Ford entwickelt zwei eigene Elektro-Plattformen. Über die kleinere hatte Firmenchef Jim Farley schon Anfang Februar gesprochen: Ein "Skunk-Works-Team" (also ein autark operierendes Entwicklungsteam) arbeite an einer kostengünstigen Architektur dafür. Sein Finanzchef John Lawler stieß auf dem Bank of America Securities Automotive Summit ins gleiche Horn und erwähnte zudem noch eine größere. 

Die Nachfrage nach Elektroautos sei viel geringer als erwartet, sagte Lawler; außerdem seien die Preise dramatisch gesunken. Die Kundschaft bestünde nun nicht mehr aus begeisterungsfähigen early adopters, so Lawler sinngemäß, deshalb sei nur Preis ein Thema. So gehe es nun darum, kleinere, erschwinglichere Fahrzeuge zu bringen.

Neue Plattform für ein Auto im Escape-Format

Deshalb habe Ford in Kalifornien eine Gruppe von Elektroauto-Ingenieure gegründet, die eine neue Plattform entwickeln. Auf dieser "kostengünstigen und erschwinglichen" Elektro-Plattform könne Ford mehrere "top heads" setzen, also mehrere Fahrzeuge auf dieser Basis bringen. Die Konkurrenz seien die preiswerten Elektroautos aus China sowie Tesla. 

Gefragt, von welcher Größe er rede (so groß wie das 4,59 Meter lange Kompakt-SUV Ford Escape oder kleiner), sagte Lawler, das Tolle an Elektroautos sei, dass sie die Außenmaße eines Escape, aber innen so viel Platz wie ein Ford Explorer haben könnten. Vermutlich meinte er den 5,05 Meter langen Verbrenner-Explorer aus den USA und nicht den neuen Ford Explorer mit MEB-Technik, der nur 4,49 Meter lang ist.

"I think you said the footprint of Escape with the interior of an Explorer." - "Yeah." (John Lawler)

Auf eine Nachfrage hin wiederholte Lawler das Statement, fügte dann aber noch hinzu, dass seine Vergleiche nicht exakt seien. Überhaupt handelt es sich bei den Statements nicht um eine vorformulierte Rede, sondern um ein Interview mit einem Finanz.-Analysten. Dementsprechend vorsichtig muss man bei der Wertung der Äußerungen von Lawler sein, denn es ist wohl nicht alles sorgfältig vorformuliert. 

Ford Escape PHEV

Ford Escape: 4,59 Meter

Ford Explorer (2024): Das Exterieur

Ford Explorer: 4,47 Meter

Aber versuchen wir es: Der Elektro-Explorer misst rund 4,50 Meter, der Escape (die amerikanische Version des europäischen Ford Kuga) knapp 4,60 Meter und der Mustang Mach-E 4,70 Meter, während der amerikanische Verbrenner-Explorer 5,05 Meter lang ist. Vermutlich soll die kleine Plattform von Ford ein 4,60 Meter langes Modell tragen. Das würde auch gut zwischen den Elektro-Explorer und den Mustang Mach-E passen.

Auch am Nachfolger des Lightning wird gearbeitet 

Abgesehen davon sprach Lawler auch über größere Fahrzeuge: "Es gibt einen Pick-up, der von Grund auf neu entwickelt wird, und dann die Möglichkeit, andere Fahrzeuge auf dieser Plattform aufzubauen. Dann gibt es noch die kleine Plattform, die wir entwickeln." Es handele sich die Ford-Plattformen der nächsten Generation, und zwar "eine größere und eine kleinere".

Ford F-150 Lightning: Seitenansicht

Der Ford F-150 Lightning startete erst 2022, bis zum Nachfolger ist wohl noch Zeit

Die kleine Plattform werde von einem Skunk-Works-Team in Kalifornien unter der Leitung von Ex-Tesla-Mitarbeiter Alan Clark entwickelt. Die größere Plattform entstünde separat, und auf ihr werde der Nachfolger des F-150 Lightning basieren.

Unter dem Strich

Das einzige Ford-Elektroauto auf einer richtigen Elektro-Plattform ist bislang der Mustang Mach-E. Modelle wie der F-150 Lightning, der E-Transit und der kommende Puma Gen E basieren auf Verbrenner-Plattformen. Und der neue Explorer sowie das angeblich Capri heißende Coupé-SUV beruhen auf VW-Technik. Höchste Zeit also für eigene Elektro-Plattformen von Ford. Zwei davon werden entwickelt, eine kleine und eine große.