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Tesla beherrscht Trockenbeschichtung nun an Anode und Kathode

Das DBE-Verfahren wird offenbar für 4680er-Zellen verwendet, die im Model Y eingesetzt werden.

Tesla Model Y Standard (2026)
Bild von: Tesla

Seit Elon Musk beim Battery Day 2020 die sogenannte Trockenbeschichtung von Elektroden erklärte, ist das energiesparende Verfahren auch unter uns informierten Laien ein Thema. An der Anode, wo Graphit aufgebracht wird, beherrscht Tesla das Verfahren bereits seit etwa 2022, doch mit der Kathode hatte man enorme Schwierigkeiten. Doch jetzt ist das Problem offenbar gelöst, wie aus dem Geschäftsbericht für 2025 hervorgeht. 

Im Shareholder Deck, einer PDF-Datei für Investoren, schreibt Tesla, man produziere nun Trockenelektroden für die 4680er-Zellen, wobei sowohl Anode als auch Kathode in Austin gefertigt würden: 

"We now produce dry-electrode for 4680 cells with both anode and cathode made in Austin. We expect both domestic cathode material in Texas and LFP lines in Nevada to begin production in 2026." (Tesla) 

Sprachlich ist das nicht ganz eindeutig, aber es klingt, als würde Tesla die Trockenbeschichtung nun bei Anode und Kathode beherrschen, und zwar nicht nur im Labormaßstab, sondern großtechnisch. Gerade mit der Skalierung auf große Stückzahlen hatte Tesla offenbar Probleme, wie Elon Musk in einem Posting hervorhebt. Das Verfahren soll Kosten und Energiebedarf senken und zudem die Produktion vereinfachen: 

 

Insider kennen das Verfahren unter dem Kürzel DBE, was für Dry Battery Electrode steht. Gemeint ist eine trockene Beschichtung der Elektroden mit den Aktivmaterialien. Letztere sind fest, an der Kathode werden zum Beispiel Nickel-Mangan-Cobalt-Oxide (NMC) oder Lithiumeisenphosphat (LFP) verwendet. Normalerweise werden diese mit einer organischen Flüssigkeit aufgeschlämmt und dieser Schlamm dann aufgebracht. Nachteil: Das toxische Lösungsmittel muss danach in riesigen Öfen wieder entfernt und recycliert werden. Beim Trockenverfahren spart man sich das. 

Außerdem meldete Tesla, dass die unternehmenseigene Lithiumraffinerie die Pilotproduktion aufgenommen habe. Es handele sich um das erste Werk in Nordamerika, wo das Mineral Spodumen in Lithiumhydroxid umgewandelt wird. Das ermöglicht eine Lithium-Produktion, ohne auf Material aus Südamerika oder Australien zurückgreifen zu müssen, was Kosten spart und die Transportwege verkürzt. 

 

Außerdem verwendet Tesla nun die 4680-Zellen auch für bestimmte Model-Y-Versionen, heißt es in dem Bericht weiter. Das war bereits früher einmal der Fall; die zylindrischen Zellen mit 46 mm Durchmesser und 80 mm Höhe wurden mit einem rosa Schaumstoff zu einem festen Block verbunden, der auch Strukturaufgaben übernahm, was Tesla als structural battery bezeichnete. Später wurde das Experiment wieder eingestellt und die Zellen für den Cybertruck verwendet. Da sich dieser aber nicht in den erwarteten großen Stückzahlen verkauft, nutzt Tesla sie offenbar wieder für das Model Y.

"We have begun to produce battery packs for certain Model Ys with our 4680 cells, unlocking an additional vector of supply to help navigate increasingly complex supply chain challenges caused by trade barriers and tariff risks." (Tesla)

Um welche Model-Y-Varianten es sich handelt, bleibt offen. Es liegt nahe, dass die gestern in den USA eingeführte fünfte Version für 41.990 Dollar gemeint ist. Die neue Allradvariante ist die zweitgünstigste und hat die abgespeckte Standard-Ausstattung. Außerdem bietet der Neuling eine Reichweite von 294 Meilen (473 km) nach EPA-Norm, eine Höchstgeschwindigkeit von 125 mph (201 km/h) und eine Beschleunigung von 0 auf 60 mph in 4,6 Sekunden. Bei uns werden schon seit Anfang Januar fünf Versionen des Model Y angeboten, aber eine Standard-Version mit Allradantrieb ist nicht darunter.

Unter dem Strich

Tesla baut wieder 4680er-Zellen in bestimmte Model-Y-Modelle ein, und diese Zellen haben erstmals auch trockenbeschichtete Kathoden. Damit spart Tesla Kosten bei der Produktion, und wenn sich das Verfahren bewährt, dürften auch andere Autohersteller interessiert sein. Was das der Kundschaft bringt, wissen wir noch nicht, aber es könnte die Energiedichte auf Packebene verbessern und damit höhere Reichweiten bringen. Bei dem Verfahren mit dem rosa Schaumstoff lassen sich bei einem Defekt weder Zellen noch Module austauschen, aber verschiedene Hersteller berichten, dass diese ohnehin sehr selten versagen.