Polestar verkaufte 2025 etwa so viele BEVs wie Smart oder Toyota
Fast 80 Prozent des weltweiten Absatzes findet inzwischen in Europa statt.
60.119 Fahrzeuge hat die zu Geely gehörende Marke Polestar im letzten Jahr verkauft. Weltweit. Das klingt nicht gerade viel, aber im Vergleich zum Vorjahr bedeutet es ein Plus von stattlichen 34 Prozent. Dabei ist Europa weitaus am wichtigsten, und Deutschland bleibt mit 5.007 Zulassungen und einem Plus von 57 Prozent ein zentraler Markt für die Marke.
Polestar-Bestseller in Deutschland waren der Polestar 4 mit fast 2.900 Stück und der altbekannte Polestar 2, der mit knapp 1.700 Stück inzwischen nur noch die Nummer zwei ist. Der Polestar 3 spielt keine große Rolle, was zumindest zum Teil auf den hohen Preis von mindestens 79.090 Euro zurückzuführen sein dürfte.
In Deutschland liegt Polestar mit den genannten rund 5.000 Stück deutlich besser als Nio mit seinen gerade mal 325 verkauften Elektroautos, Nissan mit knapp 1.200 BEVs, GWM mit seinen beiden Ora-Modellen (rund 1.400) oder Xpeng (knapp 3.000 Stück). Man befindet sich etwa auf dem Level der Elektroauto-Verkäufe von Smart (etwa 4.700 Stück), Dacia (etwa 5.300 Stück) oder Toyota (rund 5.400 BEVs). Die China-Spitzenreiter MG (knapp 9.000 BEVs) oder BYD (etwas mehr als 11.000 BEVs) liegen aber deutlich vor Polestar, genauso wie die Partnermarke Volvo (etwa 9.400 BEVs).
Polestar-Chef Michael Lohscheller sagte, 2025 sei vom Absatz her das bislang beste Jahr in der Markengeschichte gewesen – trotz Gegenwinden und der schwierigen Marktsituation. Man gewinne Marktanteile. Im neuen Jahr gehe man nach Frankreich, wo die Autos "sehr gut angenommen" werden, wie der Manager gegenüber Reuters sagte.
"Es dreht sich alles um Europa." (Polestar-Chef Michael Lohscheller)
Im letzten Jahr hat sich Polestar stark auf Europa fokussiert, das mittlerweile fast 80 Prozent des weltweiten Umsatzes ausmacht, so die Nachrichtenagentur. Obwohl auch die EU Strafzölle auf in China produzierte Elektroautos erhebt, ist unser Kontinent für die Marke noch attraktiver als die USA mit der dortigen Nachfrageschwäche bei BEVs und China, wo ein harter Konkurrenzkampf tobt.
Der Polestar 5 ist der Neuling in der Palette. Mit hohen Verkaufszahlen ist in der 100.000-Euro-Klasse aber nicht zu rechnen.
Polestar ist 2025 vom reinen Online-Vertrieb auf ein Händler-Modell umgeschwenkt und hat sein Vertriebsnetz außerhalb Chinas um 50 Prozent erweitert. In Deutschland eröffneten 2025 fünf neue "Polestar Spaces", bis 2027 sollen es 30 sein. In China dagegen wurden alle 30 Handelsstandorte geschlossen. In den USA haben die Zölle die Gewinnmargen geschmälert und Polestar gezwungen, die Lieferketten umzustrukturieren.
Hohe Schulden, anhaltende Verluste und Verzögerungen bei der Markteinführung führten 2025 zu einer Schwäche des Aktienkurses. Deshalb hat Polestar einen umgekehrten Aktiensplit durchgeführt, womit der Kurs technisch von unter einem Dollar auf 18 Dollar stieg. Damit wurde an der US-Technologiebörse Nasdaq ein Delisting vermieden.
Die defizitäre Marke wird von Geely finanziert. Erst im Dezember erhielt das Unternehmen neue Finanzierungen und Kredite in Höhe von 900 Millionen Dollar von Geely und zwei europäischen Banken. Zudem profitiert Polestar zumindest bei einem Modell von den Plattformen des chinesischen Konzerns: Der Polestar 4 basiert auf der Geely-Architektur SEA, während Polestar 2 und 3 auf Volvo-Plattformen beruhen. Der kommende Polestar 5 steht sogar auf einer Polestar-eigenen Plattform.
Am 18. Februar 2026 will Polestar seine Finanzzahlen und ein Strategie-Update mit "wichtigen Produktneuigkeiten" veröffentlichen.
Unter dem Strich
Ist Polestar nun ein schwedischer oder ein chinesischer Hersteller? Polestar sieht sich als schwedische Marke und führt das europäische Design und die Entwicklung in Göteborg als Argumente an. Doch die Frage wird unter Autofans immer noch stark diskutiert.
Hergestellt werden die Autos mehrheitlich noch immer in China, nur der Polestar 3 wird in den USA gefertigt. Und auch der Eigentümer Geely kommt aus dem Reich der Mitte. Das erste Argument ist das stärkere, denn Skoda gilt ja auch als tschechische Marke, obwohl sie zu VW gehört. Letztlich ist es eine Definitionsfrage, die Smart und Mini ähnlich betrifft, denn deren Autos werden ebenfalls in China gebaut. Jedenfalls ist Polestar beim Absatz auf dem aufsteigenden Ast. Bei den Gewinnen, oder besser gesagt den Verlusten, sieht es dagegen noch düster aus.
Unser Titelbild zeigt die aktuelle Polestar-Palette in numerischer Reihenfolge, vom Polestar 2 ganz hinten bis zum Polestar 5 vorn.
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