PowerCo, also die neue Batteriesparte des Volkswagenkonzerns, baut zusammen mit dem belgischen Rohstoffkonzern Umicore eine Produktion für Batteriematerialien in Europa auf. Dazu gründen die Firmen ein Joint Venture, das Batteriematerialien für etwa 2,2 Millionen Elektroautos pro Jahr produzieren soll.

Ab 2025 soll das Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Brüssel die europäischen Batteriezellfabriken der PowerCo mit Schlüsselmaterialien versorgen. Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen die Partner Kathoden- und Vormaterial für 160 Gigawattstunden Batteriezellen pro Jahr produzieren. Das reicht laut VW für die genannten 2,2 Millionen Elektroautos.

Damit deckt das Joint Venture einen großen Teil des Bedarfs der VW-Gigafactories in Europa ab. Beim VW Pwoer Day vor anderthalb Jahren wurden sechs Gigafactories mit einer jährlichen Produktionskapazität von je 40 GWh angekündigt, insgesamt also für 240 GWh. Die Batteriematerialien für 160 GWh würden also für die Produktion von zwei Drittel der Zellen reichen. Woher das restliche Drittel kommen soll, teilt VW nicht mit.

Umicore und PowerCo wollen auch bei der "nachhaltigen und verantwortungsvollen" Beschaffung von Rohstoffen zusammenarbeiten – in diesem Bereich ist Umicore ein Branchenführer, schreibt VW. Umicore soll für die PowerCo auch "Raffinations-Dienstleistungen" erbringen. Später will man auch bei Veredelung und Recycling kooperieren.

VW Power Day (2021): NMC-Zellen sind wegen des enthaltenen Cobalt teuer, bieten aber viel Reichweite

Welche Art von Kathodenmaterialien produziert werden sollen, verrät VW nicht, aber vermutlich geht es um die üblichen NMC-Kathoden (Bild vom VW Power Day) 

Kathodenmaterial sei für die Batterieproduktion ein wichtiger Rohstoff, so Technik-Vorstand Thomas Schmall. Es mache ungefähr 50 Prozent des Gesamtwerts der Zelle aus. Der Zugang dazu stelle einen klaren Wettbewerbsvorteil dar. Dabei will VW auf Umwelt- und Sozialstandards achten. Außerdem bleibe durch die Kooperation die Wertschöpfung in Europa. Umicores Know-how wird dem Joint-Venture per Lizenzvereinbarung zur Verfügung stehen.

Umicore erhält dafür verbindliche Abnahmeverpflichtungen für Kathodenmaterialien. Der Auftrag umfasst laut VW einen "erheblichen Anteil des europäischen Marktes für Kathodenmaterial". 

Ab 2025 soll das Joint Venture zunächst die PowerCo-Zellfabrik in Salzgitter beliefern und 2026 eine Jahreskapazität von 40 GWh erreichen. Die Kapazität soll dann bis Ende des Jahrzehnts auf 160 GWh wachsen. Für das Projekt wird das Joint Venture drei Milliarden investieren. Kosten und Einnahmen werden paritätisch geteilt. Wo das Werk stehen wird, ist noch unklar – laut VW ist man noch auf der Suche nach einem passenden Standort.

Batteriematerialien-Gigafactory von Umicore in Nysa (Polen)

Batteriematerialien-Gigafactory von Umicore in Nysa (Polen)

Umicore hatte erst vor wenigen Tagen die Eröffnung einer Gigafactory für Batteriematerialien in Polen bekannt gegeben. Die jährliche Produktionskapazität dort soll 20 GWh bis Ende 2023 und 40 GWh im Jahr 2024 erreichen; ein Ausbau bis auf über 200 GWh in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts ist möglich.

Insgesamt will Umicore bis 2030 Kathodenmaterialien für 400 GWh Zellen fertigen – und zwar auf drei Kontinenten. Die bestehenden Kapazitäten in Asien sollen ausgebaut werden, in Kanada entsteht ein neues Werk und für Europa hat man nun das erwähnte Werk in Polen. Das zusammen mit VW betriebene Werk dürfte noch hinzukommen.   

Unser Titelbild zeigt die Manager beim Pressefoto nach Vertragsabschluss. Von links: VW-Technikvorstand Thomas Schmall, der PowerCo-Rohstoffverantwortliche Jörg Teichmann, Ralph Kiessling, EVP Energy & Surface Technologies bei Umicore und Umicore-Chef Mathias Miedreich.