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Cadillac Vistiq: Elektro-Siebensitzer im ersten Kurztest (Update)

Mit 5,22 m wirklich riesig und mit 3,7-Sekunden-Sprint sehr schnell – aber nur 460 km Reichweite

Cadillac Vistiq (2025) im Kurztest
Bild von: InsideEVs

Update vom 28. August 2025: Wir bekamen die Gelegenheit, als eine der ersten Medien eine Runde mit dem Cadillac Vistiq zu drehen. Was sind unsere Eindrücke? Nun, der Vistiq wirkt in der Realität gar nicht so riesig, wie es die Daten sagen. Deutlich kleiner wird demnächst der Optiq sein, für ihn sieht man auch die meisten Marktchancen in Europa.

Dafür gibt es auch in der dritten Sitzreihe des Vistiq vollwertige Sitzplätze, an den "Captain Chairs", den Einzelsitzen in Reihe 2, zeigt sich die US-Herkunft des Wagens. Was uns besonders positiv auffiel, war der wirklich hochwertig eingerichtete Innenraum mit schönen Materialien. Hier hat Cadillac gegenüber dem Lyriq noch eine Schippe draufgelegt. Für mindestens 100.000 Euro darf man das aber auch erwarten.

Speziell im V-Modus auf Knopfdruck ist der Vistiq sehr schnell, aber schon die normale Beschleunigung geht für gut 2,8 Tonnen Gewicht in Ordnung. In der Tat ist die Reichweite kein Highlight, insgesamt fährt der Cadillac bequem und komfortabel. Ganz im Stil der Marke. Teils nervig ist die Geräuschkulisse mancher Assistenzsysteme, vielleicht lässt sich hier noch etwas optimieren.

Bildergalerie: Cadillac Vistiq (2025) im Kurztest

 In den USA ist der Cadillac Vistiq bereits seit dem Spätherbst auf dem Markt, doch nun kommt das elektrische Siebensitzer-SUV oberhalb des Lyriq auch zu uns. Bestellstart ist am heutigen 28. Mai, und zwar in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Schweden. Der Neuling bietet einen 452 kW starken Allradantrieb und 460 km Reichweite nach WLTP.

Der 5,01 Meter lange Cadillac Lyriq kam bereits vor einem Jahr auf den deutschen Markt, nun folgt mit dem Vistiq der große Bruder. Das Riesenbaby ist 5.216 mm lang, 2.026 mm breit und 1.787 mm hoch, der Radstand beträgt 3.094 mm. Für den Vortrieb sorgen Permanentmagnet-Synchronmotoren an beiden Achsen. Die Systemleistung von 452 kW erlaubt einen Tempo-100-Sprint in 3,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 210 km/h und der Stromverbrauch 21,8 kWh/100 km.

Bildergalerie: Cadillac Vistiq (Europa-Version, 2025)

Als Energiespeicher wird ein Akku mit 91 kWh netto eingesetzt; dafür wird die seltene NCMA-Chemie genutzt, das heißt, die Kathoden bestehen aus Nickel, Cobalt, Mangan und Aluminium. Die WLTP-Reichweite beträgt wie erwähnt 460 km. Die maximale Ladeleistung liegt laut Website bei 190 kW. Damit soll ein Ladevorgang (von "niedrigem" Ladestand bis auf 80 %) etwa 45 min dauern. Mit Wechselstrom sind offenbar 11 und 22 kW möglich.

Das maximale Drehmoment von beeindruckenden 880 Nm sorgt für eine maximale Anhängelast von zwei Tonnen. Allerdings wiegt die Wuchtbrumme auch 2,9 Tonnen. Die Optik wird durch eine ziemlich flach liegende Windschutzscheibe und den "Black Crystal Shield"-Kühlergrill bestimmt. 

Die adaptive Luftfederung passt sich automatisch an die Fahrsituation an und soll optimalen Fahrkomfort sowie ausgezeichnete Straßenlage garantieren. Auch zahlreiche Assistenzsysteme sind an Bord, darunter ein Notbremssystem sowie ein "Night Vision"-System mit Infrarotsensoren, die Fußgänger und Tiere außerhalb der Scheinwerferreichweite erkennen. Vier Kameras versorgen das Rundumsicht-System.

Cadillac Vistiq (2025)
Bild von: Cadillac

Eine Fünf-Zonen-Klimaautomatik sorgt für den Klimakomfort. Zudem leitet sie Luftstrom und Wärme nur zu den besetzten Sitzen und verringert so den Energieverbrauch. Ebenfalls für jeden Insassen passend soll der Sound sein, der aus dem serienmäßiges 23-Lautsprecher-System von AKG kommt.

Innen gibt es ein geschwungenes 33-Zoll-Display. Das Infotainment basiert auf Android-Technik und bietet Zugriff auf Google Chrome, GameSnacks, Max und Amazon Prime Video, die aus dem Play Store heruntergeladen werden können. Außerdem gibt es ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion. Alternativ zum Siebensitzer gibt es auch eine sechssitzige Version des Cadillac Vistiq mit zwei Captain's Chairs in Reihe zwei.

Bildergalerie: Cadillac Vistiq (US-Version, Mj 2026)

Je nach Ausstattungslinie kommen edle Materialien wie offenporiges Holz, Carbon-Akzente und ein lederfreies Material zum Einsatz – oder luxuriöses "Black Ash Cluster"-Holz, was auch immer das sein mag. Selbst in der dritten Sitzreihe gibt es gepolsterte Armlehnen, Smartphone-Ablagen, Becherhalter und USB-Ladeanschlüsse.

Das neue Luxus-SUV steht bereits im deutschen Cadillac-Konfigurator, die Auslieferungen sollen im September beginnen. Man kann zwischen zwei Ausstattungen wählen: Als Luxury kostet der Vistiq 99.640 Euro, während für das Premium-Luxury-Modell 110.503 Euro verlangt werden.

Zu den Konkurrenten gehört wohl vor allem der Mercedes EQS SUV in der Topversion 580 4Matic, der mit 400 kW etwas schwächer ist und mit 4,8 Sekunden auch deutlich länger für den Sprit braucht. Der Mercedes kostet 148.113 Euro nach Liste und 143.670 Euro mit dem im Konfigurator genannten Herstellerrabatt. Damit ist das deutsche Modell nicht nur schwächer, sondern auch erheblich teurer als der US-Rivale. Allerdings bietet der EQS SUV eine WLTP-Reichweite von 654 km, also fast 200 km mehr als der Cadillac. Möglich machen das der große 118-kWh-Akku und der etwas niedrigere Verbrauch (20,7 kWh/100 km). 

Unter dem Strich

Der Cadillac Lyriq startete vor einem Jahr in Deutschland, aber die KBA-Statistik weist keine einzige Neuzulassung von elektrischen Cadillacs in Deutschland aus, weder im Jahr 2024 noch in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Aufgegeben wurde das Modell jedoch nicht, wie uns ein Cadillac-Sprecher im Nachgang zu diesem Artikel schrieb. Inzwischen ist der Wagen auch wieder konfigurierbar.

Mit dem Vistiq macht der US-Hersteller einen zweiten Versuch. Kaum anzunehmen, dass dieser erfolgreicher verläuft, zumal die Reichweite doch arg gering ist für die Luxusklasse, und der Wagen noch riesiger und teurer ist. Mehr würden wir uns von dem kleineren Optiq versprechen.