Zum Hauptinhalt springen

Unzureichende Mittel: Volkswagen verzögert angeblich den Elektro-Golf

Hohe Kosten für die Umrüstung des Wolfsburger Werks könnten den elektrische Golf 9 verzögern

Volkswagen e-Golf

Der e-Golf musste sterben, damit der ID.3 leben konnte, aber wie Sie als interessierter Leser wissen, ist die Rolle rückwärts hin zu vertrauter Nomenklatur längst initiiert. Der Wechsel könnte jedoch länger dauern als geplant. VW hat zwar angekündigt, bis zum Ende des Jahrzehnts einen elektrischen Golf auf den Markt zu bringen, doch einem neuen Bericht zufolge kommt das Projekt nicht wie erwartet voran.

Schuld sind offenbar die hohen Kosten für die Umrüstung des Wolfsburger Werks auf die Ikone der neunten Generation. Unter Berufung auf Unternehmensinsider behauptet Bloomberg (Abonnement erforderlich), dass VW im Moment nicht die finanziellen Mittel hat, um sein Hauptwerk in Deutschland zu  modernisieren. Daher müssen die Ausgaben "auf einen späteren Zeitraum verschoben werden", was zu einer neunmonatigen Verzögerung bei der Rückkehr des Elektro-Golfs führen soll.

Laut den gleichen Quellen, die mit der Agenda von VW vertraut sind, erleidet der elektrische T-Roc einen ähnlichen Rückschlag. Der kompakte Crossover (dessen Verbrenner-Variante erst kürzlich vorgestellt wurde), soll ebenfalls in Wolfsburg produziert werden, wahrscheinlich kurz nachdem der erste Elektro-Golf vom Band gelaufen ist.

Die Verzögerung des Golf 9 dürfte sich auch auf die aktuelle Modellgeneration auswirken. VW hatte geplant, die Produktion des Golf 8 ab 2027 in das mexikanische Werk Puebla zu verlegen. Aufgrund von Verzögerungen bei der Umrüstung des Werks auf Elektroautos könnten Schrägheck und Kombi jedoch länger als geplant in Wolfsburg gebaut werden.

Der Golf der nächsten Generation wird zu den ersten Produkten des VW-Konzerns gehören, die auf der völlig neuen Scalable Systems Platform basieren. Obwohl die SSP in erster Linie eine maßgeschneiderte Architektur für Elektroautos ist, kann sie auch Verbrennungsmotoren. Wenn auch nur als Range Extender. 

Die SSP wird das Rückgrat der Volkswagen-Elektroauto-Palette bilden. Für eine Vielzahl von Produkten in verschiedenen Segmenten. Im Fall des Golf arbeitet VW mit Rivian zusammen, um sein erfolgreichstes Auto aller Zeiten in ein "Software-defined Vehicle" zu verwandeln.

Wenn der elektrische Golf zurückkehrt, wird er das aktuelle Modell nicht ersetzen. VW hat angedeutet, dass der Golf 8 noch ein Jahrzehnt lang angeboten werden könnte, bis die EU den Verkauf neuer Verbrennungsfahrzeuge verbietet. Diese Gesetzgebung ist jedoch noch nicht in Stein gemeißelt und wird gerade wieder heftig diskutiert.

Was auch immer geschieht, VW muss sorgfältig planen und den elektrischen Golf eher früher als später auf den Markt bringen. Entgegen der landläufigen Meinung sind Elektroautos in Europa auf dem Vormarsch. Im Juli lag der Anteil der Elektroautos an den Gesamtauslieferungen bei 17,4 Prozent, so die Daten des Europäischen Automobilherstellerverbandes (ACEA).

Ein Anstieg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, als der Anteil 13,8 Prozent betrug. Viele Hersteller planen zudem die Einführung preiswerterer Modelle, was eine weitaus größere Käuferschicht zum Umstieg bewegen könnte. Bei Volkswagen selbst setzt man auf den ID. Polo (ab etwa 25.000 Euro) und den noch namenlosen ID. 1, der ab gut 20.000 Euro starten soll. 

Der Golf, einst eine dominierende Kraft in der Branche, hat in den letzten Jahren leise an Bedeutung verloren. Aus internen Dokumenten, die Reuters vorliegen, geht hervor, dass die Produktion von mehr als einer Million Einheiten im Jahr 2015 auf knapp über 300.000 im vergangenen Jahr gesunken ist. In diesem Jahr könnte die Zahl weiter auf 250.000 sinken. Der schockierende Niedergang ist jedoch nicht nur auf die Konkurrenz zurückzuführen. Der T-Roc, im Grunde ein Crossover-Golf, kannibalisiert eindeutig den Absatz von Schrägheck- und Kombi-Modellen.