Bei der Pressekonferenz zu den Geschäftszahlen 2021 kündigte Renault nicht nur einen Nachfolger des Dacia Spring an, sondern auch eine Elektroversion des Scenic. Sie wird 2024 starten und wie der Megane E-Tech Electric und der Nissan Ariya auf der Elektro-Plattform CMF-EV basieren. Auf der gleichen Veranstaltung kündigte Renault auch noch eine Studie an, die im Mai vorgestellt wird. Möglicherweise handelt es sich um das gleiche Auto.

Was den Elektro-Scenic angeht, so soll er laut dem britischen AutoExpress kein Kompaktvan mehr sein, sondern ein Kompakt-SUV. Denn auf die Frage, ob der künftige Scenic wieder ein Van werden würde (im Branchenjargon Multi Purpose Vehicle oder MPV genannt), antwortete Konzernchef Luca de Meo: "Nein. Wir werden keinen weiteren MPV machen; wir werden ein progressiveres Modell als das machen."

De Meo versprach zudem, dass der Scenic mehr Platz und mehr Reichweite als der Elektro-Megane bieten werde. Dass das Raumangebot in einem SUV größer ist als in einem Kompaktwagen wie dem Megane, ist wenig verwunderlich.

Was die Reichweite angeht, lässt die Äußerung auf eine größere Batterie schließen. Der Elektro-Megane bietet wahlweise 40- oder 60-kWh-Akkus. Damit ist die Maximalreichweite (450 km) deutlich geringer als beim VW ID.3, der mit seiner 77-kWh-Batterie bis zu 549 km weit kommt. Den Ariya dagegen wird es mit 63 und 87 kWh geben, was bis zu 500 km Reichweite ermöglicht.

Das Design soll sich nach dem Bericht vom Elektro-Megane unterscheiden. Zu erwarten ist danach nicht die Z-förmige Lichtsignatur des Megane, sondern (neben schlitzartigen Scheinwerfern) senkrechte LED-Leuchten, ähnlich wie bei der angeteaserten Wasserstoff-Studie:

Renault Megane E-Tech Electric (2022) im Test
Renault Megane E-Tech Electric
Renault Hydrogen Combustion Concept
Renaults Wasserstoff-Studie

Die Studie wurde von de Meo bei dem Geschäftszahlen-Event angekündigt. Zum Antrieb sagte er: "I will be electric, maybe hydrogen, maybe other things." Die Renault-Presseabteilung zeigt das gleiche Bild und erwähnt explizit einen Wasserstoff-Antrieb.

Es gibt aber Unterschiede zwischen den verschiedenen Sprachvarianten. Die französische Meldung spricht von einer Wasserstoff-Motorisierung: "Ce concept-car inédit, à motorisation hydrogène, incarne la trajectoire de décarbonation du groupe (...)". In der englischen Fassung wird daraus: "This unprecedented concept-car, with a hydrogen engine, embodies the decarbonization trajectory of the Group (...)". Der Begriff hydrogen engine bezeichnet eindeutig einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor, und das wurde auch so verstanden. Ob es sich um einen Übersetzungsfehler handelt oder nicht, müssen wir abwarten.

Die deutsche Pressemitteilung (passwortgeschützt) ist jedenfalls vorsichtiger: "Das einzigartige, mit Wasserstoff betriebene Fahrzeug steht für den Weg der Renault Group und der Marke Renault zur Dekarbonisierung (...)".

Was sich hinter der ominösen Studie verbirgt, müssen wir abwarten. Wir vermuten, dass es sich um eine Studie des Scenic handelt. Neben dem Design des Scenic wird Renault damit wohl auch einen neuen Wasserstoff-Antrieb präsentieren. Dabei könnte es sich um ein Brennstoffzellen-System handeln, um ein Range-Extender-System mit kleinem Wasserstoff-Verbrennungsmotor oder (weniger wahrscheinlich) einen reinen Wasserstoff-Verbrennungsantrieb.

Innen dürfte der Elektro-Scenic die gleiche Display-Landschaft wie der Megane bekommen. Das würde bedeuten: zwei 12-Zoll-Displays, von den en eines horizontal und das andere vertikal angeordnet ist. Der Ariya sieht innen anders aus, er hat einen deutlich kleineren Infotainmentmonitor:

Renault Megane E-Tech Electric: Der OpenR-Touchscreen
Renault Megane E-Tech Electric
Nissan Ariya (2021)
Nissan Ariya (als Rechtslenker)

Der kommende Scenic wird wohl das dritte Modell auf Basis von CMF-EV sein, das auf den Markt kommt. Als viertes Auto wird ein Jahr später (also 2025) der Alpine GT X-Over starten, wie der Hersteller schon verraten hat.

Hier noch mal die Renault-Pressekonferenz mit den Aussagen zum Scenic. De Meo kündigt den Wagen bei etwa 44:00 min an. Die Ankündigung der ominösen Studie, die im Mai enthüllt wird, folgt dann bei etwa 49:30 min.