Elektroauto-Markt in China: Behörden wollen Preiskrieg dämpfen
Strenge Preis-Regeln sollen künftig verhindern, dass Autos unter den Herstellungskosten angeboten werden.
Dass in China in letzter Zeit ein Preiskrieg auf dem Elektroauto-Markt tobt, ist bekannt. Überkapazitäten bei der Produktion und infolgedessen hohe Rabatte bestimmen das Bild. Europa bekommt die Konsequenzen zu spüren – in Form von erhöhten Exporten. Nun will die chinesische Regierung offenbar etwas gegen die Auswüchse tun.
Die staatliche Marktaufsicht (State Administration for Market Regulation, SAMR) legte jetzt einen Entwurf vor, der Autopreise unter den Herstellungskosten verhindern soll, berichtet Bloomberg; wir zitieren den Bericht nach der Automobilwoche.
Regeln zur Preisgestaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Fahrzeug- und Teileproduktion über die Preissetzung bis hin zu Vertriebspraktiken – sollen den Preiskrieg dämpfen. Hersteller müssten laut der Behörde mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn sie Autos unter den Produktionskosten verkaufen, um Wettbewerber zu verdrängen oder eine marktbeherrschende Stellung aufzubauen.
Das rasche Marktwachstum bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (NEVs) habe zu Preisabsprachen geführt, so die Behörde. Es komme zu irrationalem Wettbewerb, irreführenden Preisangaben und sogar Betrug. Das habe den Markt gestört und sowohl Verbraucher als auch Unternehmen geschädigt, so die SAMR.
Die chinesischen Autohersteller befinden sich derzeit in der Zwickmühle zwischen Überkapazitäten einerseits und mauer Konsumstimmung andererseits. Eine Folge davon ist eine Marktbereinigung: Die Zahl der Marken, die batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) und Plug-in-Hybride (PHEVs) anbieten, ist in den vergangenen Jahren von rund 500 auf nur noch 129 gesunken. Nach Einschätzung einer Unternehmensberatung sollen bis zum Ende des Jahrzehnts nur etwa ein Dutzend überlebensfähig sein.
Die Überkapazitäten, die wohl auch eine Folge der jahrelangen Förderung durch die Behörden sind, führen auch zu Spannungen mit Europa und anderen Märkten, da die Hersteller ihre Autos verstärkt im Ausland zu verkaufen versuchen. Bereits im kürzlich verabschiedeten Fünf-Jahres-Plan der Regierung kamen Elektroautos nicht mehr als strategisch wichtiges Objekt vor. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Branche künftig keine Subventionen mehr erhalten soll. Stattdessen konzentriert die Regierung auf Technologien wie KI, Quantencomputing und Kernfusion.
Unter dem Strich
Es gibt auch zu viel des Guten. Das erleben derzeit die Autohersteller in China, die mit Überkapazitäten und schlechter Verbraucherstimmung zu kämpfen haben. Ruinöse Rabatte und Auswüchse wie irreführende Preisangaben und sogar Betrug sollen die Folge sein. Jetzt will die Regierung den Auswüchsen einen Riegel vorschieben. Aber die Ursache der Misere sind die Überkapazitäten, für die die Behörden selbst gesorgt haben. Und wenn die Fabriken einmal stehen, fällt es schwer, sie wieder einzureißen.
Unser Titelbild zeigt die Produktion des Zeekr 009.
Quelle: Automobilwoche
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