Zum Hauptinhalt springen

VW Gen.Urban: Autonomes Fahren wird in der Stadt getestet

Den Stadtverkehr soll das elektrische Forschungsfahrzeug schon meistern. Doch VW interessiert sich mehr für die Gefühle der Insassen.

Gen.Urban: Forschungsfahrzeug des VW-Konzerns im Wolfsburger Stadtverkehr
Bild von: Volkswagen Aktiengesellschaft

Ein Elektroauto von Volkswagen, und wir kennen es nicht? Das klingt zunächst unglaublich. Dennoch ist es so. Allerdings ist der Gen.Urban kein Serienmodell, sondern ein Forschungsfahrzeug, wahrscheinlich sogar ein Unikat. Damit testet VW das autonome Fahren in der Stadt.

Die Erprobung des Fahrzeugs startete schon im Sommer 2024. Auch damals schon im Wolfsburger Stadtverkehr, wie Auto Motor und Sport berichtete. Getestet wurde auf einer festen, acht Kilometer langen Route. Diese bot wenig Herausforderungen, sie verlief größtenteils auf breiten Straßen mit wenig Gegenverkehr. VW betonte damals, es ginge nicht darum, die Technik fürs autonome Fahren weiterzuentwickeln, sondern um das Fahrerlebnis der Passagiere.

Inzwischen wurde die Route deutlich anspruchsvoller. Die 20 Minuten lang dauernde Runde ist nun laut VW so gewählt, dass sie "typischen Herausforderungen des Stadtverkehrs" entspricht. So sind Ampelkreuzungen, Kreisverkehre, wechselnde Baustellen und stockender Verkehr enthalten. Wie bisher liegt der Fokus auf dem Empfinden der Insassen: Man will erkunden, wie Menschen die Mitfahrt in einem autonom fahrenden Auto ohne Lenkrad und Pedale erleben. Die Erkenntnisse sollen in die Konzeption der Bedienung künftiger Konzernmodelle einfließen.

Dabei interessiert sich das Forschungsteam für Fragen wie: Wie verbringen Menschen ihre Zeit in einem selbstfahrenden Fahrzeug? Welche digitalen Inhalte nutzen sie zur Arbeit, Unterhaltung oder Entspannung? Wie sollte die Interaktion zwischen Fahrzeug und Passagieren gestaltet sein, insbesondere für ältere Menschen und Kinder? Und ganz allgemein: Fühlen sich die Menschen wohl?

Zunächst kommen Beschäftigte des Unternehmens in den Genuss einer Mitfahrt. Die Testperson nimmt auf dem "Fahrersitz" Platz. Womit wohl der Platz links vorne gemeint ist, denn über ein traditionelles Lenkrad oder Pedale verfügt der Gen.Urban nicht. Eine Sicherheitsperson auf dem Beifahrersitz kann bei Bedarf jederzeit über ein Bedienpanel mit Joystick eingreifen. 

Schon vor der Fahrt können die Insassen ihre Präferenzen einstellen – per App oder direkt im Fahrzeug, von der Raumtemperatur bis zur Ambientebeleuchtung. Nach dem Einstieg werden sie vom Auto begrüßt, der Sitz fährt automatisch in die gewünschte Position. Zusätzlich lassen sich die Display-Anzeigen per Künstlicher Intelligenz (KI) an die persönlichen Vorlieben anpassen. 

Die Technik für das autonome Fahren mache rasante Fortschritte, meint Nikolai Ardey, Leiter Volkswagen Group Innovation. Für die Akzeptanz sei jedoch das Vertrauen der Insassen entscheidend. Dieses wolle man durch sinnvolle Interaktion, eine entspannte Atmosphäre und intelligente Assistenzsysteme fördern.

Unter dem Strich

Seit Kurzem ermöglicht Tesla in Deutschland Mitfahrten in Fahrzeugen mit Full Self Driving. Die Tester sind zum größten Teil beeindruckt. Ob es Zufall ist, dass der VW-Konzern nun eine Pressemeldung zu seinem eigenen Forschungsfahrzeug namens Gen.Urban verschickt? Schließlich wird der Wagen schon seit anderthalb Jahren getestet, ohne dass es eine offizielle Mitteilung dazu gab.

Will VW den Eindruck vermitteln, dass man schon recht weit beim autonomen Fahren ist? Es scheint so. An der Pressemeldung irritiert allerdings der Ausdruck "typische Herausforderungen des Stadtverkehrs". Denn was soll das sein? Vermutlich geht es in Wolfsburg am Sonntagnachmittag ruhiger zu als wochentags im Münchner Stadtzentrum zur Stoßzeit. Ein autonom fahrendes Auto muss aber auch mit komplexen Situationen zurechtkommen.

Auch verwundert, dass VW die Meldung nur über die Unternehmensseite herausgibt, keine technischen Einzelheiten zur Sensorausstattung, zur sonstigen Hardware und zur Software nennt und das Cockpit nicht zeigt. Vielleicht, um keine übertriebenen Erwartungen bei der Kundschaft zu wecken. Von einer baldigen Serieneinführung ist jedenfalls nicht die Rede.