Schon seit einiger Zeit schwebt immer mal wieder ein weißblaues Luftschiff über die Münchner Innenstadt und die Open Spaces der IAA Mobility: Passgeneaue Werbung des Zulieferers ZF aus der Zeppelin-Stadt Friedrichshafen. Nun wissen wir auch, was ZF auf der IAA vorstellt: eine modulare Antriebslösung für reine Elektrofahrzeuge.

Das Modular eDrive Kit soll die Expertise von ZF für Komponenten und Softwaresteuerungen bündeln. Die Plattform soll die Entwicklungszeiten halbieren.

Das Kit ist dabei sehr flexibel: Es ermöglicht Konfigurationen mit E-Maschinen von 75 bis 400 kW Leistung und von 350 bis 540 Newtonmeter Drehmoment. Zudem sind sowohl Auslegungen für maximale Performance als auch für höchste Effizienz möglich.

ZF Modular eDrive Kit: Die Komponenten des Systems

Das Kit kann zum Beispiel Kompaktwagen mit 100-kW-Antrieb und 400-Volt-Inverter elektrifizieren, aber auch ein Premiumauto mit 200 kW und 800-Volt-Inverter auf Siliziumcarbid-Basis (SiC-Technik). Weil Systemdesign, Bauweise, Software, E-Motorenkonzept, Kühlung sowie einige Komponenten plattformübergreifend entwickelt werden, entstehen Synergieeffekte.

Das Antriebs-Kit umfasst drei Leistungsklassen sowie die Segmente Premium (800 Volt, SiC-Technik) und Basic (400 Volt). Zudem gibt es drei E-Antriebe: eine Low-Antriebslösung unterhalb 100 kW, eine Mid-Lösung bis 200 kW – beide basierend auf ASM- oder PSM-Maschinen und einem Inverter mit 400-Volt-Technik – sowie eine High-Lösung mit über 200 kW und eine PSM-Maschine mit einem SiC-Inverter für 800 Volt verbindet.

Wenn es um ein Allradfahrzeug geht, kann durch eConnect die Energieeffizienz des Antriebs erhöht werden. Dabei wird die Kopplung der beiden Antriebe mechanisch über eine Klauenkupplung bewirkt. Wenn der zweite Antrieb nicht benötigt wird, wird die entsprechende Achse stromsparend abgekoppelt. Bei Bedarf wird die Kupplung wieder geschlossen – genau wie bei Verbrennermodellen.

ZF Modular eDrive Kit: eConnect ist eine mechanische Verbindung zwischen zwei Elektroantrieben
eConnect: Mechanische Verbindung zwischen zwei Achsen per Klauenkupplung

Das System soll bauraumneutral sein und rund zwei Prozent effizienter arbeiten als das aktuell beste Vergleichssystem auf dem Markt, so ZF. Gedacht ist so eine mechanische Kopplung zwischen zwei E-Achsen offenbar für echte Offroader, wahrscheinlich aber mit nur einem Elektromotor.

Bei elektrisch angetriebenen Offroadern fällt einem zunächst der auf der IAA vorgestellte Mercedes EQG ein, doch der ist mit seinen Radnabenmotoren wohl kein Kandidat für eConnect. Die Studie Jeep Wrangler Magneto Concept hat jedoch nur einen Elektromotor; durch die Klauenkupplung könnte die Leistung auf die zweite Achse übertragen werden. Doch das ist rein spekulativ – ob das System überhaupt für ein konkretes Fahrzeug gedacht ist (und wenn ja, für welches), lässt ZF wie üblich offen.

Gebündelt werden die verschiedenen Systeme des Modular eDrive Kit in dem Showcar EVnext, das auf der IAA zu sehen ist (unser Titelbild).