Mehr Infos zu Renaults neuen 800-Volt-Transportern
Flexis Trafic, Goelette und Estafette bekommen 150-kW-Antrieb und wahlweise 350 oder 450 km Reichweite
Im Februar präsentierte Renault drei neue Elektro-Transporter namens Estafette, Goelette und Trafic. Sie basieren auf einer neuen Ampere-Plattform und haben 800-Volt-Technik. Nun gibt Renault Neues zu Antrieben und Batterien bekannt.
Der Elektromotor wurde in Europa entwickelt und produziert 150 kW sowie 345 Nm Drehmoment. Dazu kommen zwei Akkus: Für die gewerbliche Kundschaft ist der Lithiumeisenphosphat-Akku (LFP) gedacht, der für 350 km WLTP-Reichweite sorgt. An Privatleute denkt Renault bei dem NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide an der Kathode) für eine Reichweite von 450 km.
Die Speicherkapazitäten wurden in der deutschen Pressemeldung noch nicht verraten, doch laut der italienischen Meldung sind es 60 bzw. 81 kWh. Danach beziehen sich die angegebenen Reichweiten auf den Trafic. Die italienische Pressemeldung spricht auch von 145 kW Motorleistung und nur 300 Nm; zudem heißt es hier, der Motor sei zusammen mit Valeo entwickelt worden. Beim Aufladen sind die Angaben wieder einheitlich: Der Ladehub von 15 auf 80 Prozent soll weniger als 20 Minuten dauern, wobei nicht klar wird, ob sich das auf beide Akkus bezieht.
Bildergalerie: Renault Trafic E-Tech Electric (2025)
Die drei Lieferwagen sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit Flexis. Das unabhängige Unternehmen wurde erst 2024 gegründet, und zwar gemeinsam von der Renault Group, der Volvo Group und CMA-CGM. Die Fahrzeuge sollen in Frankreich im Werk Sandouville gebaut werden und ab 2026 auf den Markt kommen. Flexis selbst hatte die drei Lieferwagen schon Ende Januar vorgestellt, wenn auch ohne den Bezug zu Renault. Die Flexis-Fahrzeuge tragen die Bezeichnungen Step-in Van, Panel Van und Cargo Van.
Bildergalerie: Flexis-Nutzfahrzeuge (2025)
Die Fahrzeuge basieren auf einer skalierbaren SDV-Architektur (Software Defined Vehicle). Auf diese Skateboard-Plattform setzt Flexis drei verschiedenartige Aufbauten. Das erste Fahrzeug ist die neue Generation des Renault Trafic, die erstmals mit Elektroantrieb daherkommt, also als Renault Trafic E-Tech Electric.
Der erste Trafic debütierte schon 1980; seither wurden über 2,5 Millionen Stück von dem Transporter gebaut – bislang ausschließlich mit Verbrenner. Die vierte Generation ist nun ein Elektroauto. Renault zeigt einen Kastenwagen mit modern wirkender, ja fast futuristischer Optik. Mit einem langen Radstand und weit in den Ecken positionierten Rädern ist der Wagen auf optimale Raumausnutzung ausgelegt. Doch der Wendekreis soll nicht größer sein als beim Renault Clio. Dank einer Höhe von weniger als 1,90 Meter ist auch die Einfahrt in Tiefgaragen kein Problem, so Renault.
Vorne verbindet eine dünne, durchgehende Lichtleiste die beiden Tagfahrlichter – während die Scheinwerfer weiter unten positioniert sind. In der Mitte der Lichtleiste prangt das ebenfalls illuminierte Markenlogo. Die schwarzen A-Säulen verschwinden optisch durch die offenbar dunkel getönten Scheiben – ob das in der Serie auch so ist, darf man bezweifeln, denn soweit wir wissen, sind getönte Scheiben nur hinten erlaubt. Am Heck gibt es senkrecht angeordnete LED-Rückleuchten, dazu rundum schwarze Karosserieschutzleisten.
Bildergalerie: Renault Goelette E-Tech Electric
Während der Renault Trafic wohl vielen bekannt sein dürfte, ist der Modellnamen Renault Goelette (Wikipedia) wohl nur Fans von historischen Nutzfahrzeugen ein Begriff. Der von 1945 bis 1965 gebaute Lieferwagen ist auch als Renault 1000 kg bekannt und war ursprünglich als Militärfahrzeug konzipiert. Die neue Version ist ein Elektrofahrzeug und heißt daher Goelette E-Tech Electric.
Das Modell wird in drei Versionen erhältlich sein: als Fahrgestell, Kasten und Kipper. Die Front und die Partie bis zur B-Säule sind identisch mit dem Elektro-Trafic, während der hintere Teil diverse Aufbauten erhalten kann. Die Bilder zeigen einen Kasten, aber es sind auch viele anderen Konfigurationen möglich. Die Rückleuchten sind hier unten integriert.
Bildergalerie: Renault Estafette E-Tech Electric
Der Estafette E-Tech Electric schließlich ist eine moderne Neuauflage eines Renault-Transporters aus den 60er- und 70er-Jahren (Wikipedia) und offenbar zum Ausliefern von Paketen in der Stadt gedacht. Das Design ist vom Estafette Concept inspiriert, das im vergangenen September vorgestellt wurde. Der mit 5,27 m Länge und 1,92 m Breite relativ kompakte Wagen soll sich leicht durch enge Straßen steuern lassen. Die Höhe von 2,60 m sorgt dafür, dass sich eine bis zu 1,90 m große Person problemlos in Cockpit und Laderaum bewegen kann.
Die Front ist etwas anders gestaltet als bei Trafic und Goelette, macht aber die Zugehörigkeit zur gleichen Familie deutlich. Hier fehlt die filigrane Lichtleiste, aber die Renault-Raute leuchtet auch hier zentral zwischen den Tagfahrlichtern, während die Scheinwerfer tiefer angebracht sind. Ein- und ausgestiegen wird mit Hilfe von Trittbrettern unter den Fronttüren, die sich nach hinten fortsetzen. Dort gibt es zwei Schiebetüren. Die unsichtbar integrierten Schienen sollen ein sanftes Öffnen ermöglichen. Am Heck gewährt ein Rollo Zugang zum Laderaum.
Unter dem Strich
Bisher fährt Amazon seine Pakete mit einem Elektro-Lieferwagen von Rivian aus, künftig könnte auch mal ein(e) Renault Estafette dabei sein. Ähnlich wie Kia mit seinen "PBVs" den Nutzfahrzeug-Sektor erobern will, will nun offenbar auch Renault in diesem Bereich punkten.
Die Transporter tragen den Renault-Rhombus, kommen aber von einer Firma namens Flexis, die zwar mit Renault zusammenhängt, aber laut Pressemeldung ein unabhängiges Unternehmen ist. Offenbar kauft Renault die Technik bei Flexis ein. Die Technik ist interessant, denn die Akkus arbeiten mit 800 Volt, womit schnelles Laden möglich wird.
Quelle: Renault (4/25), Renault (2/25), Flexis
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