Knepper 1303 RS-E: 442 kW starker Elektro-Umbau eines VW Käfer
Dieser bildschöne Käfer von 1975 sieht aus, als könnte er kein Wässerchen trüben. Weit gefehlt.
Knepper 1303 RS-E: So heißt dieser auf Elektroantrieb umgestellte VW Käfer 1303 aus dem Jahr 1975. Optisch völlig unauffällig, verbirgt die hübsche 70er-Jahre Karosserie in Marathonblau einen 601 PS starken Elektroantrieb, der die Reifen qualmen lassen kann.
Der luftgekühlte Boxermotor im Heck wurde durch einen Asynchronmotor mit 442 kW und 702 Newtonmeter Drehmoment ersetzt. Wohlgemerkt, nur an der Hinterachse, und ohne Traktionskontrolle. "Die 601 PS sind aber auch wirklich nur für den Rennstrecken-Betrieb geeignet und erlaubt", erklärt Firmenchef Rüdiger Knepper. Ein Standardmodus reduziert die Leistung auf eher alltagstaugliche 200 PS, also rund 150 kW. Damit ist der Elektroauto-Umbau auf öffentlichen Straßen legal und angeblich auch immer noch sehr flott unterwegs.
In den Fahrzeugpapieren ist Knepper Bugs & More als Hersteller eingetragen, die Firma von Rüdiger Knepper in Rahden, zwischen Bremen und Bielefeld gelegen. Die Basis für den RS-E 1303 fand er zusammen mit Sohn René vor einigen Jahren auf einem Schrottplatz in Kalifornien. Der Käfer war damals zwar ziemlich zerbeult, substanziell aber in annehmbarem Zustand.
Die Karosserie wurde mit Akribie, aber optisch möglichst seriennah restauriert und anschließend in Hellblau lackiert. Zu den Änderungen gehören die etwas breiteren Carbon-Kotflügel hinten und der Carbon-Dachspoiler, der die Fahrt stabilisieren soll.
Unter dem Blech blieb kaum etwas übrig von der VW-Technik: Das Fahrwerk stammt fast komplett aus einem Porsche 944 in Kombination mit Tuningteilen von Kerscher, KW und Bilstein. Auch die Bremsanlage stammt weitgehend vom Porsche 944 Turbo S – vorne in Kombination mit Scheiben vom Porsche 911 der Baureihe 964. Dazu gibt es 17-Zoll-Felgen mit Reifen der Größen 195/45R17 und 235/45R17.
Der Strom kommt aus 17 vom Porsche Taycan stammenden Batteriemodulen, die vorne und hinten im Fahrzeug verteilt eingebaut wurden. Der Motor an der Hinterachse kommt von einem Tesla Model S Performance und läuft mit leicht erhöhter Spannung. Damit gelingt der Tempo-100-Sprint in 2,9 Sekunden – bei suboptimalen Asphaltbedingungen. Bei perfekten Bedingungen sollen es ein bis drei Zehntel weniger sein, glaubt der Hersteller.
Die Reichweite gibt er mit recht schmalen 100 bis 250 Kilometer an. Geladen wird über einen normalen CCS2-Anschluss rechts vorne; die Ladeleistung mit Wechsel- und Gleichstrom wird nicht angegeben.
Wie das Exterieur mutet auch das Cockpit seriennah an. Es fehlen allerdings die Kupplung und der Schalthebel. Statt des Knüppels gibt es hier ein digitales Bedienpanel für den Elektroantrieb. Die Recaro-Sitze stammen aus einem BMW 2002, für Wärme sorgt eine unter der Rücksitzbank installierte Elektroheizung.
Die Reisetauglichkeit seines 1303 RS-E stellte Rüdiger Knepper im Mai 2025 unter Beweis: Von Rahden aus machte er sich mit dem vollgepacktem Elektro-Käfer auf eine vierwöchige Reise durch Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal und Luxemburg. Er setzte sogar per Fähre nach Marokko über und unternahm einen kurzen Ausflug durch Nordafrika. 8.000 Kilometer legte der Elektro-Käfer auf der Reise zurück. Technische Probleme soll es unterwegs keine gegeben haben.
Bildergalerie: Knepper 1303 RS-E
Unter dem Strich
Bildschön und sehr originalgetreu wirkt dieser Elektro-Umbau eines 70er-Jahre Käfers. Aber anders als bei dem BMW 1602 von Electric Classic Cars, über den wir kürzlich berichteten, ist der Antrieb etwas für die Boah-ej-Fraktion: 442 kW sind schon mit einem Allradantrieb nahe an der Grenze zum Wahnsinn, aber mit Heckantrieb ist nach unserer unmaßgeblichen Meinung diese Grenze überschritten.
Was uns auch nicht so gefällt, sind die Retuschen an der Karosserie. Sie sind eher geringfügig, aber für unseren Geschmack sehen sie irgendwie arg nach Tuning aus. Uns begeistern auch weniger die Bilder mit rauchenden Reifen als die, auf denen der Wagen so schön sanft und rundlich aussieht wie in den 70er-Jahren. Aber bitte, da sind die Geschmäcker wohl verschieden.
Quelle: Knepper (per E-Mail)
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