Ex-Mercedes-Chef Dieter Zetsche als Berater gewonnen

Factorial Energy, ein bislang unbekanntes Start-up aus Woburn (Massachusetts/USA), stellt eine Festkörperbatterie mit einer Speicherkapazität von 40 Amperestunden vor. Sie soll eine 20 bis 50 Prozent höhere Energiedichte als herkömmliche Akkus mit flüssigem Elektrolyt bieten, ohne dass die Lebensdauer verringert wird.

"Wir sind begeistert, dass wir als erste die 40-Amperestunden-Benchmark für eine Festköper-Zelle erreicht haben, und ich freue mich darauf, in den kommenden Monaten mehr von den Erfolgen unseres Teams zu berichten", sagte Factorial-Chefin Siyu Huang, die auch gelernte Chemikerin ist.

Bei Festkörperbatterien wird der flüssige Elektrolyt (der wegen seiner Brennbarkeit ein Sicherheitsproblem darstellt) durch einen Feststoff ersetzt. Das verhindert die Dendritenbildung an der Anode. Daher kann für die Anode, die bei aktuellen Batteriezellen aus Graphit besteht, metallisches Lithium verwendet werden. Da Lithium leichter als Kohlenstoff ist, sinkt das Gewicht und die gravimetrische Energiedichte steigt.

Factorial verwendet laut Bloomberg einen speziellen Polymer-Separator. Dadurch konnte der Flüssigelektrolyt zumindest in einer Hälfte der Batterie weggelassen werden. Ziel ist jedoch eine Zelle ohne Flüssigkeiten, also eine All-Solid State Battery (ASSB).

Aber was taugt die neue Batterie wirklich? Bei der Speicherkapazität hat Factorial offenbar wirklich die Nase vorn: Die 40 Amperestunden (Ah) der Batterie von Factorial sind doppelt so viel wie die 20-Ah-Batterie von Solid Power speichern kann, und ein Vielfaches der Größe der QuantumScape-Batterien, so Bloomberg in einem Artikel über den Akku.

Bei anderen Kennziffern ist das Bild durchwachsen. Bloomberg zitiert den Batterieforscher Shashank Sripad von der Carnegie Mellon University mit einer Einschätzung. Danach ist die Factorial-Zelle im Vergleich zu den Festkörperakkus von W-Partner QuantumScape und Solid Power sicherer und vielleicht auch billiger herzustellen. Bei Energiedichte, Schnelladeeigenschaften und der Lebensdauer (gemessen an der Zahl der Ladezyklen) ist Factorial aber nicht unbedingt an der Spitze. 

Gegenüber Bloomberg verriet Factorial etliche Kennziffern:

  • Speicherkapazität: 40 Amperestunden
  • Energiedichte (gravimetrisch): derzeit 350 Wattstunden pro Kilogramm (Ziel: 400 Wh/kg)
  • Energiedichte (volumetrisch): 770 Wh/Liter (Ziel: 1.000 Wh/Liter)
  • Zyklenfestigkeit:  460 Zyklen (Laden und Entladen, bis Kapazität unter 80% fällt)
  • Schnelladefähigkeit: in 1 Stunde voll (1C)

Das von Factorial genannte Ziel bei der Energiedichte (400 Wh/kg und 1.000 Wh/Liter) liegt nicht viel höher als das, was Tesla heute schon bei seinen Zellen erreicht, nämlich 300 Wh/kg und 1.000 Wh/Liter, so Bloomberg.

Auch die angegebene Zykluszahl von 460 ist nicht unbedingt top. Solid Power verspricht zwar nur 250 Zyklen, QuantumScape aber volle 800 Zyklen.

Voll aufgeladen werden kann die Batterie in einer Stunde – also mit einer C-Rate von 1C. Viele aktuelle Batterien lassen sich aber deutlich schneller aufladen. So schafft zum Beispiel der Akku des Hyundai Ioniq 5 fast 2C im Durchschnitt und bis zu 3C in der Spitze.

Factorial sagt, dass die Firma über 40 Millionen Dollar verfügt. QuantumScape hingegen besitzt laut Bloomberg fast 1,5 Milliarden Dollar an Barmitteln, Solid Energy immerhin 139 Millionen Dollar.

Laut Factorial wird die Technologie derzeit von mehreren große Automobilherstellern validiert. Doch etliche Autohersteller sind bereits Partnerschaften eingegangen, wie Bloomberg ausführt. So kooperiert Toyota mit Panasonic, Volkswagen mit QuantumScape, General Motors mit General Motors mit Solid Energy Systems, Ford mit Solid Power und Mercedes mit Hydro Quebec.

Zu den Investoren des Unternehmens gehören der ehemalige Ford-Präsident Mark Fields und Harry Wilson, ein Ex-Berater der Obama-Regierung. Fields und Wilson treten auch dem Advisory Board bei, genauso wie Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche. Zudem wurde Joe Taylor, ehemaliger Chef von Panasonic Nordamerika, als Executive Chairman gewonnen. Taylor spielte angeblich eine Schlüsselrolle beim Einfädeln der Kooperation zwischen Tesla und Panasonic, die zur gemeinsamen Zell-Produktion führte.