Zum Hauptinhalt springen

Envah-Ladereport: EnBW mit 31% Marktanteil die Nummer 1 bei DC

115.000 Ladevorgänge finden täglich statt, so eine Analyse des Softwareanbieters Envah

Diverse Elektroautos an einer EnBW-Schnellladestation
Bild von: InsideEVs

Fast 500 Gigawattstunden Energie haben Elektroautos in Deutschland im ersten Halbjahr 2024 an öffentlichen Ladestationen gezapft. Diese Energiemenge würde ausreichen, um rund 160.000 deutsche Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. Und die 21 Millionen Ladevorgänge der ersten sechs Monate des Jahres entsprechen 115.000 Ladevorgängen pro Tag. Diese Daten stammen aus dem neuen Lademarkt-Report des Software-Anbieters Elvah.

Bei den Schnelladern führt EnBW mit einem Marktanteil von 31 Prozent; der baden-württembergische Energieversorger belegt in allen 16 Bundesländern die Spitzenposition. Aral Pulse, Ionity, EWEGo und Allego liegen auf den Plätzen 2 bis 5. Sie erreichen einen vergleichbaren Marktanteil, aber nur, wenn man sie alle zusammenzählt. Damit decken sechs Betreiber über 60 Prozent des Schnelllade-Marktes ab. Tesla mit über 2.500 Schnellladepunkten und Shell mit über 400 DC-Ladepunkten sind im Report nicht enthalten, weil zu wenig Daten vorliegen. Laut Envah würde sich Tesla etwa auf Platz 3 bis 5 und Shell im Bereich 8 bis 10 einsortieren.

Die meisten Schnelllader stehen an Autobahnen oder Einzelhandelszentren, doch es gibt auch welche innerorts, wie dieser Aral-Pulse-Standort in Bad Tölz

Die meisten Schnelllader stehen an Autobahnen oder Einzelhandelszentren, doch es gibt auch welche innerorts, wie dieser Aral-Pulse-Standort in Bad Tölz

Generell spielen Autobahnstandorte eine zentrale Rolle beim Aufladen in Deutschland. An den zehn wichtigsten Autobahnen (darunter A3, A7 und A8) wurden im ersten Halbjahr insgesamt 90 GWh geladen, also 19 Prozent der gesamten Energie. An diesen Standorten dominieren EnBW und Ionity. 

Ganz anders als bei Gleichstrom (DC) sieht es bei Wechselstrom (AC) aus. Hier dominieren innerstädtische Stationen, und der Markt ist stark fragmentiert. Dabei übernehmen regionale Stadtwerke und Energieversorger die Spitzenpositionen.

Am meisten Energie aber haben überraschenderweise nicht DC-Säulen, sondern zwei AC-Ladestationen abgegeben, die nicht an Hauptverkehrsadern liegen. Der Grund: Beide liegen ganz in der Nähe von wichtigen Autohersteller-Werken. Die Compleo-Station in der Münchner Knorrstraße 147 in der Nähe des BMW-Entwicklungszentrums gab im ersten Halbjahr 8,8 GWh ab, die Volkswagen-Säule am Berliner Ring 2 in Wolfsburg lag mit 8,7 GWh auf Platz zwei. Zusammen bieten diese zwei Stationen allerdings auch über 600 Ladepunkte. Die folgenden drei Plätze belegen DC-Standorte an der A3.

IONITY Schnellladestation

Ionity steht mehr im Fokus als EnBW, rangiert aber weiter hinten im Ranking 

Elvah hat auch ausgewertet, welche Ladepunkt-Betreiber (Charge Point Operators, CPO) am meisten aus ihren Säulen herausholen. Hier führt Ionity die Rangliste an, gefolgt von Aldi Süd und Fastned. Im AC-Segment liegen die Stadtwerke München und die Hamburger Energiewerke vorn. Mit knapp einem Prozent der Ladepunkte im AC-Markt wickeln sie fast vier Prozent aller Ladevorgänge ab.

Nach wie vor gibt es jedoch Probleme bei der Zuverlässigkeit: Nur 89 Prozent der Ladevorgänge wurden erfolgreich beendet, bei 11 Prozent scheiterte der Versuch. Dabei sind dabei die Fälle, in denen die Ladesäulen nicht reagieren, noch gar nicht berücksichtigt. 

Die 2020 gegründete Firma Elvah gehört seit 2023 zum Energieversorger E.On. Sie bietet Software-Dienstleistungen für CPOs an (Software-as-a-Service, SaaS). Damit sollen Ladepunktbetreiber die Auslastung ihrer Standorte analysieren und die beste Preis-Strategie entwickeln können. Für den 63-seitigen PDF-Report hat die Firma über eine halbe Milliarde Datenpunkte ausgewertet. Enthalten sind wohlgemerkt nur öffentliche Ladestationen. 

"Mit unserem Lademarkt-Report 2024 veröffentlichen wir erstmals umfassende Zahlen und Einblicke, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat", sagt Elvah-Chef Gowrynath Sivaganeshamoorthy. "Unser Ziel ist es, mehr Transparenz zu schaffen und dem Markt zu helfen, die Dynamik und Entwicklungen besser zu verstehen – damit wir gemeinsam die Energiewende und die Zukunft der Elektromobilität vorantreiben können." 

Unter dem Strich

Im letzten Jahr wurden in Deutschland rund 500 TWh (oder 500.000 GWh) Strom in Deutschland erzeugt. Mach den Daten von Envah werden grob gerechnet 0,2 Prozent davon (1.000 GWh) jährlich an öffentlichen Ladesäulen verbraucht. Auch wenn man berücksichtigt, dass rund 85 Prozent der Ladevorgänge an der Wallbox zu Hause oder am Arbeitsplatz erfolgen, dürften weniger als zwei Prozent der deutschen Stromerzeugung zu Ladezwecken genutzt werden.

Dabei sind derzeit etwa 1,5 Millionen Elektroautos zugelassen. Wenn sich deren Zahl auf 15 Millionen verzehnfacht, käme eine ganz schöne Strommenge zusammen. Aber dass wir 2030 wirklich 15 Millionen Stromer auf der Straße haben, wie es die Bundesregierung offiziell plant, ist unwahrscheinlich.