EU-Kommission will CO2-Abgasvorschriften für Autobauer lockern
Für 2025 geplante Zielwerte sollen im Durchschnitt der Jahre bis 2027 eingehalten werden (Update)
Eigentlich hat die EU für das laufende Jahr bereits verschärfte CO2-Flottengrenzwerte beschlossen. Doch nun sollen diese verschoben werden. Verkehrskommissar Apostolos Tsitsikostas (unser Titelbild) age, man müsse pragmatisch sein. Deshalb sollten die Autohersteller ausnahmsweise drei Jahre Zeit haben, nämlich 2025, 2026 und 2027, um die Emissionsziele zu erfüllen.
Wenn ein Unternehmen 2025 zu hohe CO2-Emissionen habe, habe es zwei weitere Jahre Zeit, dies durch geringere Emissionen auszugleichen. Und wenn die Autos eines Konzerns 2025 wenig emittierten, dann sollte die Firma 2026 und 2027 unter geringerem Druck stehen. Außerdem solle die für 2026 geplante Überprüfung der Emissionsvorschriften vorgezogen werden auf das dritte Quartal dieses Jahres. An den Zielen selbst werde sich jedoch nichts ändern. "Wir halten an den Zielen für 2035 fest, was bedeutet, dass wir an den Zielen für 2025, 2030 und natürlich auch für 2035 festhalten", sagte Tsitsikostas laut einem Bericht von Reuters.
Will die Emissionsgrenzwerte für 2025 verschieben: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte schon am Montag angekündigt, dass man die Emissionsziele verschieben will. Das soll den Autoherstellern offenbar mögliche Strafzahlungen ersparen. Die Politikerin wolle noch im März eine Änderung der Vorschriften vorschlagen, sagte sie laut dem Nachrichtensender ntv am Montag in Brüssel.
Außerdem will sie eine Industrieallianz gründen, um das autonome Fahren voranzutreiben. Von der Leyen spricht bereits seit einigen Wochen mit Autoherstellern, Gewerkschaften, Umweltorganisationen und Zulieferern.
Im letzten Jahr lag der Elektroauto-Anteil am Gesamtabsatz in Europa bei 13,6 Prozent, während es 2023 noch 14,6 Prozent gewesen waren. Der BEV-Anteil ging also zurück, was bei einer neuen Technologie enttäuscht. Durch den sinkenden Anteil der BEVs fällt es den Herstellern schwerer, die CO2-Ziele für 2025 einzuhalten. Diese liegen im Durchschnitt bei 94 Gramm pro gefahrenem Kilometer. Die Grenzwerte sind jedoch je nach Konzern unterschiedlich, da sich die Werte am durchschnittlichen Fahrzeuggewicht orientieren.
Für jedes Gramm CO2 zu viel, das die Flotte eines Herstellers ausstößt, werden 95 Euro Strafe fällig, und zwar für jedes verkaufte Auto. So kommen schnell Millionen- oder Milliardenbeträge für die einzelnen Hersteller zusammen. Auf alle Hersteller zusammen könnten Strafzahlungen von 15 Milliarden zu kommen, sagte Renault-Chef Luca de Meo im Herbst. Deshalb hatte der ACEA sich bereits im letzten Herbst für eine Überprüfung der Grenzwerte eingesetzt.
Ob die neuen, für 2025 geltenden Grenzwerte eingehalten werden, zeigt sich naturgemäß erst nach Ende des Jahres, denn erst dann ist bekannt, wie viele Fahrzeuge von welchem Typ verkauft wurden. Eine Möglichkeit zur Senkung des eigenen Flottenemissionswertes besteht darin, mehr Elektroautos zu verkaufen, die mit einer CO2-Emission von null Gramm gewertet werden. Dazu greifen die Hersteller auf Rabatte, Preissenkungen und Leasingaktionen zurück.
Eine andere Möglichkeit ist das so genannte Pooling. Dabei zahlen Hersteller mit zu hohen CO2-Werten Geld an Konzerne mit niedrigen Werten (wie die reinen Elektroauto-Anbieter Tesla oder Smart, aber auch Marken mit hohem Hybridanteil wie Toyota), damit diese die Bildung eines Pools erlauben. Innerhalb des Pools dürfen die Flottenemissionen gemittelt werden. Zwei große Pools wurden bereits angekündigt: Stellantis, Toyota, Ford, Subaru und Mazda wollen einen Pool mit Tesla bilden, während Mercedes sich mit Volvo, Polestar und Smart zusammentun will.
Der Umweltverband Transport & Environment (T&E) schrieb, durch den Beschluss würden 2025 wohl weniger saubere Autos verkauft und im Gegenzug dafür 2026 und 2027 mehr. Dies würde den Hochlauf der Elektromobilität in Europa verzögern und den Druck auf die Industrie verringern, 2025 billigere Elektroautos auf den Markt zu bringen. Außerdem würden Autohersteller belohnt, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten, und diejenigen bestraft, die schon hohe Elektroauto-Quoten haben und ihre Grenzwerte erfüllen.
Unter dem Strich
Vom European Green Deal zur Wirtschaftsförderung: In ihrer zweiten Amtszeit hat EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen die Schwerpunkte ihrer Politik geändert. Ging es in der letzten Legislaturperiode noch um das Verbrenner-Aus im Jahr 2035 und konsequente Schritte dorthin, so will sie nun vor allem die Wirtschaft entlasten und sie so wettbewerbsfähiger machen. Sie sagt zwar, dass das nicht zu Lasten der Umwelt gehen soll, aber die geplante Verwässerung der CO2-Flottenziele weist in eine andere Richtung.
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