Bei einem Strategie-Event stellte Nissan neue Zukunftspläne für die Zeit bis 2030 vor. "The Arc" soll offenbar den "Ambition 2030"-Plan von 2021 konkretisieren. Die geplante Produktoffensive wird jedoch nur schemenhaft skizziert – so schemenhaft wie die gezeigten Silhouetten zahlreicher neuer Modelle. Interessant sind aber die Ankündigungen zu einer neuen Generation von Elektroautos für 2027 und für neue Batterien.

Sechs neue Modelle für Europa bis 2026

Im Rahmen des Plans will sich Nissan "auf einen beschleunigten Übergang zu Elektroautos vorbereiten". Dennoch wird ein "ausgewogenes Produktportfolio aus elektrifizierten und Verbrenner-Modellen" angestrebt. Bis zum Geschäftsjahr 2026 (das bei Nissan jeweils bis zum März des Folgejahres dauert) sollen gleich 30 neue Modelle starten. Davon sind allerdings nur 16 elektrifiziert, haben also mindestens eine Mildhybrid-Unterstützung.

Bildergalerie: Nissans Modellvorschau vom März 2024

"In Europe: Launch six all-new models; achieve 40% EV passenger-vehicle sales mix" (Nissan)

Von den 30 Modellen kommt außerdem nur ein kleiner Teil nach Europa. Für unseren Kontinent sind lediglich sechs neue Modelle bis 2026 geplant. Wie viele davon elektrifiziert oder gar rein elektrisch sind, lässt Nissan offen. Doch sollen 40 Prozent des Absatzes auf "EVs" entfallen. Wenn damit wirklich reine Elektroautos (BEVs) gemeint sind, wäre das ambitioniert, denn letztes Jahr kam Nissan in Deutschland nur auf einen BEV-Anteil von neun Prozent. Möglicherweise rechnet Nissan aber PHEVs, HEVs und MHEVs mit zu den "EVs".

Neue Elektroauto-Generation ab 2027

Im Geschäftsjahr 2027 soll dann die nächste Elektroauto-Generation starten. Bei dieser sollen die Kosten um 30 Prozent gegenüber dem Ariya sinken. Die Kostensenkung soll durch die Entwicklung von Elektroautos in Modellfamilien erreicht werden. Für jede dieser Familien soll offenbar zuerst ein Hauptfahrzeug entwickelt werden, von dem sich dann mehrere Folgefahrzeuge ableiten. 70 Prozent der Komponenten könnten übernommen werden. Das soll die Entwicklung der Folgefahrzeuge um die Hälfte günstiger und um vier Monate kürzer machen.

"Significant next-generation EV cost reduction to be achieved through grouped 'family' development, with vehicle production under the approach starting in fiscal year 2027" (Nissan)

Durch eine "modulare" Fertigung soll auch die Produktionszeit pro Fahrzeug um 20 Prozent reduziert werden. Die ersten Autos der neuen Stromer-Generation sollen ab dem Geschäftsjahr 2027 gebaut werden. Bis 2030 will Nissan die Kostenparität zwischen Elektrofahrzeugen und Verbrennern erreichen.

Bessere Batterien ab 2028

Bis zum Geschäftsjahr 2028 will Nissan zudem verbesserte Batterien einführen. Die neuen NCM-Akkus sollen eine um 50 Prozent kürzere Schnellladedauer aufweisen. Zur Orientierung: Der Ariya lässt sich in 30 Minuten von 20 bis 80 Prozent aufladen. Daraus errechnen sich Ladegeschwindigkeiten von 1,3 bzw. 1,7 kWh/min – nicht wirklich langsam für ein 400-Volt-Fahrzeug. Wesentlich höhere Ladegeschwindigkeiten, wie sie Nissan anzustreben scheint, lassen sich wohl nur durch 800-Volt-Systeme erreichen.

Außerdem soll sich die Energiedichte der NMC-Akkus um 50 Prozent gegenüber dem Ariya verbessern. Wenn Größe und/oder Gewicht des Akkus beibehalten wird, würde das 50 Prozent größere Reichweiten bedeuten, also bis zu 800 statt der bisherigen 531 km. 

Neue LFP-Batterien, die in Japan entwickelt und produziert werden sollen, sollen 30 Prozent weniger kosten als die Akkus des Nissan Sakura EV. Auch Festkörperbatterien sollen bis zum Geschäftsjahr 2028 auf den Markt kommen, wie Nissan nun bekräftigt.

Unter dem Strich

Nissan will die Elektrifizierung beschleunigen und plant eine Modelloffensive. Doch die Ziele bleiben verschwommen. Der "Ambition 2030"-Plan von 2021 war konkreter. Damals wurden 15 Elektroautos versprochen, darunter der Leaf-Nachfolger, der elektrische Qashqai und mehr. Als nächstes Elektroauto von Nissan dürfte jedoch der elektrische Micra auf den Markt kommen, der wohl noch dieses Jahr vorgestellt wird.