Nio baut tolle Autos, ist aber immer noch ein kleiner Fisch im Vergleich mit Tesla

Verglichen mit Tesla oder VW ist der chinesische Elektroauto-Hersteller Nio ein kleiner Fisch, wenn auch einer mit glänzenden Schuppen: Besonders mit der neuen Elektrolimousine ET7 (unser Titelbild) führt die Marke vor, was möglich ist. Nun aber meldete der Hersteller einen Verlust für das erste Quartal und prognostizierte Produktionsschwierigkeiten durch den weltweiten Mangel an Computerchips.

Wie Bloomberg berichtet, verzeichnete Nio im ersten Quartal 2021 einen Nettoverlust von umgerechnet etwa 58 Millionen Euro, verglichen mit rund 216 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit hat sich der Verlust um mehr als zwei Drittel verringert.

Bildergalerie: NIO ET7 (2022)

Auch der Absatz wurde deutlich gesteiert, nämlich von knapp 4.000 Autos in den ersten drei Monaten des Jahres 2020 auf etwas über 20.000 Fahrzeuge. Allerdings lag das an der Corona-Lage in China, dem (neben Norwegen) einzigen Markt von Nio: Anfang 2020 steckte China mitten im Lockdown, während Corona für China jetzt bereits vorüber ist.

Ende März musste Nio die Fahrzeugproduktion für fünf Tage unterbrechen. Grund war die weltweite Chip-Knappheit. Aus dem gleichen Grund müssen derzeit viele Autohersteller die Produktion zurückfahren, und zwar schon seit Ende 2020. Erst kürzlich meldeten Honda, BMW und Ford Produktionskürzungen.

Nio geht davon aus, dass die unzureichende Chip-Versorgung auch im laufenden Quartal die Produktion erschweren und damit die Auslieferungen verringern wird. Dennoch will Nio 21.000-22.000 Auto im zweiten Quartal zu den Kunden bringen. Im Gesamtjahr 2020 hat Nio knapp 44.000 Autos verkauft. Zum Vergleich: Tesla verkaufte 2020 rund 500.000 Autos, während der VW-Konzern laut Statista über neun Millionen Autos absetzte.

In China gilt Nio als Hauptkonkurrent von Tesla. Allerdings tritt Nio im Premiumbereich an. So kostet das günstigste SUV von Nio 358.000 Yuan und ist damit deutlich teurer als das Tesla Model 3 (ab 249.900 Yuan). Eine Besonderheit ist das Batterie-Wechsel-System von Nio: Die Akkus müssen nicht gekauft werden, sondern werden im Rahmen eines "Battery-as-a-Service"-Modell (BaaS) gemietet, was zu günstigeren Fahrzeugpreisen führt.

Vielelicht auch wegen der günstigeren Preise werden in China deutlich mehr Teslas als Nio-Fahrzeuge verkauft. So kam Tesla allein im März auf 34.635 Fahrzeuge. Das ist mehr, als Nio in einem ganzen Quartal ausliefert.

Dennoch will Nio demnächst eine zweite Fabrik errichten, die in Hefei (etwa 300 Kilometer westlich von Shanghai) entstehen soll. In Hefei wurde kürzlich bereits die erste Rohkarosserie des ET7 produziert – möglicherweise in einer Pilotanlage. Mit dem neuen Werk in Hefei will Nio hoch hinaus. Dort sollen jährlich eine Million Elektroautos und Batterien mit eine Kapazität von 100 GWh gebaut werden, wie InsideEVs USA berichtet.

Bildergalerie: Nios neues Werk in Hefei (NeoPark)