Volkswagen investiert fünf Milliarden Dollar in das US-Startup Rivian. Außerdem planen die frischgebackenen Partner ein paritätisch kontrolliertes Joint Venture zur gemeinsamen Nutzung von Elektroauto-Architektur und Elektroauto-Software.

Rivian kann mit der Kapitalspritze von VW die geplanten günstigeren Modelle R2 und R3 fertig entwickeln: Der R2 soll Anfang 2026 auf den Markt kommen, der R3 soll folgen. Zudem werde Rivian von geringeren Kosten für Chips und andere Komponenten profitieren, so Rivian-Chef RJ Scaringe (im Titelbild rechts neben VW-Boss Oliver Blume). Offenbar sollen diese Teile gemeinsam eingekauft werden, womit sich höhere Mengen und damit niedrigere Preise ergeben.

Rivian R2 im Größenvergleich mit dem aktuellen R1S

Der Rivian R2 sieht aus wie der aktuelle R1S, ist aber fast 40 cm kürzer und weniger hoch

VW profitiert von Rivians Patenten, die an das Joint Venture lizenziert werden. Der R2 soll das erste Fahrzeug sein, das Software von dem Gemeinschaftsunternehmen nutzt. Volkswagen-Fahrzeuge sollen folgen, darunter auch Autos von den Konzernmarken Audi, Porsche, Lamborghini und Bentley.

Die Investition soll offenbar die Softwareprobleme des VW-Konzerns beheben helfen. Die Softwaresparte Cariad erreichte in den letzten Jahren ihre Ziele nicht, was ein Grund für den Abgang von Konzernchef Herbert Diess im Herbst 2022 gewesen sein soll. Zudem führten die Probleme zur Verschiebung des Markstarts für die PPE-Fahrzeuge Porsche Macan Electric und Audi Q6 e-tron um etwa ein Jahr.

 

Die fünf Milliarden investiert VW nicht auf einen Schlag, wie Reuters berichtet. Nur eine Milliarde soll sofort fließen, im vierten Quartal eine weitere Milliarde und 2025 und 2026 dann jeweils eine weitere Milliarde. Die fünfte Milliarde soll 2026 in Form eines Darlehens gewährt werden. 

Rivian macht laut Reuters fast 40.000 Dollar Verlust mit jedem ausgelieferten Fahrzeug – auf dem Markt sind derzeit der R1T und der R1S, außerdem der Lieferwagen EDV. Doch durch drastische Kostensenkungen in Produktion und Einkauf sowie pünktliche Auslieferungen steht das 2019 gegründete Unternehmen besser da als manch anderes Startup. So verfügte das Unternehmen schon vor dem VW-Deal über knapp acht Milliarden Dollar in bar. Der Börsenkurs sank jedoch von rund 27 Dollar im letzten Sommer auf unter 10 Dollar im April. Nach Bekanntgabe der VW-Investition stieg er um rund 20 Prozent auf 12 Dollar. 

Volkswagen Electric Pick-up Teaser

Pick-up-Modell von Scout (Teaserbild)

Trotz der Nachfrageschwäche bei Elektroautos hält der VW-Konzern an seinem Plan fest, bis 2030 in Nordamerika 25 Elektromodelle auf den Markt zu bringen. Dazu gehören auch die geplanten Pick-ups und SUVs der neuen Marke Scout. Diese werden von Magna entwickelt. sollen aber von VW selbst in einem neuen Werk in South Carolina produziert werden. Marktstart soll 2027 sein. Die Software werde vom neuen Joint Venture kommen, schreibt Reuters unter Berufung auf VW. 

Unter dem Strich

Nachdem der Start der PPE-Modelle von Porsche und Audi wegen der Software deutlich verschoben werden musste, will VW die Scout-Modelle rechtzeitig auf den US-Markt bringen. Dabei soll offenbar die Software von Rivian helfen. Dafür investiert der Konzern nicht weniger als fünf Milliarden Dollar bis 2026.