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BMW 1602 als Electromod-Umbau mit Viergang-Schaltung

Die E-Maschine wurde so gewählt, dass er ein ähnlichen Drehzahlbereich hat wie der Originalmotor. So kann man nach Gehör schalten.

BMW 1602 Elektromod
Bild von: Electric Classic Cars

Der BMW 02 wurde von 1966 bis 1977 gebaut. Er war eine Stufe unter der Neuen Klasse positioniert; der Nachfolger war der 3er. Die 02 stand für zwei Türen, und es gab ihn wahlweise mit 1,6- und 2,0-Liter-Motor; die entsprechenden Versionen hießen 1602 und 2002. Dieses Exemplar aus dem Jahr 1975 ist ein 1602, aber er wurde vor etwa sieben Jahren zum Elektroauto umgebaut. Die Besonderheit: Das originale Viergang-Schaltgetriebe blieb erhalten.

Der Wagen hat zwei Batterien mit jeweils 20 kWh vorne und hinten. Damit sollen rund 150 Meilen möglich sein, also etwa 240 km. Unter dem vorderen Akku ist der Elektromotor eingebaut. Wie beim originalen 1602 ist der Motor vorne und der Antrieb hinten – das Auto hat ein Transaxle-Konzept.

Der Motor ist ein kleiner, luftgekühlter Permanentmagnetmotor, ein Hyper9 von NetGainMotors mit rund 88 kW. Das Aggregat wurde so gewählt, dass es einen ähnlichen Drehmomentverlauf und einen ähnlichen Drehzahlbereich hat wie der Verbrenner, erklärt Richard Morgan vom britischen Umbauspezialisten Electric Classic Cars im obigen Video. Der Vorteil: Man kann das Auto nach Gehör schalten. Auf eine Geräuschdämmung im Motorraum wurde verzichtet, sodass der Motorklang in den Innenraum dringt und einem signalisiert, wann man schalten muss. Zum Gangwechsel drückt man die Kupplung, als wäre es ein Verbrenner.

Es gibt aber auch Unterschiede: Erstens braucht man zum Losfahren aus dem Stand nicht die Kupplung zu drücken, weil sich ein E-Motor anders als ein Benziner im Stand nicht dreht. Zweitens kann man auch im zweiten oder dritten Gang anfahren, auch wenn die Beschleunigung dann geringer ist. Man muss auch nicht unbedingt hochschalten. Und man braucht keine Angst haben, den Motor abzuwürgen – bei einem Elektromotor ist das schlicht nicht möglich. Eine Rekuperation hat der Wagen auch; dazu muss nur ein Schalter am Armaturenbrett betätigt werden. 

Anders als bei heutigen Autos, die mit 400 oder 800 Volt arbeiten, erzeugt die Batterie dieses Elektroauto-Umbaus nur mit 120 Volt. Aufgeladen wird über eine Typ-2-Steckdose unter dem Tankdeckel, das heißt, man kann nur Wechselstrom nutzen.  

Bei all den Umbauten sollte das Auto auch noch alltagstauglich bleiben. Das ist gelungen: Der hintere Kofferraum blieb trotz der Batterie recht groß; auch die Rücksitze blieben erhalten. Innen wurden rote Recaro-Sitze und ein neues Lenkrad eingebaut, auch die Blende für die Rundinstrumente und noch ein paar Details wurden geändert. Außen bekam der Wagen breitere Radläufe und einen Frontspoiler sowie Felgen vom Tuner BBS, allerdings mit BMW-Logo in der Mitte. 

Das gleiche Auto war vor einigen Jahren auch in Jonny Smiths "The Late Brake Show" zu sehen. Oben sehen Sie das Video. Hier wird die Entstehung des Umbaus genauer erklärt, und der Besitzer erzählt, wie er sich für das Fahrzeug entschied. Es werden auch noch einige interessante Details zu dem Auto berichtet, zum Beispiel, dass das Auto weder eine Bremskraftunterstützung noch eine Servolenkung hat. Bei einem Fahrzeuggewicht von nur 1.200 Kilo ist das wohl zu verschmerzen, wie Johnny Smith meint, der das Auto in London fuhr – und ziemlich begeistert war.

Unter dem Strich

Ja, doch, es macht einen Unterschied, ob man ein Schaltauto fährt oder einen Wagen mit Automatik bzw. ein Elektroauto mit nur einem Gang. Das ist uns bei der Testfahrt mit dem Hyundai Ioniq 5 N wieder so richtig klargeworden. Dort kann man schalten, und es fühlt sich auch so an wie bei einem sportlichen Benziner. Was bei Hyundai simuliert ist, ist bei diesem umgebauten BMW 1602 echt: Dem verwendeten Elektromotor geht bei 6.000 U/min die Luft aus, sodass man automatisch schaltet. Ein interessantes Konzept.