Elektroauto-Markt: Preise seit 2022 deutlich gestiegen
Immer mehr SUVs und weniger kleine Modelle führen zu höheren Durchschnittspreisen
Ende September wurden 134 Elektroautos in Deutschland offeriert, das sind 19 Modelle als im Vorjahr. Doch mit dem derzeitigen Angebot sei ein schneller Markthochlauf nur schwer realisierbar, urteilt das Center of Automotive Management CAM in seiner neuesten Analyse.
Bemängelt wird, dass SUVs über die Hälfte der angebotenen Modelle ausmachen – genau sollen es 73 Modelle sein. Dagegen werden sogar weniger kleine Stromer angeboten als im letzten Jahr. Parallel dazu stiegen die Preise für E-Autos, so das CAM. So erhöhte sich der an den Neuzulassungen gewichtete durchschnittliche Listenpreis (ohne Extras) im Vergleich zum Gesamtjahr 2023 um 3.976 auf 56.669 Euro, führt das Institut aus. Das ist ein Anstieg um 7,5 Prozent.
Die Preise für Elektroautos stiegen in den letzten beiden Jahren
Der Preis für die Einstiegsmodelle in Deutschland liegt im gewichteten Mittel bei 47.209 Euro, was 3,8 Prozent mehr ist als im Vorjahr. Grund: Es werden mehr teure SUVs und weniger kleine Modelle angeboten. Besonders beliebt sind Modelle wie das Tesla Model Y oder der Skoda Enyaq, die viel Innenraum und eine gute Rundumsicht bieten, so die CAM-Analyse.
Die Zahl der elektrischen Klein(st)wagen sank hingegen von 12 auf 7 Modelle. So wurden der Renault Zoe und der Smart EQ Fortwo eingestellt. Der Marktanteil der kleinen Stromer liegt bei nur 7,3 Prozent der BEV-Neuzulassungen (Januar bis September). Die Kompaktklasse bleibt gegenüber dem Vorjahr preisstabil und kommt mit unverändert elf Modellen auf einen Marktanteil von 16,7 Prozent.
Positiv sei jedoch, dass sowohl Reichweite als auch die maximale Ladeleistung steigen. Laut CAM liegt die WLTP-Reichweite im Mittel nun bei 463 km; Einstiegsvarianten bieten durchschnittlich 438 km, die Topversionen dagegen 490 km. Die maximale Ladeleistung beträgt durchschnittlich 156 kW, wobei Einstiegsversionen 139 kW, Topvarianten 173 kW erreichen.
Elektroautos sind weiter deutlich teurer als Verbrenner
Elektroautos sind weiter deutlich teurer als Benziner und Diesel. Das zeigt sich, wenn man die Listenpreise der günstigsten Einstiegsmodelle jeder Antriebsart vergleicht, aber auch beim Vergleich der volumengewichteten Durchschnittspreise von ausgewählten Herstellern. Besonders groß ist der Unterschied im Mercedes- und im VW-Konzern mit etwa 16.000 bzw. 14.000 Euro (siehe Abbildung 2).
Stellantis weist eine Differenz von knapp 9.000 Euro auf, während die BMW Group bei den Einstiegsmodellen beider Antriebsarten nahezu gleiche Preise hat. Hier wirkt sich insbesondere die Marke Mini mit ihrem günstigen Cooper Electric aus. Bei chinesischen Herstellern bleibt die Differenz zwischen einem Einstiegs-Verbrenner und einem Einstiegs-BEV mit etwa 13.000 Euro weiterhin hoch.
In Deutschland steigen die Elektroauto-Preise, in China fallen sie
Der Anschaffungspreis spielt für den Markthochlauf der Elektromobilität eine entscheidende Rolle, führt das Institut aus. Das zeige sich, wenn man den schwächelnden deutschen Markt mit dem stark wachsenden chinesischen Markt in den Jahren 2023 und 2024 anhand der 15 zulassungsstärksten Modelle vergleicht: In China sanken die Preise um rund 5 Prozent, während sie in Deutschland um über 10 Prozent stiegen. Bei Einstiegsmodellen lagen die Preissteigerungen bei 6,5 Prozent, bei den Topvarianten sogar bei 14,5 Prozent (vgl. Abbildung 3).
Reichweite und Ladeleistung entwickelten sich gut, lobte Studienleiter Stefan Bratzel, aber die hohen Anschaffungspreise seien "Gift für die neue Marktphase der Elektromobilität", bei der nun Early Adopter durch eine weniger zahlungskräftige Kundschaft abgelöst werden.
Für 2025 erwartet das CAM deutlich mehr Verkäufe von Elektroautos. Die Hersteller würden die Preise senken oder höhere Rabatte anbieten, um die verschärften CO2-Flottengrenzwerte der EU zu erreichen. Die Reduzierung der Herstellkosten würde zum "zentralen Erfolgsfaktor", zumal die globalen Marktführer Tesla und BYD bereits deutlich niedrigere Kosten hätten.
Unter dem Strich
Die Preissteigerungen bei Elektroautos liegen mit 7,5 Prozent deutlich über der Inflationsrate. Dass in Deutschland nun schon fast 57.000 Euro für ein durchschnittliches Elektroauto bezahlt werden müssen, ist bitter. Dass immer mehr SUVs angeboten werden, wie das CAM schreibt, können wir bestätigen. Allerdings reichen die Daten des CAM nur bis September bzw. Oktober.
Und in letzter Zeit scheinen uns doch mehr kleine und günstige Modelle zu kommen. Uns fallen da Modelle ein wie der Citroen e-C3, Fiat Grande Panda, Opel Frontera, Ford Puma Gen-E, Kia EV3 oder Skoda Elroq. Vielleicht haben die Hersteller also doch die Zeichen erkannt und bieten preiswertere Stromer an, um in die Nähe der Flottengrenzwerte zu kommen.
Quelle: CAM (per E-Mail)
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