Die chinesische Marke Nio ist seit 2022 in Deutschland vertreten; bestellen kann man bisher den Nio ET5 (als Limousine und Kombi), die große Limousine ET7 und die SUVs EL6 und EL7. Im September 2024 kommt noch der EL8 hinzu. Dabei handelt es sich um ein luxuriöses Oberklasse-SUV, das wir uns im Nio-Designstudio München angesehen haben.

Mit 5,10 Meter Länge und 1,75 Meter Höhe stellt der EL8 das neue SUV-Flaggschiff dar. Er rangiert noch eine Klasse höher als der 4,91 Meter lange EL7 und zwei Klassen höher als der 4,85 Meter Nio EL6, den wir in die Mittelklasse eingruppieren würden. Technische Basis ist die "größere" der beiden Nio-Plattformen, wobei der Hauptunterschied jedoch in den leichteren Karosserie besteht: Hier wird großenteils Aluminium statt Stahl verwendet. Auf der gleichen Plattform basieren auch der EL7 und der ET7. Mit diesen teilt sich der EL8 auch den 480 kW starken Allradantrieb.

  Nio EL8 Standard Range Nio El8 Long Range
Antrieb AWD 480 kW, 850 Nm
(PSM mit 180 kW vorn, ASM mit 300 kW und SiC-Inverter hinten) 
0-100 km/h / Höchstgeschw. 4,1 Sek. / 200 km/h
WLTP-Stromverbrauch 22,0-23,1 kWh/100 km 21,2-22,3 kWh/100km
Akku netto / WLTP-Reichweite 73,5 kWh / 375-390 km 90,0 kWh / 487-510 km
Max Ladeleistung AC/DC 11/140 kW 11/185 kW
DC-Ladedauer (10-80%) 30 min 40 min
DC-Ladegeschwindigkeit 1,7 kWh/min 1,6 kWh/min
Preis ohne Batterie 82.900 Euro (Comfort)
87.900 Euro (Executive)
Preis mit Batterie 94.900 Euro (Comfort)
99.900 Euro (Executive)
103.900 Euro (Comfort)
108.900 Euro (Executive)

Antrieb und Akkus

Der Nio EL8 wird ausschließlich mit einem 380 kW starken Allradantrieb angeboten. Dieser ist ungewöhnlich: Während normalerweise hinten eine Permanentmagnetmaschine (PSM) verwendet wird und vorne eine (abschaltbare) Asynchronmaschine (ASM), ist es bei Nio umgekehrt. Hier arbeitet vorne eine PSM, hinten eine ASM. Und: Es handelt sich um einen permanenten Allradantrieb, es wird also keine der beiden Maschinen abgeschaltet, wenn nicht die ganze Power gebraucht wird.

In Sachen Effizienz ist das nicht optimal, aber die ASM ist preisgünstiger, weil man sich die teuren Magnete spart. Übrigens: Bei den Mittelklassefahrzeugen ET5 und EL6 sowie der neuen 800-Volt-Limousine ET9 wird hinten eine PSM eingesetzt, vorne eine ASM. 

Die Motoren wurden von einer Schwesterfirma namens Nio XPT entwickelt, welche die Maschinen auch an andere Hersteller verkauft. Für höhere Effizienz verwendet Nio Siliciumcarbid-Technik für die Inverter; ob an beiden Achsen, konnte man uns nicht sagen.

Als Energiespeicher werden die bekannten Batterien mit 75 bzw. 100 kWh angeboten. Dabei handelt es sich um Bruttowerte, wie Nio nun erstmals verrät. Erstmals werden auch die Nettowerte kommuniziert; sie betragen 73,5 kWh bzw. 90,0 kWh. Die WLTP-Reichweite der Basisversion liegt bei 390 km – für die Luxus-Oberklasse viel zu wenig. Die 100-kWh-Version schafft für die Klasse immer noch magere 510 km. 

Nio EL8 (2025): Der Wagen ist 5,10 Meter lang und 1,75 Meter hoch

Der EL8 ist 5,10 Meter lang und 1,75 Meter hoch

Auffällig ist, dass der Stromverbrauch bei der größeren Batterie geringer ist. Wie kann das sein? Bei Nio sagte man uns, die größere Batterie hätte eine höhere (gravimetrische) Energiedichte; deshalb ist sie nicht viel schwerer als die kleine. Hinzu kommt, dass die große Batterie weniger Verluste bei der Stromabgabe verursachen soll. Vermutlich kommt das daher, dass sie bei höherer Spannung arbeitet, sodass die Ströme geringer sind – und weniger Strom heißt immer auch weniger (Wärme-)Verluste. 

Zur Batteriechemie macht Nio keine Angaben, genauso wenig zur Form oder zum Hersteller der Zellen. Die EV Database mach Angaben zu den Batterien des EL7, die auch für den EL8 gelten dürften. Danach ist die Konfiguration der größeren Batterie 96s1p und es handelt sich um eine NCM-Chemie; beim kleineren Akku ist die Konfiguration 108s1p und die Chemie ist "LFP&NCM", also wohl eine Kombination aus zwei Chemien. 

Aufgeladen wird entweder per 11-kW-Bordlader oder mit Gleichstrom. Bei der kleinen Batterie sind nur 140 kW möglich, woraus sich eine (eher unterdurchschnittliche) Ladegeschwindigkeit von 1,7 kWh/min errechnet. Bei der großen Batterie sollen mit konventionellen DC-Säulen (wie denen von Ionity, die 500 Ampere abgeben) 185 kW möglich sein. Auch diese Ladeleistung ist im Vergleich zur Konkurrenz noch mager – die angegebene Ladedauer von 40 min zu lang. 240 kW werden nur mit (hierzulande kaum anzutreffenden) 660-Ampere-Säulen erreicht.

Es gibt noch eine weitere Feinheit: In den Batteriewechselstationen von Nio kursieren noch ältere Versionen der 100-kWh-Batterie, die Nio als "100a" bezeichnet, und die sich wegen anderen Batteriezellen nur mit 125 kW laden lässt. Wenn man Pech hat, bekommt man an der Swap Station eine solche. Wer die Batterie kauft, erhält jedoch die neue "100b"-Version.  

Exterieur und Interieur

Das Exterieur unterscheidet sich zumindest auf den ersten Blick kaum von dem der kleineren Nio-SUVs EL6 und EL7. Die Proportionen sind allerdings andere: Mit 5,10 Meter gehört das Auto zu den sehr großen SUVs. Über der Frontscheibe thronen die bekannten Lidar- und Kamera-Sensoren, mit denen hier unter anderem die Verdunkelungsbereiche der Matrix-LED-Scheinwerfer gesteuert werden.

Aufgeladen wird über einen CCS2-Ladeport vorne an der Beifahrerseite. Er öffnet und schließt sich elektrisch und gestengesteuert, wenn man über einen Karosserie-Bereich in der Nähe streichelt.  

Innen hat der EL8 die gleiche Monitor-Landschaft wie die anderen Nio-SUVs: ein Instrumentendisplay im Querformat und einen vergleichsweise kleinen Touchscreen im Hochformat. Das Head-up-Display hat jedoch größere Abmessungen – passend zu den gewaltigen Maßen des EL8. Ein großes Glasschiebedach (jawohl, der vordere Bereich lässt sich öffnen) mit Rollo lässt Licht in den Innenraum.

Nio EL8 (2025): Die Monitorausstattung und der Sprachbedienungs-Avatar Nomi sind von anderen Nio-Modellen bekannt

Monitorausstattung und der Sprachbedienungs-Avatar Nomi sind von anderen Nio-Modellen bekannt

Der EL8 hat stets sechs Sitzplätze in drei Reihen, es gibt aber zwei Konfigurationen: Die Comfort-Version ist so konzipiert, dass in Reihe zwei noch zwei Erwachsene sitzen können, dahinter aber zwei Kinder. Ganz nach hinten einsteigen kann man mit Hilfe der elektrischen Sitzverstellung. Zudem gibt es hier einen schmalen Mittelgang zur dritten Sitzreihe.

Die Executive-Version dagegen weist eine Mittelkonsole zwischen den Sitzen der zweiten Reihe auf, in der ein Kühlschrank untergebracht ist. Beide Varianten haben äußerst bequeme Sitze mit Beinstützen und ultraweichen Kissen an den Kopfstützen. Die Lehnen lassen sich so weit nach hinten legen, dass man bequem ein Nickerchen darin machen kann. 

Nio EL8 (2025): Im umgelegten Beifahrersitz kann man es sich richtig bequem machen

Im umgelegten Beifahrersitz kann man es sich richtig bequem machen

Trotz der großen ASM-Maschine im Heck (und den dicken Luftfederbeinen, siehe weiter unten) bietet der EL8 einen recht großen Kofferraum. In sechssitziger Konfiguration beträgt das Volumen zwar nur 265 Liter, aber wenn man die hintersten Sitze (elektrisch auf Tastendruck vom Heck aus) umklappt, sind es schon 880 Liter.

Nio EL8 (2025): Bei der Comfort-Version gibt es zwischen den Sitzen der Reihe 2 genug Platz zum Durchschlüpfen nach hinten

Bei der Comfort-Version gibt es zwischen den Sitzen der Reihe 2 genug Platz zum Durchschlüpfen nach hinten

Nio EL8 (2025): Die Executive-Version hat eine Mittelkonsole zwischen den Sitzen der zweiten Reihe

Die Executive-Version bietet stattdessen eine Mittelkonsole zwischen den Sitzen der zweiten Reihe

Ausstattung und Preise

Der EL8 hat eine Luftfederung mit 90 mm Federweg. Hier gibt es jedoch eine Änderung gegenüber der ersten Generation gibt (die in China schon mehrere Jahre auf dem Markt ist): Statt einer Ein-Kammer-Luftfederung von Continental, die von der Hardware identisch mit der des BMW X5 war, wird nun eine Zwei-Kammer-System eines anderen Zulieferers verwendet. Damit lässt sich der Wagen auch zum Be- und Entladen absenken und anheben.

Hinzu kommen nicht weniger als 37 Sensoren, die zur Steuerung der Assistenzsysteme, aber auch für die Matrix-LED-Scheinwerfer genutzt werden: Mit dem Lidar und den Kameras über der Frontscheibe werden vorausfahrende und entgegenkommende Fahrzeuge erkannt und der entsprechende Bereich der LED-Matrix gedimmt, um niemanden zu blenden. Gebremst wird mit Sechs-Kolben-Bremsen vorn und hinten aus eigener Produktion. Außerdem wird ein Audiosystem mit 23 Lautsprechern und 2.230 Watt eingebaut. Fünf Farben werden angeboten.

Die Preise beginnen bei 82.900 Euro ohne Batterie; die Executive-Version ist 5.000 Euro teurer. Wer den Akku selbst besitzen möchte, muss wie immer bei Nio auf die Benutzung der Batteriewechselstationen verzichten. Der Aufpreis für den kleinen Akku liegt bei 12.000 Euro, der für die große Batterie bei 21.000 Euro.

Zum Vergleich: Den EL7 gab es mit der kleinen Batterie ab knapp 87.000 Euro, mit der großen Batterie musste man fast 96.000 Euro zahlen. Den Mercedes EQS SUV gibt es erst ab 110.801 Euro; dafür erhält man einen Hecktriebler mit nur 265 kW, aber deutlich größerer Reichweite (bis 719 km).

In Deutschland ausgeliefert wird der EL8 ab September. Zum Thema EU-Zölle erklärte Nio gegenüber der Automobilwoche, das Bekenntnis zum europäischen Markt bleibe davon unberührt. "Wir werden unsere Kunden weiter beliefern und trotz Protektionismus neue Möglichkeiten für uns suchen", so der chinesische Hersteller.

Unter dem Strich

Bisher hat Nio nur 400-Volt-Autos im Programm. Gerade bei hochklassigen Fahrzeugen wie dem neuen EL8 ist das ein deutliches Manko, zumal der Mercedes EQS SUV demnächst ein 800-Volt-System erhalten soll und Xpeng die höhere Spannungslage schon in der Mittelklasse (beim G6) einsetzt. Ansonsten ist der Nio EL8 auf einem hohen Niveau bei der Technik und eine gute Alternative zum noch viel teureren Mercedes EQS SUV. Dieser bietet allerdings deutlich höhere Reichweiten. 

Bildergalerie: Nio EL8 (2025)