Die Nachfrage nach Elektroautos ist schwach, und so überdenken derzeit einige Hersteller ihren Verbrenner-Ausstieg noch einmal. Vielleicht sollte man die fossil angetriebenen Modelle doch länger anbieten als geplant? In diese Richtung gehen auch neue Äußerungen eines Ford-Managers.

Ford hatte angekündigt, ab 2030 in Europa nur noch rein elektrische Autos (BEVs) verkaufen. Martin Sander (siehe Bild oben), der Europa-Chef der Elektroautosparte Ford Model e, deutete nun jedoch an, man werde auch nach 2030 noch Verbrenner in Europa verkaufen – wenn die Kundschaft sie will. "Wenn wir eine starke Nachfrage sehen, zum Beispiel nach Plug-in-Hybridfahrzeugen, werden wir diese anbieten", sagte Sander laut Automobilwoche

Die Nachfrage nach Elektroautos sei "weicher" als gedacht. Deshalb erreiche das Unternehmen seine ehrgeizigen Ziele nicht, so Sander auf dem "Future of the Car"-Gipfel der Financial Times in London. Mit dem 2021 angekündigten Verbrenner-Ausstieg im Jahr 2030 war Ford ehrgeiziger als die Europäische Union, die fossil angetriebene Fahrzeuge erst ab 2035 verbieten will.

Ab 2030 wird Ford nur noch rein elektrische Fahrzeuge im PKW-Angebot haben

Mit diesem Chart kündigte Ford an, ab 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen

Das Elektroauto-Angebot von Ford in Europa ist derzeit noch überschaubar: Neben dem Mustang Mach-E gibt es nur Nutzfahrzeuge wie den E-Transit und den E-Transit/E-Tourneo Custom. Doch 2024 rollt eine Welle neuer Elektromodelle an: Ab Juni will man den Ford Explorer in Köln bauen, ein Elektro-SUV auf Basis des Modularen Elektrobaukastens von VW. Ein weiteres Fahrzeug auf der MEB-Plattform soll folgen. Dabei soll es sich um eine coupéhafte Variante des Explorer ähnlich dem VW ID.5 handeln, die Ford Capri heißen könnte. Angeblich wird das Modell im Juni vorgestellt.

Ford Explorer (2024): Das Exterieur

Ford Explorer

Ford Capri (2024), das Rendering von Motor1.com

Ford Capri als (spekulatives) Rendering

In der zweiten Jahreshälfte will Ford dann noch den Elektro-Puma vorstellen, der Puma Gen-E heißen wird. Der Wagen wird im rumänischen Craiova gebaut und teilt sich die Plattform mit dem  Ford E-Transit Courier, der ebenfalls noch 2024 auf den Markt kommen soll.

Generell wollte Ford das Angebot an Verbrenner-Pkw einschränken und sich stattdessen auf die margenstarken Nutzfahrzeuge sowie Elektroautos konzentrieren. Der Mondeo lief schon 2022 aus, der Fiesta sowie die beiden Vans S-Max und Galaxy wurden 2023 eingestellt und die Produktion des Focus wird 2025 beendet. 

Unter dem Strich

BMW besteht weiter auf maximaler Flexibilität beim Verbrenner-Ausstieg, Mercedes-Chef Ola Källenius äußerte kürzlich Überlegungen, Verbrenner länger anzubieten, und nun stößt ein Ford-Europa-Manager ins gleiche Horn. VW-Chef Oliver Blume sagte dagegen, er halte nichts davon, bei Gegenwind gleich die ganze Strategie umzuwerfen. Bei wem unsere Sympathien liegen, brauchen wir wohl nicht zu sagen ...