Der Volvo XC40 (und sein coupéhafter Zwilling C40) waren und sind die ersten Modelle des schwedisch-chinesischen Herstellers, die völlig elektrifiziert angeboten werden und wurden. Dabei basieren die kompakten Fahrzeuge auf der CMA-Plattform und sind deshalb nicht alleine für den vollelektrischen Betrieb entwickelt. Das änderte sich mit der Ankunft des EX90 und des EX30. Aber der XC40 bleibt weiter im Programm und hat gerade ein Update erhalten.

Was ist das?

Volvo bestückt den XC40 unter anderem mit größeren Batterien. So erhöht sich die Maximalreichweite von 438 auf 515 WLTP-Kilometer. Reichweitenstärkste Version auf dem Papier ist dabei das Modell mit dem ellenlangen Namen "Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single Extended Range".

Jenes kommt mit 78 kWh Nettokapazität und einem 185 kW starkem Antrieb. Die maximale Ladeleistung erhöhte sich ebenfalls von 150 auf 200 kW (wenn die große Batterie in Bord ist). Und genau dieses Fahrzeug stand jetzt zwei Wochen in unserem Testfuhrpark.

Bildergalerie: Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test

Die größte Veränderung im Zuge des Facelifts ist allerdings, dass die Single-Motor-Variante, die bisher Frontantrieb hatte, nun auf einen Heckmotor gewechselt hat. Zumindest in den letzten 25 Jahren gab es unseres Wissens noch kein einziges Auto, das ohne Generationswechsel von Front- auf Heckantrieb umgestellt wurde. 

Auch bei der Motorleistung änderte sich was. Im Falle unseres Testwagens wurden aus 175 die bereits erwähnten 185 kW. Der Wechsel auf den Heckantrieb soll die Effizienz steigern. Und so werden im WLTP-Verbrauch künftig nicht mehr 18,6 kWh/100 km, sondern 16,6 kWh/100 km angegeben.

Was kann das Auto gut?

  • Lenkradheizung und Sitzheizung: Beides erreicht extrem schnell eine Wohlfühltemperatur und das Lenkrad wird in der höchsten Stufe sogar so heiß, dass man eventuell Hitzeschutz-Handschuhe tragen müsste.
  • Ambiente im Innenraum plus Beleuchtung: Hier ist der Volvo auf einem gewohnt hohen Niveau. Mercedes-Benz, Audi oder BMW? Wir würden den XC40 vorziehen. Tolle Materialien, eine extrem gute Verarbeitung und wenn diese Punkte noch nicht überzeugen, dann vielleicht die wunderschöne Beleuchtung auf dem Armaturenbrett und den Türtafeln im Stil einer topografischen Karte.
  • Infotainment-Bedienung: Alles läuft über Google. Das System ist daher ziemlich schnell und logisch aufgebaut. Man findet sich super zurecht und Dinge wie eine Routenplanung mit eingerechneten Ladestopps ist selbstverständlich. Einziger Kritikpunkt? Mittlerweile wirkt das Display in der Mittelkonsole etwas klein.
  • Sitze: Nicht zu hart, nicht zu weich und großartig ausgeformt. Dazu alle wünschenswerten Verstellmöglichkeiten und eine gute Position. Der "Tailored Wool"-Stoff ist mit 2.200 Euro Aufpreis zwar nicht günstig, dafür aber ziemlich gemütlich.
  • Musikanlage von harman/kardon: Guten Sound kann der Hersteller auch schon eine Weile ziemlich gut. Und das System im XC40 ist da keine Ausnahme. Studioqualität. Und in der getesteten "Ultimate"-Ausstattungslinie ist die Anlage sogar serienmäßig an Bord.
  • Keyless-Go: Ohne Schlüssel in der Hand das Auto entriegeln und einsteigen? Kennt man, ja. Aber dann einfach reinsetzen, den Gangwahlhebel auf "D" oder "R" schieben und einfach losrollen? Das ist schon eher selten. Macht die Inbetriebnahme des Volvo aber verdammt einfach.
Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test
  • Raumausnutzung: Dafür das dieses E-Auto nicht auf einer dezidierten Elektro-Plattform aufgebaut ist, kann sich der Platz im Innenraum durchaus sehen lassen. Bein- und Kopffreiheit auf allen Sitzen geht klar und für Gepäck ist auch noch genügend Platz. Größter Vorteil der RWD-Variante? Der Frunk unter dem Bauteil, was wir einst als "Motorhaube" bezeichneten. Da passen locker beispielsweise die Ladekabel rein und so stören sie nicht im eigentlichen Kofferraum.
Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test
Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test
  • Wireless Charging: Diese kabellosen Ladeschalen fürs Smartphone sind ja so eine Sache. Bei vielen Fahrzeugen legt man sein Telefon darin ab, arretiert es mühsam, um den Ladevorgang zu starten und nach einer Kurve wird die Stromzufuhr trotzdem unterbrochen. Im Volvo XC40 ist das anders. Nichts verrutscht. Bravo.
  • Hinterradantrieb: Der ist ein echter Gewinn für das kompakte SUV. Der Schub vom hinteren Fahrzeugteil lässt das Fahrzeug viel agiler wirken (als es eigentlich ist) und bei leicht rutschigen Straßen lässt sich in Kurven sogar das Heck zu leichten Seitwärtsbewegungen überzeugen.

Was gefällt uns so semi?

  • Fahrwerk und Lenkung: Wenn es komfortabel zugehen soll, dann machen beide Fahrzeugkomponenten genau das was sie sollen ... alle Geschehnisse außerhalb des Autos auch draußen lassen. Ohne Rückmeldung. Wenn es aber mal etwas eiliger auf der bekannten Landstraßenstrecke hat, kommen sowohl die Lenkung (die man zwar auf ein sportliches Gefühl arretierten kann) als auch das Fahrwerk schnell aus dem Konzept. Man scheint irgendwie vergessen zu haben, dass hier über zwei Tonnen mit vergleichsweise wenig Radstand bewegt werden. Es wackelt und schaukelt und einmal angestoßen, will sich der XC40 nur schwer wieder beruhigen.
  • Pixel-LED-Scheinwerfer: Thors Hammer sieht cool aus. Nach wie vor. Die Lichtausbeute im Abblend- und Fernlichtmodus passt auch jeweils. Aber das mit diesem adaptiven Faktor will nicht so richtig funktionieren. 1.100 Euro Aufpreis, die wir uns sparen würden.
Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test
  • Regensensor: Ja. Manchmal erkennt er Regen wo kein Regen ist. Manchmal erkennt er kein Regen wo es doch aus Eimern schüttet. Vor allem bei Nieselregen oder nassen Straßen mit vorausfahrendem Verkehr ist das System öfter mal verwirrt.
  • Ladegeschwindigkeit: Zugegeben ... es ist Winter. Trotzdem kamen wir an unserer 150 kW-Stammsäule nie über 60 kW. Am 300 kW-Lader waren zumindest kurzzeitig über 100 kW möglich. Und eine Vorkonditionierung gibt es leider auch nicht. 

Woran sollte unbedingt gearbeitet werden?

  • Verbrauch: Trotz des Effizienz-Updates mit neuer Motorposition und neuer Batterie merkt man hier doch noch eindeutig, dass der XC40 eine Multi-Energy-Plattform nutzt. In die Nähe des WLTP-Wertes fahren? Gerade im Winter? Unmöglich. Selbst mit dem vorsichtigsten Gasfuß lässt sich eine zwei an erster Stelle des Verbrauchswertes wohl nicht vermeiden. Damit einher geht natürlich die maximale Reichweite. Und ja ... viel mehr als 300 km würden wir uns im Winter nicht trauen.
  • Head-up-Display: Moment? Ein HUD? Das gibt's doch garnicht, oder? Richtig. Und das nervt. Hinter dem Lenkrad sitzt zwar die zweite Generation des 12,3 Zoll großen Kombiinstruments, aber die aktuelle Geschwindigkeit und etwaige Begrenzungen würden wir lieber in der Windschutzscheibe ablesen.
Volvo XC40 Recharge Pure Electric (2023) im Test
  • Konnektivität: Während wir das Infotainment an sich nur loben können, gibt es in jedem Fall Kritik für die Konnektivität. Zwar verwenden wir in einem Volvo Apple CarPlay deutlich weniger als in Fahrzeugen anderer Hersteller, aber das Smartphone mit einem Kabel koppeln. Sorry. Danke. Nein.
  • 360-Grad-Kamera: Nettes Feature. Vor allem, weil der XC40 doch erstaunlich unübersichtlich ist. Aber was bringt einem eine Sicht von oben aufs Fahrzeug, wenn alles nur verschmiert und in einer schlechten Auflösung dargestellt wird? Richtig ... wenig.
  • Preis: 64.750 Euro. So viel kostet unser Testwagen. Uff. Für 20.000 Euro weniger gibt's ein deutlich größeres Tesla Model Y. Okay ... bei Ambiente und Verarbeitung muss man dann zwar den einen oder anderen Abstrich machen, dafür bekommt man aber eine in der Realität recht ähnliche Reichweite und eine deutlich bessere Ladeperformance. Und man spart halt 20.000 Euro.

Fazit:

Wenn es aktuell ein elektrischer Volvo in der Kompaktklasse sein soll, kommt man am XC40 wohl nicht vorbei. Das nötige Kleingeld vorausgesetzt. Allerdings merkt man – trotz des Updates –, dass es sich mittlerweile um ein etwas älteres Automodell handelt. Wenn man sich noch etwas in Geduld üben kann, würden wir aber mit Sicherheit auf den EX30 warten. Der ist zwar ein bisschen kleiner, aber technisch auf dem neuesten Stand und erheblich günstiger. Bei ansonsten den gleichen Volvo-Qualitäten.

Volvo XC40 Recharge Pure Electric Single Extended Range (2023)

Motor Permanentmagnet-Synchronmaschine (PSM) hinten
Leistung 185 kW bei 4.288 – 6.000 U/min
Max. Drehmoment 420 Nm bei 0 – 4.288 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 7,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch 16,6 kWh/100km (WLTP) / 23,4 kWh/100km (Testverbrauch)
Batterie 78 kWh (netto)
Elektrische Reichweite 573 km (WLTP) / ca. 330 km (im Testbetrieb)
Ladeanschluss CCS2, bis 11 kW AC, bis 200 kW DC
Aufladezeit 8h mit AC (0-100%), 28 min mit DC (10-80%)
Länge 4.440 mm
Breite 1.863 mm
Höhe 1.647 mm
Kofferraumvolumen 452 – 1328 Liter hinten plus 31 Liter vorne (Frunk)
Anhängelast 1.500 kg (gebremst, 12% Steigung)
Zuladung 445 kg
Leergewicht 2.075 kg
Basispreis 53.000 Euro
Preis der Testversion 58.650 Euro (Ultimate)
Preis des Testwagens 64.750 Euro