Update vom 7. März 2024: Der linksextremistische Brandanschlag hat weitreichende Folgen für Tesla in Grünheide. Wie das Unternehmen mitteilte, ist die Produktion voraussichtlich bis Ende nächster Woche unterbrochen. Der Schaden könnte einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen. 

Der Brand eines Strommastens in 10 km Entfernung hat am heutigen Dienstag die Stromversorgung der Tesla-Gigafactory in Berlin-Grünheide unterbrochen. In einem Bekennerschreiben hat sich eine linksextremistische "Vulkangruppe" dazu bekannt, den Brand ausgelöst zu haben.

"Wir haben heute Tesla sabotiert", schrieb die Gruppe laut einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Das Unternehmen fresse "Erde, Ressourcen, Menschen, Arbeitskraft und spuckt dafür 6.000 SUVs, Killermaschinen und Monstertrucks pro Woche aus." Auch gebe es bei dem US-Hersteller "extreme Ausbeutungsbedingungen". Deshalb forderte die Gruppe eine "komplette Zerstörung der Gigafactory". Eine Anzeige wegen Brandstiftung wurde aufgenommen, das Internet-Schreiben wird noch auf Echtheit geprüft.

Tesla Giga Berlin baut 5.000 Model Y pro Woche (25. März 2023)

In der Gigafactory Berlin wird ausschließlich das Model Y gebaut

Die Gruppe wurde bereits 2021 eines Brandanschlags auf die Stromversorgung der Tesla-Baustelle verdächtigt. Der Vorfall wurde im brandenburgischen Verfassungsschutzbericht erwähnt. Angeblich gab es bereits mehrere Brandanschläge der Vulkangruppen.

Schon heute früh gegen 5h15 wurde die Feuerwehr zu dem Brand gerufen. Zuvor habe es gegen 4h50 einen lauten Knall gegeben und das Umspannwerk Steinfurt nahe der Tesla-Fabrik habe Feuer gefangen, berichtete die Polizei. Das Feuer habe dann auf den Hochspannungsmast übergegriffen, der frei auf einem Feld steht.

Als die Einsatzkräfte anrückten, musste der Einsatz aber zunächst abgebrochen werden, weil es Hinweise auf möglicherweise vergrabene Kampfmittel (also wohl Explosivstoffe) gab.

 

Durch den Brand fiel bei Tesla etwa eine Stunde vor Schichtbeginn der Strom aus. Das Werk wurde daraufhin evakuiert, sagte eine Unternehmenssprecherin. Da auch die automatischen Einlasskontrollen ausfielen, seien "alle Maßnahmen zur Sicherung der Produktionsanlagen getroffen" worden. Nach Rücksprache mit dem Stromanbieter Edis rechnet Tesla nicht mit einem schnellen Wiederanlaufen der Produktion.

Durch das Feuer fiel der Strom auch in den umliegenden Gemeinden aus. Diese werden jedoch seit dem späten Vormittag wieder mit Strom versorgt. Das Tesla-Werk selbst sowie ein Logistikzentrum seien aber noch ohne Strom, meldete Edis. Die Reparatur beginne nach Freigabe durch die Ermittlungsbehörden.

Sollte sich der Verdacht eines Anschlags bestätigen, werde der Rechtsstaat mit aller Härte reagieren, sagte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU). Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke verurteilte den mutmaßlichen Anschlag scharf. "Anschläge auf unsere kritische Infrastruktur sind eine Form von Terrorismus", sagte der SPD-Politiker.

Zu einem möglichen Zusammenhang mit vorausgehenden Protesten rund um das Werksgelände äußerten sich Behörden auf Anfrage zunächst nicht. Rund 80 bis 100 Umweltaktivisten halten seit Donnerstag einen Teil des Waldes besetzt, den Tesla für die Erweiterung des Werks roden will. Die Aktivisten haben etwa zehn Baumhäuser in mehreren Metern Höhe errichtet, um die Rodung zu verhindern. Zuvor hatten Bürger gegen eine Erweiterung des Werks gestimmt.

Unter dem Strich

Der Protest gegen die Erweiterung der Gigafactory radikalisiert sich offenbar. Die Baumhäuser waren ein erster Schritt, nun folgte möglicherwesie ein Brandanschlag. Uns erinnern die Nachrichten aus Grünheide entfernt an die Anfänge der RAF. Deren Geschichte begann 1968 mit Brandanschlägen auf Berliner Kaufhäuser.