Vor wenigen Tagen berichtete Mercedes von einer Fernfahrt mit dem eActros 600, doch die technischen Angaben blieben begrenzt. Nun zeigt der Hersteller Bilder der Serienversion und nennt vor allem die technischen Details.

Der erste batterieelektrische Fernverkehrs-Lkw von Mercedes verfügt über drei Batteriepakete mit jeweils 207 kWh; so ergeben sich insgesamt 621 kWh. Damit sollen 500 km am Stück möglich sein; mit Zwischenladen in der Mittagspause kann der Laster deutlich über 1.000 km am Tag fahren, so Mercedes.

Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Die Batterien haben eine Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP), was eine hohe Lebensdauer ermöglichen soll. Ausgelegt ist der Elektro-Laster wie ein Diesel-Actros auf 1,2 Millionen Kilometer in zehn Betriebsjahren. Danach soll die Reichweite noch über 80 Prozent betragen.

Der eActros 600 unterstützt zunächst das Laden mit bis zu 400 kW, doch schon zum Verkaufsstart kann man eine MCS-Vorrüstung fürs Laden mit 1.000 kW bestellen. Sobald die Megacharging-Technik verfügbar und standardisiert ist, soll sie nachgerüstet werden. Damit soll man die Batterien in etwa 30 Minuten von 20 auf 80 Prozent bringen können.

Der Antrieb erfolgt über zwei Elektromotoren an einer Achse. Die Dauerleistung liegt bei 400 kW, in der Spitze sind es 600 kW. Dazu kommt ein Vier-Gang-Getriebe. Die volle Motorleistung soll nahezu ohne Drehmomentunterbrechung zur Verfügung stehen. Die Rekuperation ist in fünf Stufen einstellbar; auch einen One-Pedal-Driving-Modus gibt es.

Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Das Gesamtzuggewicht, also das zulässige Gesamtgewicht inklusive Zugmaschine, Auflieger und Ladung, liegt bei 44 Tonnen. Mit einem Standard-Auflieger liegt die Nutzlast bei etwa 22 Tonnen. Außer als Sattelzugmaschine ist der eActros 600 auch als Pritschenfahrgestell erhältlich. Verkaufsstart ist noch dieses Jahr, die Serienproduktion startet jedoch erst Ende 2024. Derzeit werden rund fünfzig Prototypen gebaut, von denen einige bei der Kundschaft erprobt werden sollen.

In Deutschland soll sich der eActros 600 in der durchschnittlichen Fahrzeug-Haltedauer von fünf Jahren bzw. 600.000 Kilometern amortisieren – trotz eines zwei- bis zweieinhalb Mal höheren Anschaffungspreises als bei einem Diesel-Actros. 

Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Das Design berücksichtigt besonders die Aerodynamik. So gibt es eine komplett geschlossene und abgerundete Vorbauklappe, einen optimierten Stoßfänger inklusive Unterbodenverkleidung, einen aerodynamisch verbesserten Einstieg sowie verlängerte Endkantenklappen. Insgesamt ergibt sich für die Kabine im Vergleich zum Diesel-Actros ein um neun Prozent niedrigerer cW-Wert. 

Die vorausschauende Antriebsregelung Predictive Powertrain Control (PPC) berücksichtigt automatisch Topografie, Straßenverlauf und Verkehrszeichen. Dabei werden auch die Informationen des Navis mit einbezogen.

Mercedes-Benz eActros 600 (2024)

Für den Betrieb von energiehungrigen Zusatzaggregaten gibt es zwei Lösungen. Mit dem elektromechanischen Nebenabtrieb kann man zum Beispiel hydraulische und mechanische Kippsattel-, Schubboden- oder Siloauflieger betreiben. Für Kühlauflieger eignet sich die zweite Lösung, die einen elektrischen Gleich- oder Wechselstrom-Nebenabtrieb bietet. Bei letzterem wird der Gleichstrom aus der Batterie in Wechselstrom umgewandelt.

Wie Elektro-Pkws hat auch der eActros ein akustisches Warnsystem (Acoustic Vehicle Alerting System, AVAS). Der Sound variiert je nach Tempo und Gaspedalstellung. Als Sensoren für die Sicherheitsassistenten dienen vier Short-Range-Radare und ein Long-Range-Radar sowie eine Kamera in der Windschutzscheibe.

Gefertigt wird der eActros 600 auf der bestehenden Montagelinie im Mercedes-Trucks-Werk in Wörth am Rhein – parallel und flexibel neben den Diesel-Lkws. Dort werden auch die Elektrokomponenten aus den Mercedes-Werken Mannheim, Gaggenau und Kassel eingebaut.

Bildergalerie: Mercedes-Benz eActros 600 (2024)