Porsche erprobt simulierte Gangwechsel für Cayenne Electric
Einen Prototyp gibt es schon, den V8-Sound ebenfalls und selbst ein Porsche-Experte spürt keinen Unterschied zum Verbrenner
Der Hyundai Ioniq 5 N hat mit seinen simulierten Gangwechseln die Branche aufgerüttelt: So gut wie alle, die das Auto schon mal gefahren haben, waren begeistert davon. Natürlich hat auch Porsche die positiven Testberichte bemerkt, kam aber zu dem Schluss, dass dergleichen nicht infrage käme. Nun hat man sich der Frage aber offenbar nochmal angenommen und testet ein entsprechendes System. Mit guten Resultaten.
Noch vor einem Jahr lehnte Porsche-Entwicklungsfahrer Lars Kern simulierte Gangschaltungen ab. "Natürlich schauen wir uns an, was die Konkurrenz macht, aber unsere Perspektive dabei ist immer: Warum sollten wir etwas verschlechtern?", sagte er dem australischen Automagazin TheDrive. Der Elektroantrieb würde die Leistung besser als bei einem Verbrenner in Vortrieb umsetzen. Deshalb ergäbe es keinen Sinn, mit einem Elektroauto einen Verbrenner zu simulieren.
Der kürzlich gezeigte Prototyp des Cayenne Electric hatte wohl noch keine Schaltwippen, aber die Technik wird schon erprobt
Gemeint war offensichtlich, dass Verbrenner wegen ihres eher schmalen Drehzahlbandes auf Gangwechsel angewiesen sind. Diese sind jedoch jedes Mal mit einer Zugkraft-Unterbrechung verbunden. Wenn es nur um Beschleunigungszeiten geht, ist das natürlich schlecht.
Doch jetzt hat Porsche einen Elektroauto-Prototyp mit simulierter Gangschaltung aufgebaut, berichtet TheDrive unter Berufung auf Sascha Niesen, den Leiter der Prototypen-Flotte von Porsche. Bei einer Probefahrt mit dem Cayenne-Electric-Prototyp sagte Niesen, Porsche besitze einen Prototyp mit simuliertem Achtganggetriebe, der Motorgeräusche im Stil des V8 des Porsche Cayenne abgeben kann.
Da der nutzbare Drehzahlbereich bei einem Elektroauto viel größer ist, müsste man diesen Bereich künstlich unterteilen, so der Experte, aber möglich seien solche virtuellen Gangwechsel. "Wir überlegen gerade, ob wir es machen wollen oder nicht", meinte Niesen. Dazu müsste man allerdings Schaltwippen nachrüsten, denn die besitzt der Prototyp des Cayenne Electric nicht.
"Ich bin im März ein Konzeptfahrzeug gefahren", erzählte Niesen. "Ich wollte es hassen, weil es künstlich und unecht ist und so. Ich hatte Angst, dass die Leute, die es machen, nur Softwarefreaks sind, die keine Ahnung haben, wie ein Getriebe funktioniert, und versuchen, es nachzuahmen."
Aber die Abstimmung hatten Ingenieure übernommen, die sich mit den Doppelkupplungs- und Drehmomentwandler-Automatikgetrieben von Porsche auskannten. "Und die wissen, was sie tun", so Niesen. "Sie haben es geschafft, dass es sich wie ein richtiges Wandlergetriebe anfühlt. Ich konnte keinen Unterschied feststellen." Nicht die gesamte Elektro-Kundschaft wolle so etwas, aber es gebe einen Markt dafür, zumal man das System auch abschalten kann.
Unter dem Strich
Nicht alles, was technisch sinnvoll und logisch besser ist, fühlt sich auch besser an. Simulierte Gangwechsel sind ein Beispiel: A priori, bevor wir den Hyundai Ioniq 5 N fuhren, hatten wir sowas auch für Quatsch gehalten, wurden aber eines Besseren belehrt. Es macht so viel mehr Spaß, den 5 N zu fahren als so manches viel teurere Auto. Also warum nicht? Was Porsche-Experte Niesen sagte, klingt so, als könnte der Cayenne Electric optionale Schaltwippen mit entsprechenden Sounds erhalten. Vielleicht noch nicht zum Start, aber etwas später. Wir sind gespannt.
Quelle: TheDrive (Ablehnung), TheDrive (Erprobung) via InsideEVs.com
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