Kettenlose Antriebe für E-Bikes sind offenbar ein Trend in der Branche: Nachdem kürzlich der Fahrradspezialist Pendix einen solchen seriellen Hybridantrieb vorgestellt hat, präsentiert nun der Nürnberger Autozulieferer Schaeffler auf der Fahrradmesse Eurobike in Friedrichshafen (1. bis 4. September) ein ähnliches System. 

Das "Bike-by-Wire"-System trägt den Namen Free Drive und wurde gemeinsam mit dem Zweirad-E-Antriebsspezialisten Heinzmann entwickelt. Dabei ist an der Tretkurbel zwischen den Pedalen eine E-Maschine installiert (siehe Titelbild). Diese fungiert als Generator fungiert und liefert Strom für einen separaten Elektro-Radnabenmotor, der den Strom dann wieder in mechanische Energie zurück wandelt. Die mechanische Verbindung zwischen Tretkurbel und angetriebenem Hinterrad über eine Kette oder einen Riemen entfällt.

Das Prinzip ist das gleiche wie etwa beim Ford Custom Plug-in-Hybrid oder dem ersten Opel Ampera. Zu den Nachteilen gehört die doppelte Energieumwandlung, die für Wirkungsgradverluste sorgt. Dafür sind durch den Wegfall der Kette ganz neue Fahrradarchitekturen und Pedalkonfigurationen möglich, verspricht Schaeffler. Das System eignet sich außer für normale E-Bikes auch für Drei- und Vierräder. Zudem entfällt mit der Kette auch ein anfälliges Verschleißteil. Flottenbetreiber sollen so von niedrigen Betriebs- und Wartungskosten profitieren. 

Schaeffler Free Drive: Das System dürfte sich auch für Cargo-Dreiräder wie dieses eignen
Das System dürfte sich auch für Cargo-Dreiräder wie dieses eignen

Die Kompaktheit des Generators ermöglicht einen gängigen Abstand zwischen den beiden Pedalen von 138 Millimetern, so Schaeffler. Das Teil sorgt für einen gleichmäßigen Widerstand der Pedale, wobei sich das Pedalgefühl frei konfigurieren lässt. Überschüssige Energie wird bei dem System im Akku gespeichert. Alle System-Komponenten kommunizieren wie im Automobil über eine CAN-Verbindung miteinander. Das von Heinzmann vertriebene Gesamtsystem bietet die E-Bike-typische Leistung von 250 Watt. Es besteht aus Pedalgenerator, Antriebsmotor, Batterie und einem Human-Machine-Interface (HMI).

Schaeffler Free Drive: Der kompakte Generator soll einen normalen Abstand der Pedale ermöglichen
Der kompakte Generator soll einen normalen Abstand der Pedale ermöglichen

"Die Entwicklung ist Beleg für unsere Transformation hin zu einem führenden Anbieter elektrifizierter Antriebe. Bei der Entwicklung half uns unser jahrzehntelanges Know-how im Bereich der Fahrzeugmechatronik, das wir nun auch auf das Zweiradsegment übertragen", sagt Vorstand Matthias Zink, der bei Schaeffler interessanterweise für "Automotive Technologies" zuständig ist.

Schaeffler verfügt bereits über mehrjährige Erfahrungen mit E-Bikes und präsentierte zuletzt im Jahr 2016 die mechatronische Schaltautomatik Velomatic. Kurz nach der Eurobike zeigt Schaeffler eine neue Skateboard-Plattform mit Radnabenmotoren sowie eine Leistungselektronik für 800-Volt-Elektroautos.