Der Xpeng G6 wurde vor einem Jahr auf der Automesse in Shanghai vorgestellt; Anfang Juni werden wir den Model-Y-Konkurrenten selbst testen. Doch es gibt bereits erste Fahrberichte aus China. Wir stellen zusammen, was den Kollegen aufgefallen ist.

Xpeng wurde 2014 gegründet; zu den Gründern gehörte He Xiaopeng, der die Kurzform seines Vornamens für die Firma verwendete und sie nun auch leitet. Das erste Modell, der Xpeng G3, wurde bereits 2018 vorgestellt; seitdem kamen fünf Modelle hinzu. In Deutschland sind seit Kurzem der BMW i5-Konkurrent Xpeng P7 und das knapp 4,90 Meter lange SUV Xpeng G9 bestellbar. Der G6 soll bald folgen, und in Holland kann man ihn schon konfigurieren; Versionen und Preise bei uns dürften ähnlich sein.

  Xpeng G6
RWD Standard Range
Xpeng G6
RWD Long Range
Xpeng G6
AWD Long Range
Antrieb  RWD 190 kW, 440 Nm RWD 210 kW, 440 Nm AWD 350 kW, 660 Nm
0-100 km/h / Spitze 6,9 Sek. / 200 km/h 6,7 Sek. / 200 km/h 4,1 Sek. / 200 km/h
WLTP-Stromverbrauch 17,5 kWh 17,9 kWh 17,9 kWh
Batterie netto 66 kWh (LFP) 87,5 kWh (NCM) 87,5 kWh (NCM)
WLTP-Reichweite 435 km 570 km 550 km
Max. Ladeleistung 11/215 kW 11/280 kW 11/280 kW
DC-Ladedauer 10-80% 20 min 20 min 20 min
DC-Ladegeschwindigkeit 2,3 kWh/min 3,1 kWh/min 3,1 kWh/min
Preis in Holland 42.990 Euro 47.990 Euro 51.990 Euro

Technische Basis ist die Smart Electric Platform Architecture 2.0 (SEPA 2.0). Für den Antrieb sorgen hinten Permanentmagnet-Synchronmotoren, beim Allradler kommt vorne ein Induktionsmotor hinzu. Seltsam finden wir, dass der Allradler angeblich nicht mehr verbraucht als der Hecktriebler mit großer Batterie.

Die Basisversion des G6 hat eine LFP-Batterie, die anderen zwei Varianten einen NCM-Akku; damit ergibt sich eine Maximalreichweite von 570 km. Dank 800-Volt-System wird sehr schnell aufgeladen – fast so schnell wie bei Hyundai und dem neuen Porsche Taycan (beide 18 min für 10-80%). An den speziellen Schnellladern von Xpeng in China kann man angeblich sogar mit 480 kW laden.

Mit 4.753 mm Länge, 1.920 mm Breite und 1.650 mm Höhe sowie einem Radstand von 2.890 mm hat das Auto sehr ähnliche Maße wie das Tesla Model Y. Der Kofferraum ist mit 571-1.374 Liter aber deutlich kleiner (Model Y: 854-2.158 Liter); zudem hat der Xpeng keinen Frunk. Ziehen dürfen alle G6-Versionen maximal 1,5 Tonnen (Model Y: 1,6 Tonnen). Die Maximalreichweite von 570 km liegt etwas unter den 600 km des Model Y, dafür dürften die Xpeng-Modelle schneller laden und die Preise liegen etwas niedriger:

  RWD-Basismodell RWD Long Range AWD Long Range
Xpeng G6 in Holland 42.990 Euro 47.990 Euro 51.990 Euro
Tesla Model Y in Dtld.  44.990 Euro 48.990 Euro 54.990 Euro

Hinzu kommt eine hervorragende Serienausstattung. Zumindest in Holland gehören dazu rahmenlose Türen, LED-Licht mit Fernlichtassistent, 20-Zoll-Aluräder, Zweizonen-Klimaautomatik, eine Wärmepumpe, ein V2L-System mit 3,3 kW, Sitz- und Lenkradheizung, elektrisch einstellbare Vordersitze, ein großes Glasdach und eine elektrisch bediente Heckklappe.

Zu den Assistenzsystemen gehören Abstandstempomat (ACC) und Spurhalteassistent, Antikollisionssystem, Verkehrszeichenerkennung, Totwinkelwarner etc. Fünf Farben werden angeboten, darunter ein auffälliges Orange. Geöffnet wird der Wagen offenbar per Digital Key auf dem Smartphone. Innen gibt es ein 10,2-Zoll-Instrumentendisplay und einen 15,0-Zoll-Touchscreen im Querformat.

Xpeng G6 (2023): Das Interieur

Doch nun endlich zu den Tests. Am aufschlussreichsten fanden wir das Youtube-Video von Inside China Auto (ICA, siehe oben) und den Test der holländischen AutoWeek. Das Cockpit bietet offenbar bequeme Sitze, die aber über wenig Seitenhalt verfügen. Die meisten Oberflächen sind hinterschäumt, zudem gibt es textile Oberflächen. Der Qualitätseindruck ist deutlich besser als beim eher spartanischen Model Y. Um die Türen von innen zu öffnen, drückt man einen Knopf – offenbar wegen der Door Open Warning. Unter dem Dachspoiler versteckt sich ein kleiner Heckscheibenwischer. Der ausfahrbare Heckspoiler wird offenbar in Europa nicht angeboten.

Die Getriebemodi P, N, R und D werden über einen Lenkstockhebel im Mercedes-Stil aktiviert. Ansonsten erfolgt die Bedienung größtenteils über den Touchscreen – darunter auch die Einstellung der Außenspiegel. Außerdem ist die Rundumsicht durch die schräg liegende C-Säule und das kleine Heckfenster schlecht.

Xpeng G6: Blick in den Innenspiegel

Xpeng G6: Blick in den Innenspiegel

Das Raumangebot hinten ist jedoch großzügig, und man kann die Neigung der Fondlehnen verstellen. Angeblich lassen sich auch die Vordersitzlehnen in eine Schlafposition stellen. Der Kofferraum ist zwar tief, aber wegen der Karosserieform nicht sehr hoch. Weiterer Nachteil: Es gibt kein Rollo für das Glasdach, im Sommer kann sich das Interieur also aufheizen.

Der Allradler bietet laut ICA einen sehr überzeugenden Vortrieb – bei einer Sprintzeit von 4,1 Sekunden (nach dem Tester 3,9 Sekunden, aber er fuhr einen chinesische Version mit 358 kW) und 660 Nm Drehmoment wundert uns das nicht. Interessanterweise kann man beim Allradler die Kraftverteilung zwischen den Achsen einstellen.

Das Fahrwerk fanden beide Tester eher straff, zumindest mit den 20-Zöllnern. Die holländischen Kollegen bemängeln auch eine gefühllose Lenkung. Letztere lässt sich einstellen. Einstellbar ist auch die Rekuperation, allerdings nur per Touchscreen. In der höchsten Stufe ist die Verzögerung sehr stark, doch kommt das Auto nicht bis zum Stillstand, so ICA.

Unter dem Strich

Der Xpeng G6 scheint eine sehr interessante Alternative zum Tesla Model Y zu sein. Die Serienausstattung ist hervorragend, Antriebe und Reichweiten konkurrenzfähig, die Ladegeschwindigkeit sehr hoch und die Preise liegen unter dem Niveau von Tesla. Eher problematisch sind offenbar die Bedienung, die Rundumsicht und die Kofferraumform. Auf diese Punkte werden wir bei unserem eigenen Test achten.

Zur Ladeplanung, der Batterie-Vorkonditionierung und dem Touchscreen-Menüsystem ist den Tests noch nichts zu entnehmen, daher werden wir auch diese Punkte näher erkunden. Wir werden auch nachfragen, wie es mit den Werkstätten aussieht, und ob die deutsche Version den Lidar bekommt, der im Video zu sehen ist.

Bildergalerie: XPeng G6 (2023)