Mercedes CLA 250 EQ: 71-kWh-Akku offenbar per Software limitiert
Rätsel gelöst: Die 71-kWh-Batterie des CLA ist physisch identisch mit dem großen 85-kWh-Akku. Die Drosselung erfolgt per Software.
Seit Anfang Februar 2026 gibt es den Mercedes CLA EQ auch als 250er-Version ohne Pluszeichen im Namen. Die neue Variante hat eine 71-kWh-Batterie. Da Mercedes nicht erklärt, was technisch dahintersteckt, herrschte Rätselraten. Doch nun scheint das Rätsel gelöst: Der Akku ist physisch mit der bekannten 85-kWh-Batterie des CLA 250+ EQ identisch, aber die Netto-Speicherkapazität wird per Software auf 71 kWh begrenzt.
Im Konfigurator steht zu beiden Versionen nur die nutzbare Batteriekapazität, nämlich 71 bzw. 85 kWh. Es werden keine Angaben zur Chemie gemacht. Doch die Versionen 250 EQ und 250+ EQ haben exakt das gleiche Leergewicht von 2.055 Kilogramm – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die gleiche Hardware verbaut ist. Die maximale Ladeleistung beträgt jedoch bei der 85-kWh-Version 320 kW, beim 250er nur 250 kW. Wie die Nettokapazität wird auch dieser Wert per Software limitiert, schreibt das inoffizielle, aber normalerweise gut informierte Markenportal JesMB. Theoretisch könnte Mercedes vielleicht anbieten, beide Begrenzungen nach dem Kauf gegen einen Aufpreis freizuschalten. Einen ähnlichen Ansatz hatte Tesla früher verfolgt.
Der CLA 250 EQ schiebt sich zwischen das Basismodell 200 und den 250+. Im Konfigurator steht er seit dem 6. Februar, wie zuerst dem ebenfalls inoffiziellen Mercedes-Portal MBPassion aufgefallen ist. Danach besteht auch dieser Energiespeicher aus 192 Zellen in vier Modulen wie die LFP-Batterie mit 58 kWh und die 85-kWh-Batterie mit NMC-Chemie. Die Website vermutete ursprünglich, dass eine Mischung auf LFP- und NMC-Zellen verwendet würde. Inzwischen heißt es in dem Artikel aber, die 71-kWh-Batterie sei "grundsätzlich" mit dem 85-kWh-Akku identisch.
Die neue Variante bietet 674 km Normreichweite und kostet etwa 3.000 Euro weniger als die reichweitenstärkste Version 250+, die 792 km nach WLTP schafft. Der Antrieb bietet wie beim 250+ 200 kW. Mit der neuen Version gibt es den CLA EQ in vier Varianten:
| Mercedes CLA 200 EQ |
Mercedes CLA 250 EQ |
Mercedes CLA 250+ EQ |
Mercedes CLA 350 4Matic EQ |
|
| Antrieb | RWD 165 kW, 335 Nm |
RWD 200 kW, 335 Nm |
RWD 200 kW, 335 Nm |
AWD 260 kW, 515 Nm |
| 0-100 km/h | 7,5 Sek. | 6,7 Sek. | 6,7 Sek. | 4,9 Sek. |
| Höchstgeschw. | 210 km/h | 210 km/h | 210 km/h | 210 km/h |
| WLTP-Verbrauch | 12,3 kWh | 12,3 kWh | 12,2–14,1 kWh | 12,5–14,7 kWh |
| Akku netto | 58 kWh (LFP) | 71 kWh (NMC) | 85 kWh (NMC) | 85 kWh (NMC) |
| WLTP-Reichweite | 541 km | 674 km | 694–792 km | 672–771 km |
| Listenpreis | 49.421 Euro | 52.872 Euro | 55.859 Euro | 60.381 Euro |
| Rabattiert | 46.950 Euro | 50.228 Euro | 53.066 Euro | 57.361 Euro |
Die maximale Ladeleistung des neuen Akkus ist niedriger als beim 250+, aber die Nettokapazität ist ebenfalls geringer. Daraus resultiert auch eine kürzere Ladedauer von 20 Minuten; das ist zufällig der gleiche Wert wie für den kleinen LFP-Akku. Hier die Ladedaten in der Übersicht:
| Mercedes CLA 200 EQ |
Mercedes CLA 250 EQ |
Mercedes CLA 250+ EQ |
Mercedes CLA 350 4Matic EQ |
|
| Max. Ladeleistung AC/DC | 11 / 200 kW | 11 / 250 kW | 11 / 320 kW | 11 / 320 kW |
| DC-Ladedauer (10-80 %) | 20 min | 20 min | 22 min | 22 min |
| DC-Ladegeschwind. | 2,0 kWh/min | 2,5 kWh/min | 2,7 kWh/min | 2,7 kWh/min |
| Reichweite-Nachladen | 18,9 km/min | 23,6 km/min | 22,1–25,2 km/min | 21,4–24,5 km/min |
Aus der Nettokapazität von 71 kWh und der Ladedauer von 20 min errechnet sich eine Ladegeschwindigkeit von 71 kWh x 0,7 / 20 min = 2,5 kWh/min. Damit liegt die neue Batterie auch hier zwischen den beiden bekannten Akkus, die 2,0 bzw. 2,7 kWh/min bieten. Beim Nachladen von Reichweite ergibt sich ein Wert von 674 km x 0,7 / 20 min = 23,6 km/min. Das heißt, man kann pro Minute Ladezeit Strom für knapp 24 km nachladen. Hier liegt die neue Version auch im Vergleich zur großen Batterie gut; bei dieser kommt es auf die Konfiguration an.
Die neue 71-kWh-Batterie arbeitet wie die anderen Batterien mit 800 Volt. Das geht zwar nicht aus den technischen Daten im Konfigurator hervor, aber unter dem Punkt "Laden" wird das "Gleichstrom-Ladesystem (DC-Laden mit 800 V)" erwähnt.
Bei der detaillierten Vorstellung der CLA-Batterie im November 2024 wurden nur zwei Batterien angekündigt, die mit 58 und die mit 85 kWh. Beide bestehen aus nur vier Modulen – während die meisten anderen Elektroautos deutlich mehr Module haben. Der Vorteil liegt darin, dass weniger inaktives Material im Batteriepaket enthalten ist und dadurch die Energiedichte auf Paketebene steigt. Der Unterschied zwischen dem 58- und dem 85er-Akku liegt in der Zellchemie. Diese führt bei LFP zu rund einem Drittel weniger Energiedichte und entsprechend weniger Speicherkapazität.
Die Batterie des CLA besteht immer aus 4 Modulen mit je 48 Zellen. Der Unterschied besteht in den verwendeten Zellen
Zu den Konkurrenten des CLA EQ zählt der Hyundai Ioniq 6, der ebenfalls 800-Volt-Technik bietet. Dem neuen 250er-Modell entspricht am ehesten die Variante mit 168 kW und 680 km Reichweite, die es ab 55.300 Euro gibt.
Mit 709 km etwas mehr Reichweite bietet der VW ID.7 Pro S. Als 400-Volt-Auto lädt er nicht so schnell wie die 800-Volt-Modelle, ist aber größer und mit 210 kW etwas stärker. Dafür verlangt VW 59.095 Euro, oder mit dem derzeitigen Herstellerrabatt von 5.000 Euro 54.095 Euro.
Ebenfalls nur 400-Volt-Technik bieten zwei weitere Rivalen. Das Tesla Model 3 in der Version Premium RWD Long Range bietet überlegene 750 km Normreichweite, 235 kW Antriebsleistung und kostet nur 44.990 Euro, also rund 10.000 Euro weniger als die bisher genannten Modelle. Deutlich mehr verlangt wird für die reichweitenstärkste Version des BMW i4: Der eDrive40 ist mit 250 kW nochmals stärker, fährt aber nur 613 km am Stück. Das Münchner Modell gibt es erst ab 61.300 Euro.
Bildergalerie: Mercedes CLA (2025)
Unter dem Strich
Der Mercedes CLA mit EQ-Technologie ist nun in vier Varianten bestellbar. Die zuletzt hinzugekommene 250er-Version besitzt eine Batterie mit einer Netto-Speicherkapazität von 71 kWh. Im Gespräch war zunächst, dass der Akku je zur Hälfte mit LFP- und mit NMC-Zellen bestückt sein könnte.
Solche Hybridbatterien wurden zwar bereits vorgeschlagen, werden aber unseres Wissens bisher nicht in Serie verwendet. Außerdem würden sich dann rechnerisch 71,5 kWh ergeben, also gerundet 72 kWh. Das Batteriemanagement wäre ebenfalls schwierig, weil NMC und LFP verschiedene Ladekurven haben. Vor allem aber wäre damit das exakt gleiche Fahrzeuggewicht der Versionen 250 und 250+ nicht erklärbar.
Nein, die 71 Kilowattstunden wurden offenbar realisiert, indem nur ein Teil der Batterie zur Benutzung freigeschaltet wird, also sozusagen durch einen riesigen Puffer zwischen Brutto- und Nettokapazität. Geschockt braucht man davon nicht zu sein – bei Elektromotoren ist die Begrenzung der Leistung per Software gang und gäbe.
Quelle: JesMB (Batterie), Konfigurator, MBPassion (250 EQ)
Auch interessant
Mercedes CLA 200 Shooting Brake EQ: Basis-Kombi ab 48.250 Euro
BMW iX4 (2026) erwischt: Neue Klasse, die Dritte
Mercedes CLA EQ: Wie man die Leuchtsternchen vorn abschaltet
DS N°7 E-Tense (2026): Neues Elektro-SUV startet ab 56.300 Euro
Hyundai Ioniq 6 und Mercedes CLA EQ im Vergleich
Lexus TZ (2027): Neues Elektro-SUV mit sechs Sitzen vorgestellt
Mercedes CLA 250+ EQ (2025) im Test: Sparwunder und Blitzlader?