Ceer Exobot SUV und Exobot Sedan: Saudische Marke zeigt erste Modelle
Keilförmige Elektromodelle mit 817 kW starkem Trimotor-Antrieb, 112-kWh-Batterie, bis zu 670 km Reichweite und viel Technik
Nach der Türkei will nun auch Saudi-Arabien seine ersten Elektroautos auf den Markt bringen. Die neue Marke heißt Ceer und wurde bereits 2022 gegründet. Am gestrigen Montagabend, den 21. September wurden die ersten beiden Modelle enthüllt.
Die Premiere können Sie sich im englischsprachigen Youtube-Video ansehen. Die beiden Fahrzeuge, Exobot Sedan und Exobot SUV genannt, wurden in Saudi-Arabien entworfen. Beide sind über fünf Meter lang, haben den gleichen Radstand und verfügen über Flügeltüren. Das SUV mit dem keilförmigen Design kennen wir bereits von Erlkönigbildern her. Der "Sedan" (also die Limousine) ist sehr flach und wirkt eher wie ein Coupé.
| Länge | Breite | Höhe | Radstand | |
| Ceer Exobot Sedan | 5.260 mm | 2.102 mm | 1.428 mm | 3.200 mm |
| Ceer Exobot SUV | 5.016 mm | 2.101 mm | 1.693 mm | 3.200 mm |
Beide Modelle haben eine extrem große Windschutzscheibe, die sich bis ins Dach hochzieht und sehr flach liegt. Bei dem Event hieß es, man habe sich von der Liebe der Region zum Nachthimmel inspirieren lassen. Damit sich das Innere nicht zu stark aufheizt, sind die Scheiben mit einer speziellen Beschichtung versehen und eine spezielle Luftführung am Dach entwickelt. Zudem hat jedes Fahrzeug zwei Klimaanlagen, eine für vorn und eine für den Fond.
Dazu kommen Flügeltüren, bei denen man sich vom Flug des Shahin-Falkens anregen ließ. Sie lassen sich innerhalb von zehn Sekunden öffnen und schließen, hieß es bei der Vorstellung. Dazu betätigt man die Fernbedienung oder berührt die in die Türen integrierten Bedienelemente.
Für den Antrieb sorgt ein Tri-Motor-Setup, das bei der Topversion insgesamt 1.111 PS (817 kW) und 1.500 Nm liefert. Damit soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,1 Sekunden bei der Limousine und 2,4 Sekunden beim SUV gelingen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Als Energiespeicher dient eine 112-kWh-Batterie. Damit sollen sich 670 km Reichweite bei der Limousine und 560 km beim SUV ergeben. Die 800-Volt-Architektur ermöglicht schnelles Laden von 10 auf 80 Prozent in unter 30 Minuten.
| Ceer Exobot Sedan (Topversion) | Ceer Exobot SUV (Topversion) |
|
| Antrieb | AWD 817 Nm, 1.500 Nm (3 Motoren) |
AWD 817 Nm, 1.500 Nm (3 Motoren) |
| 0–100 km/h / Höchstgeschwind. | 2,1 Sek. / 250 km/h | 2,4 Sek. / 250 km/h |
| Akku / Reichweite | 112 kWh / 670 km | 112 kWh / 560 km |
| DC-Ladedauer 10–80 % | <30 min | <30 min |
Zunächst starten sollen jedoch zwei schwächere Varianten mit 625 kW Antriebsleistung und der gleichen Batterie:
| Ceer Exobot Sedan Plus/First Edition |
Ceer Exobot SUV Plus/First Edition |
|
| Antrieb | AWD 625 Nm, 1.000 Nm (3 Motoren) |
AWD 625 Nm, 1.000 Nm (3 Motoren) |
| 0–100 km/h / Höchstgeschwind. | 2,6 Sek. / 230 km/h | 2,9 Sek. / 210 km/h |
| Akku / Reichweite | 112 kWh (NMC) / 670 km | 112 kWh (NMC) / 560 km |
| Max. Ladeleistung AC / DC | 11 / 250 kW | 11 / 250 kW |
| DC-Ladedauer 10–80 % | <30 min | <30 min |
Im Vorfeld hatte die Automobilwoche berichtet, BMW fungiere als Lizenzgeber für einzelne Antriebskomponenten. Das SUV sollte Teile vom aktuellen BMW iX1 übernehmen, die Limousine vom BMW i4. Beide BMWs gelten als Auslaufmodelle: Der iX1 soll 2027 auf die Neue Klasse-Architektur umgestellt und der i4 bald durch den i3 der Neuen Klasse ersetzt werden.
Die Fahrzeuge bieten zudem jede Menge Technik, darunter Torque Vectoring, eine adaptive Luftfederung, Steer-by-wire und Hinterradlenkung. Auch eine Sprachbedienung, einen Digital Key, ferngesteuertes Parken, einen assistierten Spurwechsel, eine Beduftungsanlage und Over-the-Air-Updates bieten die Fahrzeuge. Für die Sicherheit sorgen eine Space-Frame-Architektur aus Aluminium und sieben Airbags mit eigens entwickelten Formen.
Das Cockpit mit dem extrem breiten Display und dem Steuerjoch
Innen gibt es ein Steuerjoch und ein 48 Zoll großes Display, das sich über die ganze Cockpitbreite erstreckt, einen 10,4-Zoll-Touchscreen und ein 8-Zoll-Display für die Fondpassagiere. Es gibt aber auch physische Bedienelemente, darunter ein Hebel rechts am Steuerjoch für die Wahl zwischen D- und R-Fahrmodus und Einstellmöglichkeiten für die Klimaanlagen und die Lautstärke.
Das Steuerjoch mit dem Hebel rechts zum Aktivieren der Fahrmodi D und R
Die First Edition der beiden Fahrzeuge bietet rote Bremssättel und ein "Black Color Pack". Innen findet man Sitze aus schwarzem und rotem Nappaleder, deren Kopfstützen jeweils mit einem First-Edition-Emblem versehen sind. Um die Exklusivität zu unterstreichen, trägt jedes First-Edition-Modell eine Plakette mit der Fahrgestellnummer. Bei der Außenfarbe kann man zwischen Grau und Weiß wählen.
Die beiden Erstlinge von Ceer gehören zu einer Palette von insgesamt sieben Modellen, die bis 2030 auf den Markt kommen sollen. Dazu gehören Mittelklasse- und Kompaktwagen mit verschiedenen Antriebsoptionen. Bis 2034 soll Ceer acht Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt Saudi-Arabiens und 21 Milliarden US-Dollar zur Verbesserung der Handelsbilanz beitragen.
Ceer ist ein Joint Venture zwischen dem saudischen Public Investment Fund (PIF) und Foxconn. Der als Auftragsfertiger des Apple iPhone bekannte Konzern aus Taiwan bringt seine Erfahrung mit Elektronik, Vernetzung und Fahrzeugarchitekturen ein. So muss Ceer wohl Motor und Inverter nicht selbst entwickeln, sondern kann auf funktionierende Teile zurückgreifen. Und BMW kann die bald nicht mehr benötigte Technik zweitverwerten.
Gebaut werden die Autos in der King Abdullah Economic City. Dort werden derzeit Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei, Montage, Logistik und eine Teststrecke aufgebaut. Produktionsstart soll aber bereits Ende 2026 sein. Die Stadt wurde auf zwei Millionen Einwohner ausgelegt und verfügt über einen Tiefwasserhafen sowie eine King Abdullah University of Science and Technology.
Unter dem Strich
Saudi-Arabien will wie die Türkei eine eigene Elektroauto-Industrie aufbauen. Am gestrigen Montagabend wurden die ersten zwei Modelle vorgestellt. Wir hatten ein Event mit viel Getöse, aber wenig Inhalt erwartet – und wurden positiv überrascht. Es wurden die wichtigsten technischen Daten genannt. Erstaunlich finden wir, wie viel Technik das Entwicklungsteam verbaut hat – von riesigen Bildschirmen über eine Luftfederung bis hin zu Steer-by-Wire und Hinterradlenkung.
Letzte Änderung am 22. September 2026: Offizielle Bilder und Informationen aus der Pressemeldung zum Event eingefügt.
Quelle: Ceer, Automobilwoche (Paywall)
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