Schlechte Nachrichten zur Batterieproduktion in Europa: Das Batterie-Joint-Venture ACC, das Stellantis, Mercedes und Total Energies/Saft gehört, stoppt den Bau seiner geplanten Batteriewerke in Kaiserslautern und Termoli (Italien).

Die erste Batteriefabrik von ACC wurde vor einem Jahr im nordfranzösischen Billy-Berclau eröffnet. Das Werk hat eine Anfangskapazität von 13 Gigawattstunden jährlich und könnte später bis auf 40 GWh ausgebaut werden. Ein ebenso großer Standort sollte Anfang 2025 in Kaiserslautern eröffnet werden. Doch der Bau wurde nun fürs Erste gestoppt, wie die Automobilwoche und Reuters melden.

ACC-Chef Matthieu Hubert sprach von einer "Pause". Bis zum Jahreswechsel 2024/2025 will ACC entscheiden, wie es weitergeht. Zur Begründung wurde die Nachfrageschwäche bei Elektroautos genannt. Und bevor man Milliarden investiere, "müssen wir die Frage beantworten, welche Art von Batteriezell-Technologie der Markt erfordert", so Hubert. Laut Reuters will ACC kostengünstigere Batterien entwickeln, um günstigere Elektrofahrzeuge anbieten zu können.

Das bezieht sich möglicherweise auf die Batteriechemie: Stellantis zeigt seit Kurzem Präferenzen in Richtung Lithiumeisenphosphat – die neue Smart-Car-Plattform mit dem Citroen e-C3 als erstem Fahrzeug hat eine LFP-Batterie und kürzlich hieß es auch, der Konzern wolle LFP-Zellen von CATL kaufen; sogar eine gemeinsame Zellfabrik in Europa soll geplant sein.  

Insgesamt will Stellantis sieben Milliarden Euro in den Aufbau von Zellfabriken stecken, davon zwei Milliarden in das Werk Kaiserslautern. Ein drittes Werk soll im italienischen Termoli rund 200 km östlich von Rom an der Adriaküste entstehen. Hier gibt es noch keine genauen Pläne zum Produktionsstart und zur angestrebten Produktionskapazität. Auch dieses Werk wurde nun erstmal auf Eis gelegt.

"Wir werden unsere Investitionspläne für Elektroautos an das Tempo anpassen, mit dem die Verkäufe von Elektroautos wachsen. Wir kontrollieren diese Geschwindigkeit nicht", sagte Stellantis-Chef Carlos Tavares, als er gefragt wurde, ob er weiterhin drei ACC-Werke in Europa plane. Mercedes erklärte, man engagiere sich weiter bei ACC und bleibe bei der Elektrifizierungsstrategie auf Kurs.

Die Nachfrage nach Elektroautos ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen, schreibt die Automobilwoche und verweist auf eine Prognose, wonach der Absatz dieses Jahr um ein Drittel unter dem Vorjahr bleiben soll. Der Branchenverband VDA rechnet für dieses Jahr mit einem Minus von 17 Prozent.

Erst kürzlich gab auch der chinesische Batteriespezialist Svolt bekannt, dass die geplante Zellefabrik in Brandenburg nicht gebaut wird. Der schwedische Zellfabrikant Northvolt hat jedoch im März mit dem Bau eines Batteriewerks in Heide begonnen. Auch Volkswagen rückt bislang nicht von seinem Batteriewerk in Salzgitter ab, das 2025 eröffnet werden soll. Außerdem ist noch ein VW-Zellwerk in Sagunto (bei Valencia) geplant.

Unter dem Strich

Dass ACC seine Pläne für Batteriezell-Werke in Deutschland und Italien auf Eis legt, wird mit der Nachfrageschwäche bei Elektroautos und Unsicherheiten in Sachen Zelltechnologie begründet. Möglicherweise will Stellantis künftig mehr LFP-Zellen einsetzen, um die Autos günstiger zu machen, will aber erstmal abwarten, wie die dieses Jahr startenden Smart-Car-Modelle (Citroen e-C3 & Co.) ankommen. Auch Mercedes nutzt LFP für den eSprinter und erwägt angeblich, LFP für die Einstiegsmodelle der MMA-Plattform verwenden. 

Unser Titelbild zeigt ein Rendering der geplanten ACC-Fabrik in Kaiserslautern.