Porsche Taycan E-Shift im Test: So bewerten Experten das System
Autoweek und Autocar haben Porsches simulierte Achtgang-Schaltung ausprobiert. Das Urteil fällt unterschiedlich aus.
Seit Juni gibt es den Porsche Taycan optional mit einer simulierten Schaltung namens E-Shift. Aktiviert man das System über den blauen Knopf am Lenkrad, kann man die acht virtuellen Gänge per Lenkradwippen durchschalten. Dazu gibt es entsprechende Sounds. Aber wie gut funktioniert E-Shift in der Praxis? Wir haben uns die Tests von Autoweek.nl und Autocar angesehen.
Die virtuelle Schaltung des Hyundai Ioniq 5 N machte Furore in der Branche. Bald gab es Meldungen, wonach Porsche ein entsprechendes System entwickelt. Nun wurde es im Taycan eingeführt – obwohl das schon 2019 eingeführte Modell nach Gerüchten keinen Nachfolger erhalten soll.
Autoweek.nl fuhr einen Taycan GTS mit E-Shift. Nach dem Urteil von Cornelis Kit ist das System noch realistischer als das des Ioniq 5 N. Porsche habe es geschafft, dass sich das virtuelle Getriebe anfühlt wie ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK).
Schon im Stand spürt man leichte Vibrationen wie bei einem Verbrennungsmotor im Leerlauf. Das bietet auch das elektrische Mercedes-AMG GT 4-Türer Coupé. Während AMG dazu spezielle Motoren verwendet, nutzt Porsche die Elektromotoren, die auch im Stand leicht bestromt werden, schreibt der Kollege. Beim Fahren spürt man einen Schaltruck, wenn man die Wippen betätigt.
Zudem wird ein Drehzahlbegrenzer simuliert: Wenn man nicht hochschaltet, bleibt der Motor "hängen" und ruckelt, wie von Verbrenner-Modellen bekannt. Zudem kann man durch Herunterschalten verlangsamen wie beim Benziner oder Diesel. Porsche spricht von einem gangspezifischen Schleppmoment.
Der Sound ist bei den sieben Taycan-Motorisierungen jeweils unterschiedlich. Zudem hängt er vom gefahrenen Tempo und dem gewählten Gang ab. Er wird über Lautsprecher innen und außen erzeugt und ist laut Artikel nicht abschaltbar. Während Hyundai den Motorsound über die vorderen und den simulierten Auspuffsound über die hinteren Lautsprecher erzeugt, gibt es diese Differenzierung bei Porsche nicht – der Sound kommt aus allen Lautsprechern. Hinten ist er allerdings lauter als vorne, weil der Heckmotor mehr Leistung hat.
Das System fühle sich absolut realistisch an, so der Tester. Dabei hat Porsche ein gutes Zusammenspiel mit dem physisch vorhandenen Zweiganggetriebe an der Hinterachse erreicht: Im ersten Gang des Zweiganggetriebes werden nacheinander die beiden ersten virtuellen Gänge aktiv, im zweiten Gang dann die übrigen sechs Gänge. Die beiden höchsten Gänge sind als Overdrive-Gänge für die Autobahn gedacht. Wer nicht schalten will, kann das System auch wie eine Automatik fahren und hört ebenfalls die Sounds. Alternativ kann man das E-Shift-System auch komplett abschalten.
Alles in allem findet Cornelius, dass man mit dem System ein besseres Gefühl für die Geschwindigkeit des Autos bekommt. Mit den Lenkradwippen lässt sich auch die Motorbremse nutzen. Der Tester ist sich allerdings nicht sicher, ob man das System wirklich braucht. Zudem klinge der Sound recht künstlich.
Der Bericht von Autocar wurde bereits im Juni veröffentlicht. Sam Phillips schreibt, dass sich die Reichweite und der Verbrauch im E-Shift-Modus laut Porsche nicht verändern sollen. Beim Sound habe man zunächst versucht, einen Benziner nachzuahmen, sich dann aber für einen synthetischen Motorklang entschieden. Im Normalmodus fahre sich das System wie ein Achtgang-PDK im Automatikmodus. Die simulierten Gangwechsel verleihen dem Taycan mehr Charakter, sodass Autobahnfahrten damit weniger langweilig werden dürften.
Aktiviert man den manuellen Modus, indem man den blauen Knopf nach rechts dreht, kann man die Wippen zum Schalten nutzen. Wählt man einen zu hohen Gang, reagiere der Taycan träge; die volle Leistung wird erst nach dem Herunterschalten abgerufen. Laut Sam sind die Gangwechsel in den Modi Sport und Sport Plus deutlich spürbar. Das System wirke weniger extrem als Hyundais "N e-Shift". Die subtileren Vibrationen und Stöße passten auch besser zu einem Gran Turismo wie dem Taycan. Durch das Herunterschalten vor der Kurve und das Heraufschalten danach ergäbe sich ein besseres Gefühl für das Auto, so der Kollege sinngemäß.
Das virtuelle Getriebe eröffne "eine völlig neue Dimension des Fahrvergnügens". Für 964 Euro sei das System durchaus empfehlenswert, aber es gebe einen Haken: Man benötigt das GT-Sportlenkrad, das Sport Chrono Paket und das Bose-Soundsystem. Bei den Versionen GTS und Turbo S sind diese Elemente serienmäßig, bei den günstigeren Taycan-Varianten aber zahlt man deutlich mehr.
Ein Blick in den Konfigurator zeigt, dass der Kollege recht hat. Wählt man beim Taycan 4S das E-Shift-System aus, wird zusätzliche Ausstattung hinzugefügt, so dass der Mehrpreis insgesamt rund 4.200 Euro beträgt:
Das E-Shift-System ist für alle Varianten der Taycan-Baureihe verfügbar. Beim Topmodell Taycan Turbo GT ist es serienmäßig, ansonsten kostet es die erwähnten 964 Euro. Die Lenkradwippen, ein Drehzahlmesser und der blaue Knopf zur Aktivierung sind enthalten. Nach der detaillierten Beschreibung im Konfigurator kann man bei deaktiviertem E-Shift-System über die Wippen zwei verschiedene Rekuperationsstufen einstellen. Das dürfte sich auf die Schubrekuperation beziehen, die Porsche früher immer abgelehnt hat.
Unter dem Strich
Das E-Shift-System von Porsche wird von den beiden Testern unterschiedlich beurteilt. Der britische Kollege von Autocar ist regelrecht begeistert von dem Fahrvergnügen, das sich damit ergibt. Der Tester aus den Niederlanden ist reservierter. Er kritisiert den künstlich wirkenden Sound und bezweifelt, ob man so ein System überhaupt braucht. In puncto Klang hat er nicht unrecht, wie wir feststellten, als wir uns den Sound im Video angehört haben, das Porsche im Konfigurator zeigt. Aber urteilen Sie selbst.
Quelle: Porsche (E-Shift, 6/2026), Autoweek.nl, Autocar
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