Wie gut ist der erste Elektro-SUV von Volkswagen?

VW will im Jahr 2030 in Europa 70 Prozent seines Absatzes in Europa mit Elektroautos bestreiten. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Angebot an E-Autos wachsen. So startete Anfang 2021 nun das Elektro-SUV namens ID.4. Wir haben das Auto bereits getestet.

Wenn der ID.3 so etwas wie das elektrische Alter Ego des Golf ist, dann ist der VW ID.4 die emissionsfreie Version des Tiguan. Mit 4,58 Meter Länge liegt er in der Mitte zwischen dem Tiguan und dem Tiguan Allspace (4,50 bzw. 4,70 Meter). Und er ist 32 Zentimeter länger als der ID.3.

Volkswagen ID.4 essai

Optik

Der VW ID.4 wirkt schon auf den ersten Blick imposant. Sogar mehr als ein Mustang Mach-E, obwohl der Ford 13 Zentimeter länger ist. Die Linienführung ist ziemlich ungewöhnlich und greift den Look des ID.3 auf. Elemente wie den geschlossenen Kühlergrill, die schmalen Scheinwerfer mit ihrer ausdrucksstarken Optik, das scheinbar von der Karosserie losgelöste Dach oder das Rückleuchten-Band werden sich bei künftigen Elektro-Modellen von VW wiederfinden. 

Volkswagen ID.4 essai
Volkswagen ID.4 essai

Doch irgendwas an dieser Karosserie ist nicht überzeugend. Denn der ID.4 wirkt optisch schwer. Obwohl er auch den Eindruck eines starken, robusten Autos vermitteln kann, was eher positiv ist. Nun, da darf sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Volkswagen ID.4 essai

Bei unserem Testwagen handelt es sich um die Topversion 1st Max Pro Performance, die serienmäßig mit 21-Zoll-Rädern im "Narvik"-Design, getönten Scheiben und einem Panoramaglasdach ausgestattet ist. Vom IQ Light ganz zu schweigen, also den Matrix-LED-Scheinwerfern. Und auch die Rückleuchten haben einen Matrix-Look.

Volkswagen ID.4 essai
Volkswagen ID.4 essai

Innenraum

Im Innenraum dominiert das Gefühl von Weite, sobald man sich in die lichtdurchflutete Kabine unter dem riesigen Glasdach setzt. Man nimmt auf schönen Sitzen mit elektrischer Einstellung und Massagefunktion Platz, die allerdings etwas straff sind.

Volkswagen ID.4 essai

Wenn man hinter dem Steuer Platz nimmt, wirkt die Umgebung sehr simpel. Hinter dem Lenkrad gibt es ein Instrumentendisplay, das nur drei Arten von Informationen anzeigt, und zwar wahlweise größer oder kleiner. Die Zeiten, da man alles konfigurieren konnte und sich sogar die Navigationskarte anzeigen lassen konnte, sind also vorbei! Aber diese Einfachheit hilft sehr, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Zumal noch das sehr gute Head-up-Display hinzukommt, auf das wir noch zurückkommen werden.

Der zentrale 12-Zoll-Touchscreen ist oben auf dem Armaturenbrett angeordnet, über den wenigen verbliebenen Tasten im Interieur. Die Benutzeroberfläche ist nicht sehr intuitiv, es dauert ein wenig, sich daran zu gewöhnen, aber auch sie ist im Grunde einfach. Der Touchscreen ist manchmal etwas reaktionsträge, aber VW versichert, dass das System noch durch Updates verbessert werden kann, um Kundenfeedback zu berücksichtigen.

Volkswagen ID.4 essai
Volkswagen ID.4 essai
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Nicht so angetan sind wir von den Touch-Tasten unter dem Bildschirm sowie denen am Lenkrad (mit haptischer Rückmeldung): Sie sind zuweilen reaktionsträge. Ein weiteres ärgerliches Detail im Alltag sind die Tasten für die elektrischen Fensterheber im Fond: Statt der üblichen vier Tasten für die Fensterheber gibt es nur zwei, und eine weitere Taste, mit der man die hinteren Fenster auswählt. Natürlich öffnet man die hinteren Fenster nicht oft vom Fahrerplatz aus, aber war es wirklich nötig, einen Bedienknopf einzusparen? Wirklich keine gute Idee.

Im Fond gibt es viel Raum. Der fehlende Mitteltunnel kommt dem mittleren Sitzplatz zugute, auch wenn es sich nicht um drei vollwertige Plätze handelt. Das Einsteigen ist leicht, die Beinfreiheit ist sehr großzügig, genauso wie die Kopffreiheit. Der ID.4 verwöhnt die Familie.

Volkswagen ID.4 essai
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Auch der Kofferraum ist recht großzügig. 543 Liter Gepäck passen hinein. Die Fondbank ist im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel geteilt umklappbar. Außerdem gibt es einen Raum unter dem Ladeboden zum Verstauen der Kabel. Schade nur, dass es keinen Kofferraum unter der vorderen Haube gibt ...

Antrieb und Fahrwerk

Um den ID.4 zu starten, muss man den Wählhebel drehen, der sich rechts hinter dem Lenkrad befindet. Wie bei einem Automatikgetriebe schaltet man in "D" für "Drive" und schon geht es los. Auf den ersten Kilometern wirkt der ID.4 sehr sanft. 

Unser ID.4 ist mit der großen 77-kWh-Batterie ausgestattet, und die Leistung liegt bei 150 kW (204 PS). Der Wagen ist jedoch kein Supersportler. Das Beschleunigungsgefühl ist gut, aber es fehlt der Kick, den einem zum Beispiel ein Tesla gibt. Man spürt, dass dieser ID.4 schwer ist, er wiegt ja fast 2,2 Tonnen. Aber mit einer Sprintzeit von 8,5 Sekunden bietet das Auto ein gutes Gefühl, was die Leistung angeht.

Volkswagen ID.4 essai

Die Lenkung ist recht schwergängig, aber durch den niedrigen Schwerpunkt, der durch die Batterie unter dem Boden bedingt ist, bleibt das Auto für ein SUV dieser Größe sehr gut ausbalanciert, selbst bei etwas harter Fahrweise. Die elektronisch geregelten Dämpfer ermöglichen außerdem eine Einstellung des Fahrwerks je nach gewähltem Fahrmodus: Eco, Comfort oder Sport. 

Als angenehm erweist sich der ID.4 auch in der Stadt. Denn die Räder lassen sich sehr weit einschlagen, weil es vorne keinen Motor gibt – der sitzt auf der Hinterachse. So haben die Räder mehr Platz, um sich zu drehen.

Volkswagen ID.4 essai

Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion

Aber zurück zum Head-up-Display: Es bietet nicht nur die von anderen Systemen bekannten Informationen, sondern auch eine Augmented-Reality-Funktion (AR). Mercedes zeigt bei seiner AR-Funktion einen Navigationspfeil und das Bild der Fahrzeugkamera zusammen auf dem zentralen Bildschirm an. Um das zu sehen, muss man den Kopf bewegen. Dagegen zeigt VW die Informationen direkt im Sichtfeld des Fahrers oder der Fahrerin an. 

Volkswagen ID.4 essai

Wenn man auf der Autobahn ein Fahrzeug vor sich hat, wird eine grüne Linie angezeigt, die rot wird, wenn man zu nah auffährt. Es gibt auch zwei orangefarbene oder grüne Linien, die anzeigen, ob das Spurhaltesystem aktiviert ist oder nicht. Sie werden entlang der Linien der vorausliegenden Straße angezeigt.

Sehr praktisch sind auch die Richtungspfeile der Navigation. Und die Fahne, die gezeigt wird, wenn man das Ziel erreicht hat. Beides wird umso größer, je näher man der Kreuzung oder dem Ziel kommt. Und das ohne jemals aufdringlich zu sein, mit dezenten Piktogrammen, die dezent verblassen, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Ein wirklich großartiges System. 

Volkswagen ID.4 essai
Volkswagen ID.4 essai

Reichweite und Aufladen

Was die Reichweite angeht, vollbringt der VW ID.4 keine Wunder: Offiziell werden bei der 77-kWh-Batterie 520 Kilometer angegeben. 490 Kilometer sind es bei der gefahrenen Max-Ausstattung, mit 21-Zoll-Rädern. Auf unserer 455 Kilometer langen Strecke, mit Autobahn, Bundesstraße und Stadt, verbrauchte der Wagen 22,3 kWh/100 km. Daraus errechnet sich eine Reichweite von nur 345 Kilometern. 

Recharge Ionity ID.4

Die maximale Ladeleistung mit Gleichstrom liegt bei 125 kW. Damit wird die maximale Ladeleistung der Säulen von Ionity nicht ausgeschöpft. Aber 80 Prozent der Reichweite lassen sich damit in etwa dreißig Minuten wiederherstellen.

Fazit

Unsere erste Testfahrt mit dem VW ID.4 hat gezeigt, dass er ein gutes elektrisches Familienfahrzeug ist. Von seiner Optik sind wir nicht begeistert. Aber die elektrische Alternative zum Tiguan bietet viel Platz für die Insassen, lässt sich geschmeidig und komfortabel fahren. Das Fahrzeuggewicht verringert allerdings die Dynamik und einige der Bedienelemente hinterließen bei uns gemischte Gefühle. 

Bleibt noch die Frage nach dem Preis: Die gefahrene Max-Version mit der 77-kWh-Batterie kostet in Deutschland 58.820 Euro. Abziehen darf man gedanklich noch die Förderung von 9.750 Euro, so dass man bei 49.250 Euro landet.

Zum Vergleich: Ein Tesla Model Y Long Range mit Allradantrieb kostet 59.600 Euro vor Förderung, also nur wenig mehr. Doch der Tesla bekommt keine Förderung, er steht nicht in der Liste des BAFA. So ist der Tesla im Endeffekt dann doch rund 10.000 Euro teurer.

Volkswagen ID.4 essai

Den günstigsten ID.4 mit 77 kWh-Batterie gibt es ab 44.555 Euro vor Förderung, mit der 52-kWh-Batterie (für 345 Kilometer Reichweite) gibt es ihn schon ab 36.950 Euro. Nach Förderung bleiben dann nur noch 27.200 Euro, nicht schlecht für ein Familien-Elektroauto!

Vorteile Nachteile
Echtes Familienauto Schwer wirkendes Design
Gute Reichweite Hohes Gewicht
Gute Alltagstauglichkeit Schlechte Ergonomie 

Anmerkung des Übersetzers: Die Angaben zu den Preisen wurden an die deutschen Verhältnisse angepasst; außerdem wurde der französische Originaltext behutsam gekürzt.

Bildergalerie: VW ID.4 im Test

VW ID.4 (150 kW, 77 kWh)

Motor Elektromotor hinten (PSM)
Leistung 150 kW (204 PS)
Max. Drehmoment 310 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h 8,5 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Batterie 77 kWh (Lithium-Ionen-Akku)
Elektrische Reichweite bis 520 km (WLTP)
Ladeanschluss CCS2 (AC bis 11 kW, DC bis 125 kW)
Aufladezeit Mit DC 125 kW werden 320 WLTP-km in 30 min nachgeladen
Länge 4,58 Meter
Breite 1,85 Meter
Höhe 1,63 Meter
Kofferraumvolumen 543-1.575 Liter
Leergewicht 2.124 kg
Anhängelast bis 1.200 kg
Basispreis 44.555 Euro (mit 150 kW, 77 kWh)