Porsche Cayman Electric als Erlkönig: Front und Heck im Detail
Die Scheinwerfer sind seltsam eingezogen, am Heck gibt es einen ausfahrbaren Spoiler.
Der Verbrenner-Cayman ist inzwischen praktisch tot, es werden nur noch die Topversion GT4 RS ist konfigurierbar. Doch nächstes Jahr soll die Elektroversion des Coupés starten. Erlkönigbilder gab es bereits; darauf sah das Auto kaum anders aus als das Verbrenner-Modell. Nun haben unsere Spezialisten den Neuling erneut fotografiert und konnten dabei auch Details an Front und Heck ablichten. Dabei fällt besonders die Partie um die Scheinwerfer auf.
Die Lichtsignatur mit vier Strichen pro Seite ist vom Taycan bekannt; in der Mitte der vier Tagfahrlicht-Punkte sitzt der Scheinwerfer. Auffällig ist aber, dass die Leuchten ziemlich senkrecht stehen, während das Karosserieblech darum herum flach liegt. Deswegen sind die Scheinwerfer eingezogen; vor ihnen entsteht eine Fläche:
Auch Detailbilder von der Seite und vom Heck sind unseren Fotografen gelungen. Darauf ist zu sehen, wie der Bereich am hinteren Ende der Seitenfenster aussehen wird. Auch ist zu erkennen, dass der Wagen offenbar einen ausfahrbaren Spoiler sowie eine große Heckklappe bekommt. Die Ladeklappe scheint sich in der Mitte des Hecks zu befinden – falls sich das bewahrheitet, handelt es sich um eine sehr ungewöhnliche Lösung.
Bildergalerie: Porsche Cayman Electric als Erlkönig (10/2025)
Das Karosseriebild im Ganzen unterscheidet sich kaum von den Fotos vom Nürburgring, die Automedia im Mai gemacht hat und den ersten Erlkönigaufnahmen vom Januar. Allerdings ist der erwähnte Heckspoiler auf den neuesten Bildern eingefahren, während er auf den Fotos vom Ring natürlich ausgefahren oder besser hochgeklappt war:
Porsche 718 Cayman Electric als Erlkönig
Porsche Cayman T (Verbrenner, 2018)
Der Cayman Electric wirkt für ein Elektroauto sehr niedrig. Im Vergleich sieht der Wagen fast niedriger aus als der Verbrenner, aber das kann täuschen. Die Silhouette ist jedenfalls sehr ähnlich wie beim Benziner. Wie dort sind die Türen etwas eingezogen und dahinter gibt es Lufteinlässe.
Aus der Sicht von vorn ist zu sehen, dass die seitlichen Lufteinlässe hinter den Türen deutlich kleiner ausfallen als beim Verbrenner. Bei den Bügelgriffen bleibt es offenbar:
Am Heck gibt es einen kleinen Spoiler, genau wie unser Vergleichsmodell Cayman T von 2018. Wie beim Verbrenner sind die Kotflügel etwas ausgestellt, die Rücklichter sind jedoch deutlich schlitzartiger als beim alten Modell. Außerdem sieht die Schürze anders aus, wobei auch sie zusammengebastelt wirkt:
Aus Erlkönigbildern haben die Kollegen von Motor1 schon ein Rendering des Elektro-Cayman entwickelt. Anders als unsere Bilder hat der Wagen hier senkrechte Lamellen in den äußeren Lufteinlässen an der Front, und der Fensterausschnitt am spitzen, hinteren Ende sieht anders aus. Aber die Grundform und die Leuchten dürften gut getroffen sein. Auch die eingezogenen Frontleuchten sind zu sehen:
Porsche 718 Cayman Electric als Rendering
Das Cockpit konnte man schon auf Erlkönigbildern vom Schwestermodell 718 Boxster Electric sehen. Die Bilder zeigten ein typisches Porsche-Lenkrad und zwei Displays im Querformat nebeneinander – in einem Sportwagen ist wegen der begrenzten Cockpit-Höhe auch nichts anderes zu erwarten. Die Bedienung erfolgt mit zahlreichen physischen Schaltern und Tasten:
Das Cockpit des Porsche Boxster Electric: Zwei Displays im Querformat nebeneinander
Was die Technik angeht, so bekommt der Elektro-Cayman keine Batterieplatte im Boden wie der Taycan (und die allermeisten anderen E-Autos), sondern einen Batterieblock, der hinter den Sitzen eingebaut wird. Damit wird er dort positioniert, wo bei den Verbrenner-Versionen der Motor sitzt. Das berichtete Autocar Ende letzten Jahres. Der Grund für diese ungewöhnliche Lösung dürfte die Gewichtsverteilung sein.
Der Mission R Concept von 2021, der als Studie des Elektro-Cayman gilt, hatte ein 900-Volt-System. Die 80-kWh-Batterie sollte sich in rund 15 Minuten von 5 auf 80 Prozent bringen lassen; die maximale Ladeleistung gab Porsche mit 340 kW an. Der Allradantrieb sollte aus zwei permanenterregten Synchronmaschinen (PSM) bestehen – vorne mit 320 kW, hinten mit 480 kW. Die Systemleistung wurde mit bis zu 800 kW angegeben. Als Besonderheit besaß die Studie eine Ölkühlung für die Batterie.
Bei der Entwicklung der beiden elektrischen 718er-Modelle sei das Thema Effizienz wichtig gewesen, sagte Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner gegenüber Autocar. Und das habe nicht nur mit den Motoren zu tun, sondern auch mit der Rekuperation. Hier setzt Porsche (wie beim Macan) nicht auf das One-Pedal-Driving mit starker Schubrekuperation. Das natürliche Bremsgefühl sei entscheidend für das Vertrauen in das Fahrzeug, so Steiner sinngemäß.
Außerdem sei das Handling sehr wichtig. Dieses wird offenbar durch die Positionierung der Batterie hinter den Sitzen verbessert, denn damit rückt der Schwerpunkt so nahe wie möglich an die Fahrerin oder den Fahrer heran. Anders als wenn man auf einer Batterieplatte sitzt, wird bei der Cayman-Lösung auch eine tiefe Sitzposition möglich. Überdies habe man sich um ein möglichst niedriges Fahrzeuggewicht bemüht.
Bildergalerie: Porsche Cayman Electric als Erlkönig (5/2025)
Gebaut wird der Cayman Electric da, wo auch die Verbrenner entstanden, also im Stammwerk Zuffenhausen. Starten soll er "Mitte des Jahrzehnts", so Markenchef Oliver Blume im März 2022. Dieser Ausdruck lässt viel Spielraum, denn je nach dem Start des Jahrzehnts (2020 oder 2021) kann 2025 oder 2026 gemeint sein. Obendrein sind seit der Ankündigung drei Jahre vergangen und Porsche ist in letzter Zeit deutlich zurückhaltender geworden, was Elektroautos angeht.
Autocar allerdings schreibt, der Wagen werde Anfang 2026 vorgestellt und komme später im Jahr auf den Markt. Die sich häufenden Erlkönig-Sichtungen lassen darauf schließen, dass das stimmen könnte.
Unter dem Strich
Der elektrische Porsche 718 Cayman wurde nicht auf der IAA vorgestellt, dort stand eher der elektrische Cayenne im Mittelpunkt. Dessen Premiere wird wohl noch vor dem Cayman erfolgen, denn getarnte Serienfahrzeuge wurden bereits mehrmals gezeigt. So wird die Cayman-Premiere wohl noch etwas auf sich warten lassen.
Auf die Technik darf man gespannt sein. Denn Grundlage ist nicht die bekannte PPE-Plattform, sondern offenbar etwas Neues: die E-Core-Plattform, bei der der Akku als Block direkt hinter den Sitzen eingebaut wird. Da dort nicht viel Platz ist, und der Wagen möglichst leicht sein soll, sind eher kleine Akkus und keine großen Reichweiten zu erwarten.
Aber schnelles Laden wird der Cayman Electric wohl bieten, wobei die 18 Minuten Ladedauer des Taycan wohl unterschritten werden – was wegen der kleineren Batterie nicht schwierig ist. Deswegen und wegen des starken Allradantriebs wird die Batterie möglicherweise eine Ölkühlung haben. Ob damit eine Tauchkühlung der Zellen in einer dielektrischen Flüssigkeit gemeint sein könnte? Wir wissen es nicht. Und preislich? Nun ja, billig ist ein Porsche selten, aber deutlich unter 100.000 Euro wird der Neuling wohl doch bleiben.
Quelle: Automedia, Autocar
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