Im September rollte das erste Exemplar des Rivian R1T vom Band. Die Zellen für die Batterien (mit Speicherkapazitäten von 105, 135 und 180 kWh) kommen vom koreanischen Hersteller Samsung SDI.

Doch in Zukunft will das US-amerikanische Startup die Batteriezellen selbst produzieren. Das gab das Unternehmen in seinen Dokumenten zum bevorstehenden Börsengang bekannt. Die Pläne erscheinen dort allerdings unter "Long-Term Growth Strategy", es handelt sich also um langfristige Pläne.

Die von Rivian selbst produzierten Zellen sollen zusätzlich zu den Zellen von Samsung eingesetzt werden. Ob es sich wie bei diesen um zylindrische Zellen mit dem Formfaktor 2170 handeln wird, ist nicht bekannt. Vermutlich wird Rivian die Zellen  zusammen mit einem Partner im Rahmen eines Joint Ventures bauen, ähnlich wie Tesla mit Panasonic und VW mit Northvolt.

"Die erwartete Breite unseres zukünftigen Produktportfolios wird erhebliche zusätzliche Produktionskapazitäten erfordern. Wir beabsichtigen, strategisch in neue Einrichtungen zu investieren, um unsere Fertigungskapazität zu erhöhen und die betriebliche Effizienz zu maximieren. Zu diesen Initiativen gehört die Einrichtung eigener Kapazitäten zur Herstellung von Batteriezellen, um die Zellbeschaffung durch Dritte zu ergänzen, die Lieferkontinuität gewährleisten und unser erwartetes Wachstum unterstützen.

Weitere Investitionen werden eine zusätzliche vertikale Integration umfassen, um unsere Produktleistung und Kostenposition zu verbessern, unsere Service- und Ladeinfrastruktur zu skalieren, um die Kundenakzeptanz zu fördern, und unsere digitale Plattform und unseren Kundenbindungsbetrieb zu verbessern." (Rivian-Dokument zum Börsengang, Seite 107)

Offenbar will Rivian die vertikale Integration (also die Fertigungstiefe) erhöhen. Schon bisher setzt Rivian selbst gebaute Elektromotoren, Wechselrichter und Getriebe ein. Künftig will das Unternehmen also auch die Batteriezellen selbst produzieren.

Rivian besitzt bereits eigene Kompetenz in Sachen Batterien. Die Zellentwicklung und Zellfertigung werden der nächste Schritt sein:

"Angesichts der überragenden Bedeutung und des Einflusses des Batteriesystems auf Reichweite, Leistung und den Preis von Fahrzeugen haben wir interne Fähigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette aufgebaut. Diese Fähigkeiten umfassen die Entwicklung und Charakterisierung der Batteriezellenchemie, Modul- und Pack-Engineering, BMS-Design, Beschaffung kritischer Rohstoffe, Fachkenntnisse in der Batterieherstellung und moderne interne Labore zur Durchführung der erforderlichen Validierungen und Tests.

Im Laufe der Zeit beabsichtigen wir, unsere Fähigkeiten in Bezug auf die proprietäre Zellentwicklung und die interne Zellherstellung zu erweitern und erwarten, dass diese Funktionen in den kommenden Jahren erheblich wachsen werden. (Rivian-Dokument zum Börsengang, Seite 114)"

Rivian will noch 2021 an die Börse gehen. Geplant ist eine Notierung an der US-Technologiebörse Nasdaq. Neben dem Elektro-Pick-up R1T und dem darauf basierenden Elektro-SUV R1S will Rivian auch einen Elektro-Lieferwagen für Amazon bauen. Ursprünglich wollte Rivian alle drei Autos im Jahr 2021 auf den Markt bringen und zudem noch den Börsengang bewältigen.

Die R1T-Fertigung hat begonnen, wird aber offenbar bisher nur in kleinen Stückzahlen gebaut. Nach einem Bericht von Bloomberg will Rivian sich zunächst auf den Transporter konzentrieren. So sollen noch dieses Jahr 300 "Vans" an Amazon ausgeliefert werden. Insgesamt hat Amazon nicht weniger als 100.000 Transporter bei Rivian bestellt, davon sollen 10.000 bis Ende 2022 ausgeliefert werden. Mit der Produktion eigener Batteriezellen eröffnet Rivian nun eine weitere Baustelle, allerdings für die fernere Zukunft.

Bildergalerie: Rivian R1T