Jaguar-Chef Bolloré sucht nach neuer Elektro-Plattform
Es muss schnell gehen, denn schon in vier Jahren will Jaguar nur noch Elektroautos anbieten
Was wird aus Jaguar? Die Marke will ab 2025 nur noch Elektroautos verkaufen, das hat die Marke bereits im Februar bekannt gegeben. Aber wie soll in nur vier Jahren ein ganzes Elektroauto-Portfolio aufgebaut werden? Der neue Chef der Marke, Thierry Bolloré, gab nun in einem Interview mit Autocar einige Hinweise.
Als Bolloré im Herbst 2020 von Renault zu Jaguar Land Rover (JLR) wechselte, hatte Jaguar ein einziges Elektroauto, den I-Pace. Zudem war geplant, dass der XJ einen rein elektrisch angetriebenen Nachfolger bekommen sollte. Mitte Februar 2021 jedoch strich Bolloré den Elektro-XJ und verkündete gleichzeitig sein Reimagine-Programm zur Elektrifizierung:
"Bis zur Mitte des Jahrzehnts wird Jaguar eine Renaissance erlebt haben und als reine Elektro-Luxusmarke mit einem extrem schönen Portfolio emotional ansprechender Designs und bahnbrechenden Technologien der nächsten Generation (...) auftreten. (...) Obwohl der Name beibehalten wird, wird der geplante Jaguar-XJ-Ersatz nicht Teil der Produktpalette sein, da die Marke ihr einzigartiges Potenzial ausschöpfen möchte." (Jaguar-Pressemitteilung vom 15. Februar 2021)
Gegenüber Autocar teilte Bolloré nun mit, wie dieses "extrem schöne Portfolio" zustande kommen soll: JLR-Chefdesigner Gerry McGovern organisierte einen Design-Wettbewerb, und so entstanden in nur drei Monaten etliche Modelle. Damit sei die Designrichtung und die Modellpalette der Zukunft nun festgelegt, so Bolloré.
Jetzt fehle noch eine technische Plattform. Ob JLR sie selber entwickeln oder von einem Drittanbieter beziehen wird, ist noch unklar, so Bolloré. Der I-Pace werde als einziges Modell in die Zukunft nach 2025 übernommen, wenn auch in verbesserter Form. Die anderen Modelle werden noch upgedatet, bekommen aber keine Nachfolger mehr.
Generell soll Jaguar einzigartige Modelle anbieten. Bolloré will keine Modelle anbieten, die explizit als Rivalen von Porsche, Bentley oder Aston Martin antreten. Außerdem solle Jaguar keine SUVs oder Crossover anbieten, um Range Rover nicht intern Konkurrenz zu machen.
Jaguar will Bolloré so hochpreisig aufstellen wie Range Rover. Mit Range Rover erziele man einen befriedigenden Gewinn, und die Absatzzahlen stimmten auch: "Der Preis ist außergewöhnlich, und wir haben die Volumina."
Gefragt, warum sich JLR so radikal wandeln müsse, sagte Bolloré:
"Die Autos waren noch nie so gut wie im Jahr 2021, aber die positiven Eigenschaften der Marke werden im Vergleich zur Konkurrenz nicht gewürdigt. Wenn man heute den Kunden zuhört, sehen sie [einen Jaguar], mögen das Auto und testen es, und sie gehen trotzdem hin und kaufen einen Audi oder einen BMW. Das ist das Problem."
Quelle: Autocar, Jaguar (Reimagine-Plan)
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