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Mercedes CLA EQ kommt bei Testern gut an

Hohe Sparsamkeit, Reichweite und Ladeleistung, komfortables Fahrwerk, aber wenig Platz im Fond und zweifelhafte Materialqualität

Mercedes CLA 250+ mit EQ-Technologie
Bild von: Andrei Nedelea

Der Mercedes CLA mit Elektroantrieb gehört wohl zu den interessantesten Neuvorstellungen. Wir haben die viertürige Limousine bereits in allen Details vorgestellt. Aber wie fährt sich das Auto? Erste Tests geben Aufschluss. Wir haben uns die Berichte von Autocar, des ADAC und unserer US-Kollegen von InsideEvs.com genauer angesehen.

Mit 792 km WLTP-Reichweite liegt der Mercedes CLA 250+ EQ auf Platz drei der reichweitenstärksten Elektroautos, und kommt dem Mercedes EQS 450+ mit seinen 812 km gefährlich nahe. Nur der Lucid Air kommt mit einer Batterieladung noch weiter. Doch vor allem beeindruckt Ilya Verpraet von Autocar der geringe Verbrauch des Neulings: 12,2 kWh/100 km sind extrem wenig. Außerdem seien der Lucid Air und der EQS sehr teure und sehr große Autos mit riesigen Batterien, den 4,72 Meter langen CLA dagegen gibt es schon ab rund 53.000 Euro.

  Mercedes CLA 250+ EQ
Antrieb RWD 200 kW, 335 Nm
0-100 km/h / Höchstgeschwindigkeit 6,7 Sek. / 210 km/h
WLTP-Verbrauch 12,2 kWh/100 km
Akku netto 85 kWh
WLTP-Reichweite 792 km
Ladeleistung AC/DC 320 kW
Basispreis mit Herstellerrabatt 53.066 Euro

Bildergalerie: Mercedes CLA 250+ EQ (2025, Bilder zum Test)

Was die technische Basis angeht, so teilt sich der Mercedes CLA EQ die Plattform mit den später folgenden Verbrennermodellen. Die Mercedes Modular Architecture (MMA) unterstützt beide Antriebsarten, obwohl sie primär für E-Autos entwickelt wurde. Als erster Mercedes hat der CLA EQ auch 800-Volt-Technik, was dünnere Stromkabel und sehr schnelles Laden mit bis zu 320 kW ermöglicht.

Für die Sparsamkeit ist vor allem der von Mercedes selbst entwickelte Elektromotor zusammen mit dem Siliziumcarbid-Wechselrichter sowie das Zweigang-Getriebe an der Hinterachse verantwortlich. Hinzu kommt eine gute Aerodynamik mit einem cW-Wert von bestenfalls 0,21 (mit kleinen Rädern), in der AMG Line mit großen Rädern steigt er nur moderat auf 0,24. Autocar verbrauchte 12,9 kWh/100 km mit dem CLA 250+ AMG Line, und der CLA 350 4Matic schnitt trotz des zusätzlichen Elektromotors an der Vorderachse kaum schlechter ab.

Im Interieur gibt es eine Armaturentafel, die dieser Bezeichnung alle Ehre macht, denn sie besteht aus einer fast senkrechten, glänzend schwarzen Platte. Darin sind das 10,3-Zoll-Instrumentendisplay, der 14-Zoll-Touchscreen und optional ein weiterer 14-Zoll-Touchscreen vor dem Beifahrersitz integriert. Das viele Hochglanzschwarz und der kratzempfindliche Kunststoff entsprechen nicht wirklich dem Premium-Anspruch von Mercedes, so der Tester.

Mercedes CLA 250+ mit EQ-Technologie
Bild von: Andrei Nedelea

Auch die Software ist neu, obwohl sie ähnlich funktioniere wie bei bisherigen Mercedes-Modellen. Als Startbildschirm wird eine Karte gezeigt; hinzu kommt ein Widget für die Medien und eine permanent sichtbare Symbolleiste unten für die Klimaregelung und anderes. Dass Mercedes nur zwei Knöpfe für die Fensterheber und eine weitere Taste für den Wechsel zwischen vorne und hinten verbaut, gefällt dem Tester, weil es verhindere, dass man versehentlich die hinteren Fenster öffnet.

Die Zahl der physischen Bedienelemente ist generell gering. Ärgerlich ist das bei der Sitzheizung, die unerklärlicherweise in einem Untermenü aktiviert werden muss. Alternativ kann man die Sprachsteuerung verwenden, aber dann wird die laufende Musik unterbrochen. Der Sprachassistent, der sowohl ChatGPT als auch Gemini AI von Google nutzt, kann angeblich Tischreservierungen vornehmen, wusste aber nicht, wie stark die Ladestationen ausgelastet waren.

Die Sitze sind bequem und ermöglichen auch eine ziemlich niedrige Fahrposition, so dass man sich nicht so aufgebockt fühlt wie in einem EQE. Allerdings wirkt der Innenraum überraschend klein, fühlt sich trotz 4,72 m Länge kleiner an als das Interieur des nur sechs Zentimeter längeren BMW i4, so der Bericht. Der Platz im Fond ist für große Erwachsene gerade noch ausreichend. Der Kofferraum fasst 405 Liter puls 101 Liter im Frunk. Der CLA hat nur einen kleinen Kofferraumdeckel. Ein praktischerer Kombi folgt Anfang nächsten Jahres.

So wenig Luxus-Flair der CLA im Innenraum vermittelt, so erwachsen und stimmig sei der Antrieb. Die Leistung haue einen nicht um, aber der CLA sei damit flink genug. Wie beim Taycan ist der Wechsel in den zweiten Gang nur bei Vollgas wahrnehmbar, so Ilya. Das Auto schaltet sich automatisch ein und aus; dennoch gibt es einen Startknopf am Ende des Hebels rechts am Lenkrad, mit dem auch die Fahrmodi P, R, N und D aktiviert werden.

Mit dem neuen Brake-by-Wire-System wirkt die Bremse beim CLA weniger schwammig als bei früheren Mercedes-Stromern. Neu ist auch die Einstellung der Rekuperationsmodi über den PNRD-Hebel am Lenkrad, um zwischen den Modi Freilauf, Mittel, One-Pedal-Driving und Adaptiv zu wechseln. Das funktioniere genauso gut wie Wippen, schreibt Ilya Verpraet.

Der Heckantrieb sorgt dafür, dass die Lenkung unbeeinträchtigt bleibt. Lenkwiderstand und Direktheit seien mittel und blieben damit angenehm unauffällig. Die konventionelle Schraubenfederung versuche nicht, alle Einflüsse der Straße abzuhalten, sorgt aber für Ruhe und ein kontrolliertes Fahrverhalten. Auch die Geräuschisolierung bei hohem Tempo ist beeindruckend. Traktionsprobleme waren auf trockener Straße nicht festzustellen. Der Allradler hatte nur den Vorteil, dass er schneller beschleunigt.

Die ausfahrbaren Türgriffe funktionieren nicht rein elektrisch, sondern verwenden Seilzüge, um die Tür zu entriegeln. So ist auch bei nicht funktionierender 12-Volt-Stromversorgung sichergestellt, dass sie sich noch öffnen lassen.

Der CLA kann mit bis zu 320 kW laden, aber nur an 800-Volt-Säulen. Ältere Ladesäulen mit 400 Volt kann er nicht nutzen, aber auch alle Supercharger bleiben außen vor. Doch ab 2026 soll ein Aufwärtswandler (Booster) optional verfügbar sein, der die Spannung dieser Säulen auf das Niveau der Batterie hebt. Bis dahin sorgt das Navi dafür, dass man keine 400-Volt-Säule ansteuert. Das Navi weiß auch, welche Säulen besetzt oder defekt sind. Dennoch ist es seltsam, dass Mercedes das Laden durch den Verzicht auf den Booster ein Stück weit umständlicher gemacht hat, so Ilya.

Mit dem Normverbrauch von nur 12,2 kWh/100 km könne auch das sehr sparsame Tesla Model 3 in der Version Long Range RWD mit seinen 13,6 kWh nicht mithalten. Mit rund 45.000 Preisen ist der Tesla allerdings in Deutschland etwa 8.000 Euro günstiger als der Mercedes. Auch der BYD Seal ist mit rund 47.000 Euro noch billiger; der Polestar 2 Single Motor Long Range liegt mit knapp 53.000 Euro praktisch gleichauf.

Alles in allem ist Ilya von Verbrauch, Reichweite und Ladeleistung des Mercedes CLA EQ begeistert. Damit schlägt der Wagen das Model 3 genau da, wo der Tesla der Konkurrenz bislang besonders überlegen war. Den Autos von BMW, Hyundai, Kia, BYD und anderen ist Mercedes damit "um Längen voraus". Auch das ausgewogene Fahrverhalten, das gute Geräuschniveau und die gute Benutzeroberfläche überzeugten ihn.

Zudem ist der Wagen nach Ilyas Urteil preislich attraktiv. Allerdings sei die Materialqualität im Innenraum nur mittelmäßig und der Wagen sei nicht wirklich geräumig. Und das zu einem Preis, der nicht wesentlich höher ist als der des Tesla. So sei der CLA EQ technisch und fahrerisch das beeindruckendste Auto, das Ilya im Jahr 2025 gefahren ist.


Auch der ADAC lobt das hervorragende Geräuschniveau. Unterstützt werde dieser Eindruck durch das komfortable Fahrwerk, das auch ohne adaptive Dämpfer gut funktioniere. Der 200-kW-Antrieb des CLA 250+ biete genug Schub für den Alltag, und der Testverbrauch lag auch hier bei nur 12,5 kWh/100 km. Das Zweigang-Getriebe sorge dafür, dass der Verbrauch bei hohen Geschwindigkeiten nicht extrem hochschnelle wie bei anderen Elektroautos.

Auch der ADAC-Tester zeigt sich beeindruckt davon, dass der Allradler kaum mehr verbraucht und mit 771 km nur rund 20 km hinter der Reichweite des 250+ zurückbleibt. Als Argument für den Allradler wird auch die Anhängelast genannt, die mit 1,8 Tonnen größer ausfällt als beim Hecktriebler, der nur 1,5 Tonnen ziehen kann. Positiv fiel auch die adaptive Rekuperation auf, die hier so gut funktioniert wie bei kaum einem Konkurrenten.

Die Platzverhältnisse werden positiver beurteilt als von Autocar. Durchschnittlich große Menschen kämen bequem unter. Hinten sollten auch 1,90 Meter große Menschen unter das serienmäßige Panoramadach passen. Für die Knie werde es aber etwas enger.

Die Materialqualität gefiel dem ADAC ebenfalls besser: Neuartige Stoffe aus Bambusfasern und Papier sowie die mit weichem Kunstleder bezogenen Türtafeln gefielen dem Tester besonders. Allerdings werde an weniger oft berührten Stellen auch viel Hartplastik eingesetzt. Negativ fiel auch die Fuge auf, die sich zwischen dem Hartplastikpanel und dem Hauptbildschirm auftut, wenn man den optionalen Beifahrerbildschirm nicht ordert. Alles in allem sei der CLA EQ ein hochtechnisches Auto, das sich mit seiner komfortablen Auslegung wohltuend von der pseudosportlichen Konkurrenz abhebe.


Bei InsideEvs.com schließlich betont Andrei Nedelea, dass es sich um ein softwaredefiniertes Auto (SDV) handelt. Damit sei der Wagen per OTA-Update aufrüstbar, biete raffinierte Technologien und sei gewissermaßen ein Computer auf Rädern. Anders als bei chinesischen Rivalen sei der Wagen aber auch mechanisch gut. Wohltuend empfindet Andrea, dass Mercedes hier auf die "Jellybean-Formen" verzichtet, womit offenbar EQE und EQS gemeint sind. Außerdem biete das Auto einen Premium-Innenraum und unglaubliche Reichweiten- und Effizienzwerte. Damit sei der "CLA das bisher beste Werk des Autoherstellers".

Der 200-kW-Antrieb CLA 250+ fühle sich so stark an wie es der Normsprint in 6,7 Sekunden erwarten lässt, aber nicht so flott wie ein Tesla Model 3 Long Range RWD, das mit rund 1,75 Tonnen auch etwa 300 Kilo leichter sei als der CLA 250+ mit 2.055 Kilo. So fahre sich der CLA auf gerader Strecke nicht besonders aufregend. In Kurven spüre man das Gewicht aber nicht zu sehr. Die Lenkung gab unerwartet viel Feedback und wirkte sehr präzise. Auch Andrea fand das Fahrwerk sehr komfortabel. Vom Fahrgefühl her sei der Mercedes dem Model 3 überlegen, obwohl der Mercedes konventionelle Dämpfer hat.

Der Testverbrauch lag mit 13,7 kWh/100 km höher als bei den anderen beiden Testern, blieb aber ebenfalls noch recht nahe am WLTP-Wert. Am zweiten Tag brauchte der Kollege sogar bei 16,7 kWh, was aber angemessen sei, weil er schnell und fast ausschließlich im Sportmodus fuhr, zudem mehrmals die Beschleunigung aus dem Stand ausprobierte.

Auch Andrea ist von der technologischen Atmosphäre im Cockpit mit seinen zwei oder optional drei Bildschirmen beeindruckt. Das Infotainmentsystem sei das beste, das je in einem Mercedes verbaut wurde. Der Sprachassistent war beim getesteten Vorserienmodell jedoch nicht noch so gut wie im neuen Renault 5 Electric.

Der zentrale Touchscreen lasse sich hervorragend bedienen und biete ausreichend Rechenleistung. Das Zoomen auf der Google-Satellitenkarte gehe etwa so gut wie auf einem iPad, wobei der Bildschirm des Autos größer ist. Die Instrumente mit ihren relativ konventionellen Anzeigen mit zwei runden Skalen gefielen Andrea besser als die futuristischen Layouts anderer Mercedes-Modelle. 

Auf dem optionalen dritten Bildschirm kann man sich sogar während der Fahrt Videos ansehen; sobald die Person am Steuer herüberguckt, wird die Wiedergabe aber gestoppt. Das funktioniert nach den Erfahrungen von Andrea aber nicht zuverlässig. Eigentlich könne man auf den dritten Bildschirm verzichten, weil man den zentralen Touchscreen auch vom Beifahrersitz problemlos bedienen könne. Allerdings wirke das Armaturenbrett dann etwas karg.

Auf den Vordersitzen ist der CLA recht geräumig, doch hinten stehen die Knie nach oben und es gibt weder einen Bildschirm noch eine separate Klimazone. Alles in allem spricht Andrea von einem "sehr überzeugenden ersten Eindruck".

Unter dem Strich

Wie beurteilen die drei Tester den Mercedes CLA 250+ nun? Alle drei scheinen von Sparsamkeit, Reichweite und Ladeleistung beeindruckt zu sein, auch das Infotainment sowie das komfortable Fahrwerk gefielen allen drei Kollegen. Allerdings ist der Sitzkomfort im Fond offenbar vor allem wegen der nach oben stehenden Knien eher mau. Auch die Materialqualität scheint zumindest teilweise nicht so zu sein, wie man es von einem Mercedes erwartet.