide mit bis zu 60 GWh folgen. Northvolt ist derzeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, hält aber noch an dem Standort in Norddeutschland fest. Außerdem plant das Joint-Venture ACC von Stellantis und Mercedes noch ein Werk in Kaiserslautern, das derzeit auf Eis liegt. Geplant ist zudem ein 20-GWh-Werk bei Tübingen vom Joint-Venture zwischen Porsche und Customcells. Und Tesla will irgendwann ein Zellwerk in Grünheide bauen.

Unter dem Strich 

Derzeit machen viele Firmen ein Fragezeichen hinter alle Investitionen, die mit Elektroautos zusammenhängen. Grund ist die schwächelnde Nachfrage. Doch die wird wohl nicht für alle Zeit so schwach bleiben; wenn es bei den Flottengrenzwerten der EU für 2025 bleibt, könnte der Markt wieder boomen. Und dann wird wieder allerorten nach Zellen aus Europa gerufen ...  

Unser Titelbild zeigt ein Rendering der nun gestrichenen Modulfertigung in Heusweiler.