BYD Seal U (2024) im Dauertest: Allrounder mit Luft nach oben
Nach 4.000 Kilometern im Seal U zeigt sich: Das China-SUV punktet mit Ausstattung, hat aber auch Schwächen
Update vom 22. Januar 2026: Laut Konfigurator kostet die getestete Variante Design nun nicht mehr 44.990, sondern 46.490 Euro.
Drei Monate, knapp über 4.000 Kilometer und jede Menge Alltagssituationen später ist es Zeit für ein finales Fazit zum BYD Seal U. Das Elektro-SUV aus China hat in unserem Langzeittest überzeugt, aber auch Schwächen gezeigt. Wie schlägt es sich im Dauereinsatz? Und ist es eine ernstzunehmende Alternative zu etablierten Elektro-SUVs wie dem VW ID.4 oder dem Tesla Model Y?
Der BYD Seal U zeigt sich als praktischer Begleiter für den Alltag. Mit einer Länge von 4,79 Metern bietet er reichlich Platz für Fahrer und Passagiere. Besonders beeindruckend ist das Raumangebot in der ersten Sitzreihe, wo selbst großgewachsene Personen bequem sitzen. Im Fond wird es allerdings ab einer Körpergröße von 1,85 Metern etwas enger.
Der Kofferraum fasst 552 Liter und lässt sich durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.440 Liter erweitern, was ausreichend Stauraum für Gepäck und Einkäufe bietet. Was allerdings fehlt, ist ein Frunk – ein Manko, das sich vor allem im Vergleich zur Konkurrenz bemerkbar macht.
Die Bedienung des Infotainmentsystems über den drehbaren 15,6-Zoll-Touchscreen ist gewöhnungsbedürftig. Wichtige Funktionen wie die Sitzheizung oder die Routenplanung für Ladestopps sind tief in den Menüs versteckt. Während die Sprachsteuerung in den meisten Fällen präzise arbeitet, irritiert das Navigationssystem mit teilweise widersprüchlichen Tempolimit-Angaben.
Auch die Rundumsicht ist nicht optimal. Die breite C-Säule behindert den Blick nach hinten und die Rückfahrkamera liefert nur bei guten Lichtverhältnissen ein scharfes Bild. Immerhin erleichtert die 360-Grad-Kamera das Einparken in enge Parklücken.
Im Innenraum setzt BYD auf edle Materialien - Kristallapplikationen an Schaltwählern und Türverkleidungen erinnern an BMW-Modelle, während das Kunstleder der bequemen Sitze höheren Temperaturen standhält. Die Soft-Touch-Oberflächen vermitteln einen hochwertigen Eindruck, doch scharfkantige Türfachränder und teilweise knarzende Stellen im Cockpit trüben das Bild.
Praktisch ist dagegen die durchgehende Fußmatte im Fond, die sich zur Reinigung in einem Stück herausnehmen lässt. Schade hingegen sind die extremen Verschmutzungen nach Regenfahrten an den unteren Türinnenseiten, die aufgrund der Positionierung der Türgummis bereits nach wenigen Kilometern komplett mit Schmutz bedeckt sind, aber immerhin bleiben die Türeinstiegsleisten sauber.
Das Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenschutz und das Infinity-Soundsystem sind serienmäßig in der "Design"-Ausstattung zu finden. Die dreistufige Sitzkühlung erweist sich als wirkungsvoll, während die Windgeräusche jenseits der Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn merklich zunehmen.
Solide, aber kein Dynamikwunder
Unter der Haube verbirgt sich ein 160 kW (218 PS) starker Elektromotor, der die Vorderräder antreibt. Das maximale Drehmoment von 330 Newtonmetern ermöglicht eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,6 Sekunden, was für den alltäglichen Gebrauch vollkommen ausreichend ist. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 175 km/h begrenzt – knapp über 180 Stundenkilometer waren bei uns im Test aber drin.
Stattdessen punktet der BYD mit einem ruhigen, linearen Leistungsaufbau und einem gut abgestimmten Fahrwerk, das Komfort priorisiert. Im Stadtverkehr und auf der Autobahn glänzt der Seal U durch geringe Wind- und Reifengeräusche, selbst bei Tempo 130. Die Federung mildert Schlaglöcher effektiv ab, neigt jedoch in Kurven zu spürbarem Wanken. Sportliche Fahrer vermissen hier die Präzision eines Tesla Model Y oder die Agilität des Hyundai Ioniq 5.
Der Eco-Modus drosselt die Leistung spürbar und erhöht die Rekuperation – ideal für Stopp-and-Go-Verkehr. Die Bremsenergie-Rückgewinnung lässt sich in drei Stufen anpassen, wobei die stärkste Stufe ein nahezu pedal-loses Fahren ermöglicht. Kritik gibt es am "Kriechmodus": Beim Anfahren an Steigungen rollt der Wagen leicht zurück, was ungewohnt ist. Ein weiteres Minus ist die Traktionskontrolle: Auf nasser Fahrbahn drehen die Vorderräder beim Beschleunigen häufiger durch als erwartet.
Besonders auffällig ist aber der stark eingreifende Spurhalteassistent, der auf kurvigen Landstraßen oft ungewollt korrigiert und ein Deaktivieren zur angenehmeren Wahl macht.
Starke Batterie mit Lade-Schwächen
Dank einer nominellen Akku-Kapazität von 87 kWh kommt der Seal U im Realbetrieb gut 450 Kilometer weit - ein Wert, der rund 10 Prozent unter den offiziellen WLTP-Angaben liegt. Der Verbrauch pendelt sich am Ende unseres Dauertests bei 20,9 kWh/100 km ein, auf der Autobahn steigt er schnell auf über 25 kWh/100 km.
Eine Schwäche zeigt sich an der Schnellladestation: Während die maximale Ladeleistung von 140 kW solide ist, fällt sie ab einem Ladezustand von 40 Prozent rapide ab. So dauert ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent etwas über 40 Minuten - kein Spitzenwert in dieser Fahrzeugklasse. Wie es besser geht, zeigt das neue SUV-Coupé Sealion 07, das dank 800-Volt-Technik für den gleichen Ladevorgang nur knapp die Hälfte der Zeit benötigt.
Während viele Konkurrenten optional einen 22 kW AC-Lader anbieten, müssen sich Seal U-Kunden mit 11 kW begnügen, was die Ladezeit an der heimischen Wallbox verlängert. Auch die Ladeplanung bleibt noch verbesserungswürdig. Zwar funktioniert seit dem letzten OTA-Update die integrierte EV-Routenplanung, aber eine Routenoptimierung mit Echtzeitdaten, wie sie Tesla oder BMW anbieten, fehlt.
Luxus zum Kampfpreis?
Der Seal U tritt mit einer üppigen Serienausstattung an, die viele europäische Wettbewerber alt aussehen lässt. Schon in der "Comfort“-Ausstattung für 41.990 Euro gibt es beheizte und belüftete Sitze, ein Panoramadach und ein Audiosystem mit neun Lautsprechern – Features, die in Konkurrenzmodellen oft extra kosten.
Unser Testwagen in der Top-Ausstattung "Design" kostet rund 45.000 Euro und besitzt gegenüber der einfacheren Basis-Ausstattung zusätzlich ein Head-Up-Display, ein Luftreinigungssystem (gut gegen Pollen), das knapp drei Zoll größere Infotainmentdisplay, kabelloses Laden und das bereits erwähnte High-End-Audiosystem mit zehn Lautsprechern von Infinity.
Im Vergleich zur Konkurrenz positioniert sich der Seal U als preiswertes Premium-SUV. Er bietet mehr Ausstattung zum Preis eines gut ausgestatteten Skoda Enyaq, kann aber in puncto Fahrdynamik und Effizienz nicht mit etablierten Modellen wie dem Tesla Model Y mithalten. Für Familien, die Wert auf Komfort und Ausstattung legen, ist der Seal U eine außerordentlich interessante Alternative, während sportliche Fahrer die wenig dynamischen Fahreigenschaften kritisch sehen dürften. Aber dafür hat BYD ja noch den Sealion 07 in Petto – und wer mehr Platz und mehr Sitze benötigt, den Tang.
Fazit: Allrounder mit Luft nach oben
Der BYD Seal U beweist, dass chinesische Hersteller ernsthafte Konkurrenz sind. Er bietet viel Platz, eine solide Reichweite und eine Ausstattungsliste, die europäische Premiummodelle blass aussehen lässt – und das zu einem fairen Preis. Doch der Teufel steckt im Detail: Die Software fühlt sich teilweise unausgereift an, die Materialqualität schwankt, und das Fahrwerk priorisiert Komfort über Fahrspaß.
Wer diese Kompromisse akzeptiert, bekommt ein praktisches Familien-E-Auto mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis und einer Garantie von bis zu sechs Jahren. Grund genug für mich persönlich, den Seal U auf die Liste der potenziellen Nachfolgermodelle unseres Familienkombis zu setzen.
BYD Seal U Design
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