Tatsächlich, die EU hat es getan: Auf Elektroautos aus China sollen künftig bis zu 38,1 Prozent Strafzoll anfallen. Der genaue Prozentsatz unterscheidet sich jedoch von Hersteller zu Hersteller.

Für BYD gilt der niedrigste Strafzoll (17,4 Prozent), für Geely fallen 20 Prozent an und für den Staatskonzern SAIC gleich 38,1 Prozent, berichten die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Reuters. Diese drei Konzerne gehören zu der Stichprobe von Unternehmen, bei denen die EU seit Herbst 2023 nach wettbewerbsverzerrenden Subventionen sucht.

Aber auch für andere als die genannten drei Hersteller sollen höhere Zölle gelten: Firmen, die bei der EU-Untersuchung kooperiert haben, sollen mit 21 Prozent Strafzoll belegt werden, nicht kooperierende Unternehmen mit 38,1 Prozent. Die genannten Zölle kommen zu den bisherigen Einfuhrzöllen in Höhe von einheitlich 10 Prozent hinzu, heißt es in einem Dokument der EU-Kommission. Damit steigen die Zölle auf bis zu 48,1 Prozent.

Dokument der EU-Kommission zur Höhe der Zölle und den kooperierenden Unternehmen

Ein Dokument zur EU-Untersuchung (siehe Download oben) listet die betroffenen Firmen im Detail auf. Danach entsprechen die verhängten Strafzölle genau den Subventionen, die der jeweilige Konzern angeblich erhält. Das Dokument nennt auch die Firmen, die bei der Untersuchung kooperiert haben.

Konzern Strafzoll Gesamtzoll
BYD 17,4% 27,4%
Geely 20,0% 30,0%
SAIC 38,1% 48,1%
Kooperierende Firmen, u.a. Aiways, BMW Brilliance Automotive, Chery,  Dongfeng incl. Voyah, FAW, Great Wall, Leapmotor, Nio, Xpeng 21,0% 31,0%
Andere 38,1% 48,1%

Tesla wird in dem Dokument nicht eigens genannt, doch nach Medienberichten soll der in Shanghai produzierende US-Autobauer zunächst 21 Prozent Zoll zahlen, kann aber einen niedrigeren Zoll beantragen. Ob auch Volvo als Geely-Tochter betroffen ist (der EX30 wird in China gebaut), geht aus den Dokumenten nicht direkt hervor. Das gleiche gilt für die Vorgehensweise bei Smart, das ein Joint Venture zwischen Mercedes und Geely darstellt. Uns ist auch unklar, wie man zum Beispiel bei Cupra/VW oder Dacia verfährt, die beide in China für Europa produzieren.

Zu den quantitativ wichtigsten westlichen Marken bzw. Konzernen, die in China für den Weltmarkt produzieren, gehören Tesla (Model 3 und Y), Dacia (Spring) und BMW (BMW iX3, Mini Cooper, Mini Aceman).

Die Zölle sollen am 4. Juli in Kraft treten; dann werden sie zunächst provisorisch in Form einer Sicherheitsleistung erhoben. Endgültig eingeführt werden sie erst, wenn der Schritt vom Europäischen Rat (also den Regierungen) bestätigt wird. All das geschieht auch nur, wenn sich die EU und China nicht auf dem Verhandlungsweg einigen. 

Die chinesische Regierung kritisierte den Schritt als Protektionismus; die Maßnahme verstoße gegen internationale Handelsregeln und die EU schade sich damit selbst. Schon am gestrigen Dienstag hieß es, man werde nicht tatenlos bleiben und seine Interessen schützen.

Die deutsche Autoindustrie hatte sich schon im Vorfeld kritisch zu den Zollerhöhungen geäußert. Für den VW-Konzern, für BMW und Mercedes gehört China zu den größten Märkten. Wenn China im Gegenzug zu den EU-Zöllen seinerseits die Zölle erhöht, würde das den Konzernen schaden.

Was mögliche Gegenmaßnahmen angeht, so hatte die chinesische Handelskammer kürzlich gewarnt, China könnte Zölle in Höhe von 25 Prozent auf importierte Fahrzeuge mit großen Verbrennungsmotoren verhängen. Das würde deutsche Hersteller empfindlich treffen. Inzwischen gibt es einen Reuters-Bericht, wonach China mit Importzöllen auf Spirituosen aus der EU antworten könnte.

Der Schritt der EU folgt auf Zollerhöhungen, welche im April von der US-Regierung gegen chinesische Elektroautos verhängt wurden. Auch dafür wurden staatliche Subventionen als Begründung genannt.

In Deutschland machen Elektroautos chinesischer Marken nach wie vor nur einen kleinen Bruchteil des Gesamtmarktes aus. Allerdings schaffte es kürzlich mit MG erstmals eine chinesische Marke unter die Top Ten der BEV-Anbieter in Deutschland. BYD setzt bisher nur geringe Stückzahlen ab, plant aber ein eigenes Werk in Ungarn.

Kürzlich hatte es Gerüchte gegeben, Volvo könnte seine Elektroauto-Produktion aus China nach Belgien verlagern. Ein Unternehmenssprecher sagte uns jedoch dazu, das wäre nicht von jetzt auf gleich möglich. Denn erstens müsste für den EX30 das Werk in Gent umgerüstet werden, es würden auch andere Batterien benötigt werden. Zudem müssten die Zulieferer im Umfeld der Fabriken ebenfalls umziehen. Zweitens meinte er, man müsste gegenrechnen, dass Volvo ja auch Fahrzeuge in China verkauft. Allerdings will Volvo den EX30 ab 2025 ohnehin in Gent bauen.

Unter dem Strich

Zölle gegen Elektroautos, die aus anderen Ländern kommen, machen die Fahrzeuge für die Kundschaft nur noch teurer. Außerdem ist die deutsche Autoindustrie dagegen – sie möchte nicht geschützt werden. Insgesamt riecht der EU-Vorstoß nach Protektionismus. Im Interesse der Elektromobilität ist zu hoffen, dass sich die Streithähne in China und Europa einigen.

Unser Titelbild zeigt ein Auto-Transportschiff von BYD.